Stadt Wien Podcast

Zwischen Plan und Paragraf: Wie Bauprojekte bewilligt werden

Stadt Wien

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Habt ihr in Wien schon mal eine Wohnung saniert? Oder eine Klimaanlage installiert? Dann hattet ihr mit Sicherheit schon mit der Wiener Baupolizei zu tun. Die Bewilligung von Bauansuchen ist nämlich eine zentrale Aufgabe dieser Magistratsabteilung. Doch speziell die Komplexität, die gestiegenen Anforderungen und die unterschiedlichen Interessen (etwa von Bauwerber*innen und Nachbar*innen) machen es den Referent*innen nicht immer leicht. Wir wagen dennoch einen Blick in ihren Arbeitsalltag und sprechen nicht nur über Herausforderungen, sondern auch Highlight-Projekte und die digitale Zukunft der Bewilligung.

Shownotes:

https://www.wien.gv.at/pdf/ma37/merkblatt-bauwerberinnen.pdf

https://www.wien.gv.at/wohnen/bauverfahren-verschiedene

https://www.wien.gv.at/wohnen/digitale-baueinreichung

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Habt ihr schon mal in Wien ein Haus gebaut oder vielleicht eine Wohnung saniert oder vielleicht auch eine Klimaanlage installiert? Dann habt ihr wahrscheinlich schon mit der Baupolizei zu tun gehabt. Genauer gesagt mit einem von den Bewilligungsdezernaten und genau darüber möchte ich in der heutigen Folge sprechen. Mein Name ist Nicole Nestler und ihr hört Bausache Wien, den Podcast der Baupolizei. Ich hab mir für die heutige Episode wieder Unterstützung geholt und bei mir ist mein wunderbarer Kollege, der Peter, und die ebenso wunderbare Kollegin Sandra. Herzlichen Dank, dass ihr heute meine Gäste seid. 
Danke.

Danke für die Einladung. Freue mich, hier zu sein.

Starten wir mal kurz mit dir, Peter. Du bist ja schon recht lang bei der Baupolizei. Erzähl uns doch bitte mal, was du so machst und wie du zur Baupolizei gekommen bist.

Ja, ich bin ziemlich genau 7 Jahre jetzt bei der Baupolizei, sprich mit Ende 2018 dazu gekommen. Hab vordienstlich einmal ein Architekturstudium an der TU Wien absolviert, war dann langjährig in der Planungspraxis tätig. Hab letztlich dann auch die Ziviltechnikerprüfung gemacht und hab mich dann aus verschiedenen Gründen einmal entschlossen, eine Initiativbewerbung bei der Stadt Wien vorzunehmen und bin dann letztlich über einige Umwege bei der Baupolizei gelandet, wo es mir immer noch sehr viel Spaß macht.

Cool, spannender Werdegang. Und wie ist das bei dir, Sandra?

Eigentlich ganz ähnlich. Also, ich bin noch nicht so lange dabei wie der Peter. Bin jetzt seit eineinhalb Jahren bei der Baupolizei, habe vorher 10 Jahre in der Privatwirtschaft gearbeitet, beim Architekten, also auch Planungstätigkeiten. Hatte sehr viel Kontakt schon mit der MA 37 Baupolizei, gleichzeitig aber auch mit der MA 36 und über Umwege bin ich dann eigentlich nach meiner Bewerbung bei der MA 36 zur MA 37 gekommen. Also, ich hatte da parallel eigentlich mich bei beiden Dienststellen beworben und die MA 37 ist es dann geworden.

Vielleicht kannst du kurz erklären, was ist die MA 36? Was machen die?

MA 36 macht die Gewerbetechnik. Also, die machen eigentlich ähnliche Tätigkeiten wie wir. haben ähnliche Aufgabenbereiche nur auf Gewerbeverfahren, also Betriebsanlagengenehmigungen jeglicher Hinsicht.

Ihr seid ja in eigentlich unterschiedlichen Gebieten tätig. Also Sandra, du bist ja eher für den 21. und 22. Bezirk zuständig und Peter, du bist ja in der Gebietsgruppe West ansässig und bist da eher im innerstädtischen Bereich tätig. Was sind da so die spezifischen Herausforderungen oder Gegebenheiten, die ihr da so vorfindet in eurem Alltag?

Also grundsätzlich sind wir, glaube ich, auch schon in unterschiedlichen Dezernaten tätig, wobei sich die Benennung der Dezernate historisch entwickelt hat. Also ich sitze eigentlich im großvolumigen Dezernat in der Gebietsgruppe Ost, betreue die Bezirke 21 und 22, mach aber eigentlich von Anlagen über Einfamilienhäuser bis hin zu großen Wohnbauten so ziemlich alles. Einzig die Stadterneuerungsthemen, die fallen eben eher in den Bereich, wo der Peter arbeitet.

Ja, richtig. Also Im Prinzip ist es so, dass die Dezernate und die Gebietseinteilung eigentlich historisch gewachsen ist. Früher war es eine eigentlich mehr oder weniger schon strengere Teilung zwischen den Tätigkeitsbereichen, zwischen Stadterneuerung, Groß- und Kleinvolumig. In der Gebietsgruppe West zum Beispiel betreuen wir die Bezirke 12 bis 19, haben aber de facto jetzt im Rahmen der innerstädtischen Bebauung von der Einfriedung bis zum Hochhaus unter Anführungszeichen eigentlich alle Bauvorhaben bei uns zu bearbeiten, was die Tätigkeit sehr abwechslungsreich macht.

Jetzt ist es ja so, es ist ja nicht jedes Bauvorhaben gleich. Also, je nachdem, was ich umsetzen möchte, muss ich ein anderes Bauverfahren einreichen. Welche Verfahren gibt es da und woher weiß ich überhaupt, nach welchem Verfahren ich da einreichen muss?

Im Prinzip bieten wir also für sozusagen Kundinnen, die das erste Mal einreichen, Amtshelferseiten an, zum Beispiel von der Stadt Wien, wien.gv.at/wohnen/bauen. Dort kann man sich mal erstinformieren über die Arten von Bewilligungsverfahren. Es wird auch jedes Verfahren erklärt, worum sich es inhaltlich handelt. Zum Beispiel hätten wir die Bauanzeige, die eben für kleinere bauliche Änderungen im Inneren, was sehr häufig vorkommt, wenn man zum Beispiel Wohnungen saniert oder Gründerzeitwohnungen mit Bädern ausstatten möchte oder Wohnungen zusammenlegen möchte. Man hat Bewilligung von Anlagen, was in letzter Zeit aufgrund des Klimawandels zum Beispiel Klimaanlagen und dergleichen sehr betrifft und auch das Interesse geweckt hat von den Kundinnen. Wir haben die allgemeinen Bewilligungen nach Paragraph 70, was eigentlich ein Großteil unserer Bewilligungen ausmacht. Dann haben wir vereinfachte Bewilligungsverfahren nach 70a oder 70b, die gewisse Voraussetzungen erfüllen müssen, um einen etwas beschleunigten Verfahrensablauf zu gewährleisten. Und dann hätten wir Sonderbaubewilligungen oder Bewilligungen im Kleingarten und dergleichen mehr.

Ja, grundsätzlich haben die Bauwerber natürlich verschiedene Möglichkeiten, also abgesehen von den Amtshelferseiten stehen wir natürlich auch jederzeit zur Verfügung. Es gibt jeden Tag eigentlich auch einen Anwesenheitsdienst, einen Telefondienst. Wird bei uns jetzt unterschiedlich benannt, die meisten nennen es Amtsdienst, eben auch aus früheren Zeiten heraus noch, aber da können sich die Bauwerber auch telefonisch mit Fragen an uns wenden.

Ja, also wir bieten auch für komplexere Bauvorhaben den sogenannten Rundumservice an, da sind dann noch verschiedene Fachgruppen und andere Magistratsabteilungen involviert, wo man, bevor man jetzt ein hochkomplexes Bauvorhaben einreicht, sich erst informieren kann über die Rahmenbedingungen, über die Bewilligungsfähigkeit und dergleichen. Wir bieten auch direkt persönliche Termine an. Das heißt, jeder von uns oder jede Kollegin, die in der Sachbearbeitung tätig ist in Bewilligungsdezernaten, kann natürlich auch direkt angerufen werden, um sich kurzfristig einen Termin auszumachen. Das muss jetzt nicht unbedingt persönlich sein. Also, kurze baurechtliche Fragen kann man definitiv gegebenenfalls telefonisch auch beantworten. Wir bieten aber auch Webmeetings an, vielleicht für Planverfasserinnen oder Beteiligte, die aus den Bundesländern kommen und den Weg nach Wien nicht auf sich nehmen müssen. Das funktioniert auch sehr gut in der Erfahrung, ja.

Was man vielleicht auch noch sagen kann, wir haben auch die Möglichkeit, Anfragen per E-Mail zu beantworten. Also, wenn ein Bauwerber jetzt sagt „Ok, ich schaff es jetzt telefonisch nicht mal während der Amtsdienstzeiten anzurufen“, steht ihm die Möglichkeit auch frei, eine E-Mail mit einer konkreten Frage zu stellen. Also es kann sein, dass es nur eine einfache Frage zu einer möglichen Bebaubarkeit ist oder auch schon im Rahmen einer Vorprüfung, dass man selber, dass man einen Plan hat und den einfach vorgeprüft haben möchte, auch hinsichtlich welches Verfahren wende ich an. Also es gibt wirklich sehr, sehr viele Möglichkeiten für die Bauwerber, sich vorab bei uns auch schlau zu machen, was möglich ist oder in welchem Verfahren sie einreichen.

Ja, super. Ich finde das auch spitze, dass es wirklich so viele Kanäle gibt, über die die Bauwerberinnen sich an euch wenden können. Und Peter, du sagst auch immer so schön Kundinnen und Kunden. Also, das zeigt doch ein bisschen diese Serviceorientiertheit. Also, man spricht ja jetzt nicht von Bürgern oder so, sondern wirklich konkret von Kundinnen im Sinne von: Wir wollen denen ja auch einen gewissen Service bieten. Aber sagt mal, wie können sich die Zuhörerinnen eure tägliche Arbeit so vorstellen?

Sehr vielseitig, also es beginnt wirklich in der Früh wie in jedem anderen Büro. Man macht mal sein E-Mail-Postfach auf, schaut sich an, ob zu den laufenden Bauverfahren sich ein Planverfasser, ein Bauwerber gemeldet hat, schaut, was im Postfach jetzt an neuen Akten hereingekommen ist. Wenn dann wirklich ein neues Verfahren zu bearbeiten ist, geht man auch ins Planarchiv, schaut sich die alten Pläne an, prüft mal die neuen Unterlagen, prüft Nachreichungen, hat Termine, Verhandlungen, also ist wirklich sehr, sehr vielfältig. Weiß jetzt nicht, ob ich was vergessen hab oder ob es bei dir anders abläuft Peter.

Keineswegs, also du hast durchaus recht und ich finde auch diese Abwechslung, die man im Tagesgeschäft hat, wenn man durchaus vielleicht sich in der Früh einen bestimmten Arbeitsumfang vornimmt und es kommt dann im Tagesverlauf vielleicht etwas Unvorhergesehenes. Man kann dann wieder Kundinnen behilflich sein und gemeinsam zu einer Lösung kommen und dann macht man wieder bei einem anderen Verfahren weiter oder es kommt zwischenzeitlich ein Verfahren, das fristgebunden ist, das man einschieben muss. Also es ist eine sehr abwechslungsreiche und interessante Tätigkeit, die jeden Tag neue Überraschungen birgt.

Und durchaus mit viel Planung verbunden, die nicht immer einzuhalten ist, wie du schon gesagt hast.

Welche Herausforderungen begegnen euch in eurem Job? Also, ich nehm mal an, die wenigsten Baueinreichungen kommen gleich perfekt daher und da gibt es dann nur noch einen Stempel drauf, sondern da wird man ja schon wahrscheinlich das ein oder andere dann auch nachfordern müssen. Oder wie ist das so?

Es kommt vielfach auch auf die Gebiete drauf an. Also, ich glaube, dass gerade bei uns im 21., 22. was die kleinen Verfahren, also Bauanzeigen, angeht, dass einfacher ist als im innerstädtischen Bereich, wo oft dann auch kein Konsens, also keine Stammbewilligungen mehr, keine alten Pläne mehr vorhanden sind. Aber grundsätzlich ist das Problem halt vielfach schon, dass die Planverfasser sich zu oft auf die Bewilligungsdezernate verlassen. Also natürlich hätten wir es gerne, dass wir vom Tisch weg alles bewilligen können. Aber es ändert sich so oft etwas in der Bauordnung. Es kommen neue Novellen, es ändern sich die OIB-Richtlinien, also einfach Hintergrundwissen, das wir natürlich tagtäglich vor uns liegen haben und mit dem wir tagtäglich zu tun haben. Die Planverfasser aber vielleicht nicht. Mhm, mhm.

Ja, dem stimme ich zu und es ist natürlich ein Unterschied, ob ich Bauanzeigen habe, wo Bauwerberinnen das erste und einzige Mal in ihrem Leben in Kontakt mit der Baupolizei sind und auch deren Planverfasserinnen. Oder ob man hochkomplexe Bauvorhaben hat, wo wirklich viele Beteiligte und auch Fachplanerinnen involviert sind. Aber wie du richtigerweise gesagt hast, die Gesetzesmaterie ist ständig im Wandel begriffen. Teilweise ist es auch Auslegungssache, wo dann wieder unsere Expertise den Kundinnen zugutekommt, wo man, wie wir vorher schon gesagt haben, sich gemeinsam einen Termin zur Lösungsfindung ausmacht. Und ich denke auch, das macht die Tätigkeit wieder interessant, weil wenn man ständig dasselbe, dieselbe Gesetzesmaterie abdeckt und jetzt immer sozusagen dieselben Bauvorhaben bewilligt, ist es auf Dauer auch vielleicht für alle Beteiligte nicht so interessant, als wenn man ständig neuen Herausforderungen begeht. Das durchaus auch stressvoll sein kann, das ist keine Frage. Aber am Ende des Tages, denke ich, kommen wir baurechtlich gesehen auch immer zu einer Lösungsfindung, wenn man auf Augenhöhe miteinander kommuniziert und im gegenseitigen Respekt zueinander.

Mhm, ja, kein Projekt ist wie das andere, oder also?

Das ist richtig. 

Gibt es auch besondere Projekte, die euch in Erinnerung geblieben sind? Also, gibt es da vielleicht ein paar Highlights, von denen ihr erzählen könnt.

Also, ich hätte jetzt ein Projekt im Speziellen, was mir in Erinnerung geblieben ist, ein relativ großes Bauvorhaben, eine Wohnhausanlage. Das sind, glaube ich, über 80 Wohnungen in dem Gebäude. Ist eher im innerstädtischen Bereich, war also für mich ein ungewohntes Aufgabengebiet. Und da ist die Situation, die, dass einfach der alte Donauflusslauf unterhalb verlaufen ist. Also, es war quasi zum Teil ein altes Augebiet und die Nachbarn haben hier Einwendungen eingebracht, allerdings keine, die jetzt tatsächlich Nachbarrechte betreffen. Aber natürlich berechtigte Sorge, die hatten nämlich die Sorge, dass ihre Häuser, die auf Holzpfählern aktuell im Wasser stehen. Jetzt muss man sich vorstellen. Die alten Donauläufe haben unten eine wasserführende Schicht. Das heißt, da geht das Wasser nicht weiter nach unten hin, versickert nicht. Die Holzpfähler der Nachbargebäude stehen in diesem Wasser, sind somit konserviert und das Nachbargrundstück ist eben jetzt das Bauprojekt, das ich bewilligt habe. Da wird eine Tiefgarage vollflächig gebaut, die diese wasserführende Schicht durchbricht. Jetzt haben die Anrainer Angst, dass das Wasser abfließt, die Holzpfähler nicht mehr im Wasser stehen und dadurch eben nicht mehr konserviert sind und anfangen sich zu zersetzen, sprich die Tragstruktur des eigenen Gebäudes könnte instabil werden. Betrifft nach dem Gesetz kein Nachbarrecht, das heißt, sie können keinerlei Einwendungen gegen diesen Bescheid wirksam machen. Aber die Sorgen der Nachbarn sind einfach berechtigt, wodurch wir dann auch im Dezernat intern besprochen haben, was wir machen können und haben dann auch weitere Fachdienststellen angefragt und wir haben uns quasi Fachmeinungen dazu noch eingeholt, um die Nachbarn hier ein bisschen zu beruhigen und einfach das Bauvorhaben dann im Bau besser überwachen zu können. Also auch für den Bauwerber selber, dass der da jetzt auch im privatrechtlichen sich selber noch zusätzlich absichern kann. Also das ist auch wieder eine Dienstleistung unsererseits, um die Nachbarn trotzdem anzuhören.

Ja, finde ich eigentlich ein super schönes Beispiel, ja. Hast du noch was zu ergänzen dazu, Peter?

Also ich möchte mich da auch einhaken, ich finde es auch immer besonders reizvoll, wenn man im Zuge der Verständigungen der Nachbarn oder wenn man gleich eine Bauverhandlung ausschreibt, vielleicht Besorgnisse der Nachbarn ein bisschen relativieren kann. Ich hatte wirklich ein recht angenehmes und nettes Ergebnis einmal einer Verhandlung, da war ein Ehepaar, das in einem Innenhof im letzten Regelgeschoss auf dem Balkon immer das Frühstück genossen hat in den Sommermonaten und zwischen Kamingruppen den Kirchturm mit der Uhr gesehen hat und die ein bisschen Bedenken hatten, dass der Dachgeschosszubau auf der gegenüberliegenden Seite ihnen diesen viel geliebten langjährigen Ausblick nimmt. Und wir konnten das im Zuge einer kleinen Visualisierung ausräumen und nach Fertigstellung war dann das Feedback mit herzlichem Dank, dass sie immer noch sozusagen ihren geliebten Ausblick genießen können und das Dach viel schöner geworden ist nach dem Dachgeschossausbau und das ist ein bisschen immer so, wo man denkt, „Ok,  wir bewegen etwas in der Stadt Wien“ und auch wenn man vielleicht durch unsere Gebiete dann wieder geht im Rahmen eines bestimmten Termins und sich dann die Bauvorhaben ansieht, die man bewilligt hat und sieht, die Stadt ist wieder gewachsen, ist wieder erneuert worden, es ist Wohnraum geschaffen worden oder Gewerbeflächen, bestehender Wohnraum wurde zeitgemäß genutzt, das ist immer ein schönes Erlebnis.

Ja, absolut. Und ich denk mir, es ist ja auch eigentlich schön, dass es auch Beispiele gibt, wo man wirklich auch allen eigentlich es recht machen kann. Weil ich kann mir vorstellen, es ist sehr, sehr oft nicht der Fall, dass eben dann die Nachbarn ja vielleicht nicht erfreut sind über etwas, was ihr bewilligt, aber am Ende des Tages, und ich glaub, da gibt es leider auch manchmal nicht so das Verständnis leider dafür, dass ihr ja nur auf Basis des geltenden Rechts, sprich der Bauordnung, entscheidet und jetzt nicht aufgrund von persönlichen Befindlichkeiten oder so. Also das muss man ja auch sagen, ich glaub, das fehlt oft, oder?

Also meine Erfahrung ist, auch wenn die Nachbarn jetzt natürlich im Erstkontakt mit der Baupolizei und generell jetzt von der Gesetzesmaterie natürlich jetzt keinen tiefen Einblick haben, man muss trotzdem jeden Einwand jetzt wirklich ernst nehmen, weil es einfach ein persönliches Empfinden ist. Und wenn man, wie du richtig sagst, die Gesetzesmaterie versucht zu erklären, aufgrund welcher Basis, die uns der Gesetzgeber zur Hand gibt, wir unsere Entscheidungen fällen, dann habe ich bis jetzt immer noch sozusagen ein bisschen gegenseitiges Verständnis herbeiführen können. Und oftmals ist es so, dass die Nachbarn dann wirklich nach Fertigstellung mit dem Bauvorhaben, das dort errichtet wurde, dann überrascht, positiv überrascht wurden und eigentlich die Ressentiments, die vielleicht ein bisschen aus Unsicherheit vorgelegen sind, dann ausgeräumt wurden.

Das ist doch schön.

Ja.

Peter, speziell eine Frage in deine Richtung: Wie hat sich das Bewilligungsverfahren im Lauf der Jahre so verändert? Hat sich da die Komplexität gesteigert?

Also, wie wir es eh schon kurz angesprochen haben, zum einen ändert sich die Gesetzesmaterie und wird auch ständig erweitert. Ich denk zum Beispiel an die OIB-Richtlinien, wo wir auch in Kürze dann wieder eine neue dazu bekommen, die sich mit der Kreislaufwirtschaft beschäftigt. Das ist ein großes Thema. Dann haben wir generell, das Thema der Digitalisierung ist natürlich auch bei uns ein großes Thema. Das heißt, wir haben einen Medienbruch jetzt von den herkömmlichen physischen Papierplänen, die natürlich eine Zweidimension, immer noch eine zweidimensionale Projektion eines dreidimensionalen Gebäudes sind, hin zur digitalen Einreichung, wo wir jetzt PDFs bekommen, was auch für uns als Arbeitsbehelf verfahrensbeschleunigend wirkt, weil wir die Stellungnahmen eigentlich relativ kurzfristig einholen können. Und wie wir auch im Pilotbetrieb der BRISE vor einiger Zeit und wo jetzt dann das Nachfolgeprojekt kommt, also wir sind schon sozusagen am Sprung tatsächlich zum dreidimensionalen Baueinreichmodell, das jetzt in der Konzeptionsphase schon begonnen wird, auch die Voraussetzungen dafür zu entwickeln.

Ja, perfekt, da sprichst du eigentlich eh genau das Thema an, dass ich als nächstes auch selbst ansprechen wollte, nämlich die digitale Baueinreichung. Die gibt es ja mittlerweile auch seit ein paar Jahren. Wie häufig wird das eigentlich wirklich von den Bauwerberinnen genutzt und gibt es da irgendwie ein Verhältnis, so fifty-fifty oder wie kann man das irgendwie einschätzen?

Also bei uns ist es eigentlich noch weniger als gewünscht. Also da fehlt halt vielfach auch noch sowohl bei den Bauwerbern als auch bei den Planverfassern das Wissen, was braucht es alles dazu. Also es wurde zwar kundgetan, medial, es gibt auch eben die Amtshelfer-Seiten, aber von meinem Gefühl her ist die digitale Baueinreicherung noch nicht so angekommen.

Ok, also gibt es da noch eine gewisse Hemmschwelle?

Also meine Erfahrung ist, wenn man den Planverfasserinnen vielleicht, die das erste Mal die digitalen Baueinreichungen in Anspruch nehmen wollen, ein bisschen verstärkte Hilfestellung zur Seite steht, dann nehmen sie das beim nächsten Mal sehr gerne an. Es ist zum Beispiel auch ressourcenschonend, was in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wie diesen auch ein großes Thema ist, wenn man de facto ja keine Papierpläne mehr ausdrucken muss. Stellungnahmen können schneller eingeholt werden und dergleichen mehr und wir bieten sozusagen eine Misch-Einreichung auch ein. Das nennt sich Hybridverfahren. Das heißt, es wird zwar analog eingereicht, aber im Mittelteil des Verfahrens können die Unterlagen digital eingebracht werden und am Ende des Verfahrens, wenn alle Stellungnahmen zum Beispiel da sind, alle gegebenenfalls Planverbesserungen vorliegen, dann wären erst physische Pläne und das ist immer ein gutes Sprungbrett, vielleicht auch die digitalen Bauverfahren fürs nächste Mal zu propagieren, weil die Planverfasserinnen oder die Beteiligten schon im Hybridverfahren, was ich zumindest das Feedback bekomme, durchwegs positive Erfahrungen gemacht haben.

Und für euch gibt es da eigentlich auch einige Erleichterungen, die damit einhergehen, verstehe ich das richtig?

Also das Hybridverfahren wurde bei mir eben schon sehr gut angenommen und da sind auch die Planverfasser und auch die Bauwerber immer sehr dankbar für diese Möglichkeit, weil es auch für sie viel schneller funktioniert, wenn sie über diesen Upload-Link die Sachen hochladen können. Und wir bieten ja auch an, es ist jetzt zwar nicht Sinn der hybriden Nachreichung, die Pläne hochzuladen, weil es für uns eben, wie der Peter schon gesagt hat, das Verfahren auch beschleunigt, weil wir dadurch die Pläne digital haben und die Fachdienststellen einfach beschleunigt anfragen können. Es funktioniert, es funktionieren viele Sachen einfach dann parallel.

Ja, wagen wir mal einen Blick in die Zukunft. Also, wie wird die digitale Baueinreichung in der Zukunft denn so aussehen? Das sind ja eigentlich auch ein paar Projekte in der Schwebe, richtig?

Ja, also wir hatten in der Vergangenheit ein Forschungsprojekt, das hat BRISE geheißen, das hat sich, wie gesagt, mit dreidimensionalen Bauantragsmodellen, die im BIM modelliert sind, schon beschäftigt. Das war ein sehr erfolgreiches Projekt, wo wir wirklich sagen können, dass wir durchaus weltweit einmal ein Vorreiter sind und ein Leuchtturmprojekt waren. Und hier entsteht jetzt gerade ein Nachfolgeprojekt, ein Konzeptionsprojekt, wo man tatsächlich versucht, alle Erkenntnisse, die wir im Pilotbetrieb hatten, über mittelfristig zu einer Anwendungsreife zu führen, wo wir dann tatsächlich, wie ich vorher gesagt hab, nicht mehr eine zweidimensionale Projektion eines dreidimensionalen Antragsmodells haben, sondern tatsächlich ein dreidimensionales Modell haben, das dann tatsächlich auch als dreidimensionales Gebäude draußen dann im Stadtbild in Erscheinung tritt. Und wir hatten bereits im Rahmen des Pilotbetriebs mit Studentinnen an der TU Wien auch eine digitale Bauverhandlung, wo tatsächlich dann, wie es manchmal vielleicht nur in zukunftsorientierten Filmen zu sehen ist, die Nachbarinnen dann tatsächlich mit dem Tablet um einen leeren Tisch herumgehen können und das dreidimensionale Bauantragsmodell schon eingebettet in den digitalen Zwilling der Umgebung sehen konnten. Man muss natürlich sagen, das war jetzt ein Forschungsprojekt, das war jetzt mal ein Konzept, aber wir versuchen durchaus auch in diese Richtung weiter zu forschen und das dann einmal mittel- oder langfristig zu einer Anwendung zu bringen.

Vielleicht noch kurz zur näheren Erklärung, weil viele von euch in dem Thema wahrscheinlich gar nicht tief drinnen sind: BRISE Vienna war ein von der EU gefördertes Forschungs- und Entwicklungsprojekt, das hochtechnologische Möglichkeiten zu einem umfassenden und durchgängig digitalen Baugenehmigungsverfahren kombiniert hat. BIM ist ebenfalls ein Teil von BRISE und das bedeutet Building Information Modeling und ermöglicht teilautomatisiertes Prüfen auf Basis von 3D-Modellen. Aber ja, das sollte dazu jetzt wirklich nur ein ganz kurzer Exkurs sein. Sandra, du hast auch noch etwas zu dem Thema zu ergänzen, richtig?

Also, für alle, die sich jetzt drunter nicht so viel vorstellen können, die einen oder anderen waren vielleicht schon mal in Carnuntum in der Römerausgrabungsstätte. Dort gibt es eine App, über die man sich die alte Stadt in 3D visualisieren lassen kann. Also, man dreht das Handy dann tatsächlich in die Richtung, wo man hinblickt und sieht, wie die Stadt zu der Zeit damals ausgesehen hat. Und ähnlich könnte man sich in ferner Zukunft dann auch diese BIM 3D-Einreichungen vorstellen. Also, dass man eventuell dann wirklich eine Vor-Ort-Verhandlung hat, wo man mit Tablet oder Handy sich das 3D-Modell dann in der Umgebung direkt anschauen kann.

Ja, sehr cooler Tipp, danke dafür. Das ist eine kleine unentgeltliche Werbung für das Römerland Canuntum, aber nehmen wir gerne mit. Ja, gibt es irgendwas, was ihr den Bauwerberinnen und denen, die es werden wollen, mitgeben wollt als Tipp für eine erfolgreiche Einreichung?

Also allen Kundinnen, die vielleicht ein bisschen die Scheu haben aufgrund dessen, dass in unserem Amtstitel oder in unserem Namen unserer Abteilung Polizei inkludiert ist. Also keine Scheu der Kontaktaufnahme, Sie werden von uns nicht alleine gelassen, sondern wir bieten Ihnen tatsächlich umfassende baurechtliche Hilfestellung an im Verfahren, speziell wenn es, wie gesagt, um Ersteinreicherinnen geht, die das erste und einzige Mal in ihrem Leben vielleicht ihre Wohnung renovieren oder sanieren wollen. Und wir lassen sie nicht allein und versuchen gemeinsam dann einen baurechtlichen Weg zur Bewilligung zu finden.

Wir haben sehr liebe, nette Kollegen, also der Peter ist ein sehr lieber netter Kollege und auch alle anderen Kollegen, die mit uns bei der Baupolizei arbeiten, stehen immer gerne telefonisch zur Verfügung. Also, man braucht wirklich keine Scheu haben. Man kann auch einfach mal anrufen und nachfragen, wenn man sich nicht auskennt. Und sollte man bei uns falsch sein, versuchen wir auch die richtige Stelle zu finden, die dann weiterhelfen kann.

Ja, an dieser Stelle möchte ich auch noch auf die Shownotes verweisen. Wie immer packen wir euch hier einige wissenswerte Informationen hinein. Unter anderem findet ihr da zum Beispiel das Merkblatt "Info für Bauwerberinnen" oder auch die Übersichtsseite "Bauverfahren" und auch eine eigene Seite zur digitalen Baueinreichung. Also, falls ihr da jetzt Lust habt, euer nächstes Bauvorhaben sofort einzureichen, dann habt ihr hier einige Infos an der Hand. Dann sind wir an und für sich schon wieder am Ende angelangt von der heutigen Episode. Nochmals herzlichen Dank an dich, Peter, und an dich, auch Sandra, dass ihr euch heute Zeit genommen habt und ein bisschen was erklärt habt. Super spannendes, aber auch sehr komplexes Themenfeld, finde ich.

Ich danke auch ganz herzlich für die Einladung und für die interessante Erfahrung.

Danke dir für die Einladung.

Natürlich auch ein großes Dankeschön wieder an die Zuhörerinnen und Zuhörer. Wir hoffen, es war interessant für euch und wir würden uns sehr, sehr freuen, wenn ihr das nächste Mal auch wieder dabei seid.

 

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