Stadt Wien Podcast

Wie wahrscheinlich ist ein Blackout? (Blackout und Prävention: Folge 1/3)

Stadt Wien Season 15 Episode 1

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Wie realistisch ist ein Blackout? Was tun, wenn plötzlich alles finster ist und kein Strom 
mehr aus der Steckdose kommt? Mit welchen Tricks wird der eigene Haushalt 
krisenfest? Und wie gut ist die Stadt Wien für solche eine Extremsituation vorbereitet? 

In dieser dreiteiligen Podcast-Serie sprechen wir mit Energietechnikern, 
Krisenmanagern sowie Zivilschutz-Spezialisten zum Thema „Blackout und Prävention“.

In der ersten Ausgabe trifft Moderator Stefan Tesch im Donaustädter IZD Tower Kurt Misak, den Leiter der Abteilung Versorgungssicherheit und operative Energiewirtschaft bei der Austrian Power Grid (APG). Ein Gespräch über Blackoutgefahr, den Unterschied zwischen Blackout und Strommangellage und die Herausforderungen der Übertragungsnetze durch die Energiewende.

Folge 2: Was passiert in Wien, wenn der Strom ausfällt?
Folge 3: Wie mache ich meinen Haushalt krisensicher?

Tipps und Informationen zum Thema von den Helfern Wiens: https://diehelferwiens.wien.gv.at/blackout
Mehr über die Arbeit der APG: https://www.apg.at/

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-Wir hatten tatsächlich in Österreich schon ein Blackout, aber das erste und letzte war am 13.04.1976, also bald 50 Jahre her. Seitdem hat es eben kein Blackout in Österreich gegeben. Wir sind also gewohnt, mit kritischen Netzsituationen umzugehen. Aber ja, die Herausforderungen sind gestiegen. Man kann also rein qualitativ sagen, ja, die Wahrscheinlichkeit für ein Blackout ist gestiegen. Netze sind verletzbar, aber auch verdammt resilient. Wir haben unglaublich viele Redundanzen, Sicherheiten, Resilienzen, die gleichermaßen überlastet oder überfordert sein müssten, damit ein Blackout überhaupt passieren kann.-Wie realistisch ist ein Blackout? Was tun, wenn plötzlich alles finster ist und kein Strom mehr aus der Steckdose kommt? Mit welchen Tricks wird der eigene Haushalt krisenfest? Und wie gut ist die Stadt Wien für solch eine Extremsituation vorbereitet? In dieser dreiteiligen Podcast-Serie sprechen wir mit Energietechnikern, Krisenmanagern sowie Zivilschutz-Spezialisten. Mein Name ist Stefan Tesch, ich bin Journalist und Podcaster und ich darf Sie auf diese Audioreise zum Thema Blackout und Prävention mitnehmen. Wir reisen von den technischen Hintergründen unserer Stromversorgung bis hin zu den handfesten Tipps, wie Sie zu Hause für den Fall des Falles vorsorgen können. Willkommen zu Episode Nummer 1 von 3. Blackout – Die technischen Hintergründe. Mir gegenüber sitzt Kurt Misak. Er ist Leiter der Abteilung Versorgungssicherheit und operative Energiewirtschaft bei der Austrian Power Grid, kurz APG. Sie betreibt Österreichs Übertragungsnetz. Kurt Misak ist studierter Energietechniker und wir gehen mit ihm unter anderem diesen Fragen nach. Warum ist die Blackout-Gefahr heute größer als in der Vergangenheit? Was ist der Unterschied zwischen Blackout und Strommangelage? Warum gab es im Jahr 2021 einen beinahe Blackout? Ebenso plaudern wir darüber, warum der Ausbau von erneuerbaren Energien eine Herkulesaufgabe für die Übertragungsnetze ist. Und warum wir trotz gigantischer Donaukraftwerke zeitweise stark von Stromimporten aus dem Ausland abhängig sind. So, und jetzt geht's los mit dem Interview. Wir sprechen ja heute über das Thema Blackout aus netztechnischer Sicht. Was definiert ihr denn bei der APG als Blackout? Und es gibt ja da noch den Begriff der Strommangelage. Wie unterscheiden sich diese zwei Begriffe?-Ja, also es ist einmal ganz wichtig zu unterscheiden. Ein Blackout hat im ersten Schritt gar nichts zu tun mit einer Strommangelage. Man kann ganz klar unterscheiden, ein Blackout ist ein großflächiger Stromausfall. Großflächig ist mittlerweile sogar definiert. Also es gibt verschiedene europäische Gesetze. Und da ist genau definiert worden, dass ein Blackout entweder bedeutet, mindestens 50 Prozent der Last ist abgeschaltet worden. Also das bedeutet mehr oder weniger halb Österreich ist finster. Oder ein großflächiger totaler Spannungsausfall, Spannungslosigkeit im gesamten österreichischen Netzgebiet für mindestens drei Minuten. Und da möchte ich aber schon dazu sagen, die drei Minuten sind aus juristischen Gründen notwendig gewesen, dass man einfach irgendeinen Schwellwert einzieht. Aber es gibt in Wahrheit kein zeitliches Kriterium. Das bedeutet, die Großflächigkeit alleine definiert ein Blackout, ganz egal wie lange es dauert. Natürlich spricht man. Und von verschiedenen Wiederaufbauzeiten, da könnte man jetzt lange drüber philosophieren. Wir sagen, aus praktischen Gründen wird es wahrscheinlich etwa 10 bis 24 Stunden dauern. Denn das beinhaltet die Zeit, die wir selbst brauchen als APG für den Aufbau unseres Netzes. Die Wiederzuschaltung in den unterlagerten und nachgelagerten Netzbetreibern, bis dann alle Kunden wirklich wieder am Netz sind. Und je nachdem, ob etwas beschädigt ist und so weiter, kann das schon sein, dass es in Teilregionen länger dauert. Aber in der Regel kann man von 10 bis 24 Stunden ausgehen. So, der Begriff Strommangellage ist aber ganz was anderes. Strommangellage heißt, es ist einfach zu wenig Einspeiseleistung vorhanden, um den Verbrauch voll decken zu können. Denn man muss wissen, diese 50 Hertz in unserer Steckdose sind ein Gleichgewichtszustand, der darauf basiert, dass genau so viel in jeder Sekunde eingespeist wird, wie auch verbraucht wird. Das ist wortwörtlich zu nehmen, das muss wirklich in jeder Sekunde gleich groß sein, sonst würde die Netzfrequenz schwanken. Das heißt aber auch, wenn zu wenig eingespeist wird und man kann nicht noch irgendwo eine Reserve aktivieren, dann hat man ein Problem. Üblicherweise haben wir einen sehr, sehr guten Kraftwerkspark in Österreich, der zu vielen Zeitpunkten im Jahr Österreich eine Vollversorgung ermöglicht. Wenn es nicht reicht, ich sage, wenn es längere Zeit trocken und kalt ist und es weht kein Wind, es scheint keine Sonne, dann importieren wir es uns aus dem Ausland. Was ist aber, wenn es in Summe einfach nicht reicht? Wenn es wir haben keine Importmöglichkeiten, in Österreich haben wir auch zu wenig Einspeisemöglichkeiten, dann ist zu wenig Leistung vorhanden. Und dann besteht tatsächlich eine Gefahr, dass die Frequenz nicht nur schwankt oder zu wenig wird, sondern so eklatant zu wenig wird, dass man schon in schwerwiegenden Notmaßnahmen ist bis hin zum Blackout. Das kann man aber vermeiden, denn solche Situationen, Strommangelagesituationen, kündigen sich üblicherweise an. In der Regel ist es getriggert durch meteorologische. Extreme Ereignisse, also besonders lange kalt und dergleichen, sehr, sehr trocken über lange Zeit. Das heißt, es kündigt sich an, man kann Notmaßnahmen planen, abstimmen. Und ja, diese Notmaßnahmen können schon auch empfindlich werden, dass man stundenweise Regionen abschalten muss womöglich, aber das wird angekündigt, da kann man sich darauf einstellen, das ist planbar. Und deshalb unterscheidet sich das vollständig von einem Blackout. Nur bei einer Strommangellage als irgendwelchen einmal in sehr vielen Jahren passierenden Extremfällen, die wirklich außergewöhnlich sind, so schwerwiegend werden sollte, ja, natürlich kann das dann bis zum Blackout gehen, aber da reden wir dann schon von einem Extremereignis, das wir derzeit ausschließen wollen.-Du hast ja zuerst die Blackout-Definition erklärt. So einen Blackout hatten wir ja noch nicht, aber die Strommangellage gab es schon. Es gab ja da eine Netzfrequenzstörung im Jänner 2021, wo es von 50 Hertz auf, glaube ich, 49,75, wenn man jetzt ganz genau ist, abgefallen.-76, wenn man ganz genau ist.-Wie oft kommt so eine Strommangellage vor? Ist das etwas, was uns tagtäglich begegnet oder auch nur ganz selten vorkommt?-Also mit einem Lächeln im Gesicht muss ich da widersprechen. Wir hatten tatsächlich in Österreich schon einen Blackout, aber das erste und letzte war am 13.04.1976, also bald 50 Jahre her. Seitdem hat es eben keinen Blackout in Österreich gegeben. In anderen Ländern ja, aber das ist wieder ganz anders gelagert gewesen. Was da am 08.01.2021 passiert ist, war genau genommen auch keine Strommangellage, denn eine Strommangellage ist, wie gesagt, eher etwas, was sich ankündigt, geht über einen längeren Zeitraum, das kann viele Tage, sogar Wochen sein. Das war eine durchaus heikle Großstörung in Europa, die dazu geführt hat, dass diese Synchronzone in Kontinentaleuropa, man kann sich das so vorstellen, dass wirklich innerhalb der Grenzen von Kontinentaleuropa jede Nord-Ost-Polin und jeder Südwest-Portugiese zu Hause, also in ihren Steckdosen mit einem speziellen Messgerät, dieselbe Frequenz nachvollziehen können. Also wir sind da wirklich synchron zusammengeschaltet. Wenn die Frequenz schwankt, dann schwankt sie innerhalb dieses Synchronbereichs überall gleichermaßen. Was da passiert ist am 08.01.2021, waren extrem große Lastflüsse, also extrem große Ströme durch Exporte von Südosteuropa in den Norden, in Nordeuropa, Nordwesteuropa. Und diese großen Stromflüsse wurden zwar prognostiziert, und überwacht, dummerweise aber in einem Umspannwerk in Kroatien, in Ernestinovo, wurde für die Sicherheitsberechnung, die man über viele Stunden im Vorhinein anstellt, um zu wissen, könnte da eine Gefahr bestehen, die wurde leider, ich sage einmal, ungenau modelliert. Das bedeutet, dass man genau wissen muss, wie schaut ein Umspannwerk aus, welche Leitungen sind wo, was wird auf welchen Leitungen fließen. Und die haben leider dieses Umspannwerk Ernestinovo, zu grob in der Modellrechnung abgebildet, und haben das nur als einen einzigen Knoten abgebildet. Und dabei eben übersehen, dass in Wirklichkeit ein bestimmter Schalter aber als alleiniges Element plötzlich überlastet war. Und dieses eine Element ist überraschend ausgefallen. Das heißt, der gesamte Knoten in der Modellierung war richtig abgebildet, es wäre sich alles ausgegangen, nur das eine Element hat man übersehen, dass das dann überlastet ist. So, jetzt ist das aufgegangen, es hat zu einer Kettenreaktion geführt, Ströme haben sich so umverteilt, Endes die verbleibenden Leitungen auch überlastet waren. Und das gesamte kontinentale europäische Synchrongebiet ist zerfallen in zwei Synchrongebiete, mit dem Problem, dass in einem der Gebiete, wo der Ursprung dieser Exporte war, viel zu viel Leistung vorhanden war. Das bedeutet, die Frequenz geht nach oben. Und im anderen Bereich, und da waren wir betroffen, also das war sozusagen der ganze nordwestliche Bereich Europas, war plötzlich zu wenig Strom. Insofern, ja, war es eine Mangellage, aber eine akute, überraschende Mangellage. Und man muss sagen, man sieht daran, das ganze Energiesystem, die Netze, die sind verletzbar, aber auch verdammt resilient. Denn die Frequenz ist zwar unter die zulässige Grenze abgesunken, also 49,8 ist normalerweise diese Grenze, wo man sagt, wenn das unterschritten ist, ist etwas Gröberes passiert. Richtig schirch wird es erst ab 49,0. Da ist es so eklatant, dass man so schnell wie möglich wirklich Verbrauch abschalten muss, um das System vor dem Kollaps zu retten. Da waren wir zum Glück noch weit entfernt. Ich meine, 49,76 Hertz, also es waren, oder 0,74 Hertz, habe ich vorher etwas Falsches gesagt. 49,74 das heißt 260 Millihertz war die Abweichung. 200 darf sie betragen. Interessanterweise in Großbritannien beispielsweise ist der zulässige Schwankungsbereich plus minus 500 Millihertz. Das heißt, wir haben da eine sehr kleine Schwankungsbreite, aber ist überschritten gewesen. Es gibt hier Notmaßnahmen. Das ist beispielsweise große Pumpspeicher-Kraftwerke, da werden die Pumpen abgeschaltet. Kraftwerke gehen in einen vereinfachten Frequenzregelmodus, die speisen dann ein bisschen mehr ein. Und damit versucht man sozusagen diese Mangeljage sofort zu beheben. Da war allerdings dieses Splitting, wie wir es ausdrücken, so schwerwiegend, dass die Frequenz eigentlich viel, viel weiter abgesunken wäre, wenn nicht Italien und Frankreich sofort, ich glaube in Summe rund 1700 Megawatt abgeworfen hätten, also abgeschaltet hätten. Das sind Verträge, die haben die mit Großverbrauchern präventiv in Frankreich, um die Kernkraftwerke bestmöglich zu schützen und in Italien, weil die hatten auch vor einigen Jahren, 2003 ein Blackout. Und damit konnte dieser Frequenzabfall sehr schnell gestoppt werden. Mit den entsprechenden Notmaßnahmen konnte man den Rest dann abfangen und nach ein bisschen mehr als einer Stunde wieder synchronisieren. Das bedeutet ja, Netze sind verletzbar, aber auch verdammt resilient. Wir haben unglaublich viele Redundanzen, Sicherheiten, Resilienzen, die gleichermaßen überlastet oder überfordert sein müssten, damit ein Blackout überhaupt passieren kann. Insofern waren wir noch weit entfernt. Auf der anderen Seite darf man es nicht bagatellisieren. Ja, das war schon ein sehr heikler Störfall.-Das war auch ein überraschender Störfall und du hast gesagt, sonstige Strommangellagen zeichnen sich ja oft schon länger ab. Wie schaut es da aus? Gibt es die öfter? Wie kann man sich das vorstellen?-Zuletzt war es erstmals großflächig in ganz Kontinentaleuropa 2017. Im Jänner, Februar 2017 der Fall. Da war überall, es war sehr kalt, es hat kein Wind geweht, Solarstrahlung ist natürlich sehr gering und die Speicher waren ziemlich leer gefahren. Und natürlich in Frankreich und auch Belgien waren Probleme mit Kernkraftwerken. Und in Summe hat man plötzlich gemerkt, naja, das könnte jetzt eine heikle Situation werden. Also wäre diese Situation noch ein, zwei Wochen lang, länger so gewesen, hätte das für ganz Europa, womöglich speziell Kontinentaleuropa, eine Mangeljage bedeutet. Glücklicherweise sind dann die Temperaturen milder geworden. Aber das war das erste Mal, dass alle wachgerüttelt wurden. Wenn beispielsweise die Situation in Frankreich, die übrigens noch immer besteht, dass da sehr viele Kernkraftwerke überraschend nicht am Netz sind. Oder es überraschend über längere Zeit eiskalt, trocken, kein Wind, keine Sonne usw. wenn das einmal in Zukunft passiert und es ist nicht völlig auszuschließen, es ist unwahrscheinlich, aber absolut möglich, dann muss man sich überlegen, na wo kommt denn dann die gesicherte Leistung her? Wir haben in Österreich die günstige Situation, wir haben sehr viele Speicherkraftwerke. Üblicherweise irgendwelche Bergformationen, wo man Staumauer baut und sammelt Regenwasser, Schmelzwasser usw. Und die Hälfte dieser Kraftwerke in Österreich haben auch eine Pumpe eingebaut, wo man von einem Unterwasserbecken auch Wasser nach oben pumpen kann. Das sind unsere grünen Batterien, wo man in Zukunft vor allem auch, Überschusseinspeisungen von Erneuerbaren sehr gut speichern können. Aber die sind natürlich auch irgendwann einmal leer gefahren. Also das sind keine absolute Absicherung für kurze Phasen, ja. Und das sind Themen, die durchaus derzeit diskutiert werden, auch mit dem Klimaschutzministerium und mit der C-Kontrol, weil wir da natürlich eine gewisse Verletzbarkeit haben in Zukunft.-Genau, du hast jetzt wieder das Wort verletzbar angesprochen, auch zuerst schon gesagt, die Netze sind verletzlich. Hat unter anderem damit zu tun, Umstieg auf erneuerbare Energien. Bis 2030 sollen wir 100 % Strom aus erneuerbaren Energien beziehen. Zusätzlich steigt auch der Stromverbrauch. Die Kapazität muss dann natürlich auch mitwachsen. Das sind so die großen Faktoren, die jetzt in die Netze spielen. Kann man sagen, heutzutage ist die Blackout- oder Mangellagegefahr daher größer als früher? Oder wie schätzt du das ein?-Ja, also ganz klare Aussage. Ja, ein Blackout kann passieren. Wenn das System, wie gesagt, auf allen Fronten gleichermaßen überfordert wird, alle Resilienzen und so weiter überfordert werden, ja, dann kann ein Blackout passieren. Theoretisch heute oder theoretisch morgen oder die nächsten 20 Jahre nicht. Also zunächst muss man ganz klar sagen, ja, die Wahrscheinlichkeit ist sicherlich gestiegen, weil die Herausforderungen gestiegen sind. Die Netze werden immer stärker an die Sicherheitsgrenzen herangeführt, es gibt immer schneller werdende Abwechslungen im Netz, es wird sehr stark ausgebaut bei Photovoltaik und Wind und da kann niemand was dafür. Der Wind kann überraschend einbrechen, es kann eine Nebelbank auch bei der Photovoltaik sicher eine halbe Stunde früher oder später lichten. Alles das kann zu überraschenden Einspeisungen oder zum überraschenden Wegfall von Einspeisungen führen. Also ja, die Wahrscheinlichkeit ist gestiegen für eine Bedrohung für das System. Allerdings versuchen wir, einen Schritt zu halten. Also auch in unseren Leitstellen sage ich immer scherzhalber, sitzen ja nicht Tick, Trick und Track, die hoffen, dass nichts schief geht, sondern best ausgebildetes Personal natürlich. Wir sind also gewohnt, mit kritischen Netzsituationen umzugehen. Aber ja, die Herausforderungen sind gestiegen. Man kann also rein qualitativ sagen, ja, die Wahrscheinlichkeit für ein Blackout ist gestiegen. Wir sagen allerdings, aufgrund der ganzen Sicherheitsmechanismen, wir haben einen Systemschutzplan, der wirklich zentral diskutiert und abgestimmt wird und dezentral implementiert wird, ist die Blackout-Wahrscheinlichkeit dennoch sehr gering und ist von einem sehr, sehr geringen Wert auf einen ein bisschen größeren, sehr geringen Wert gestiegen. Aber man darf es nicht bagatellisieren, möglich ist es selbstverständlich.-Also die Energiewende ist jetzt ein Faktor für eine erhöhte Blackout-Gefahr. Auf der anderen Seite, wenn man sich umschaut im täglichen Leben, der Stromverbrauch steigt überall, immer mehr Geräte, E-Mobilität ist auch ein Thema. Gibt es da Prognosen? Wie schätzt du das ein?-Ja, den Stromverbrauch einzuschätzen, ist derzeit eine große Herausforderung geworden. Man darf nicht vergessen, wie messen wir den Stromverbrauch? Wir messen ihn mit Messgeräten, die sozusagen an der Anschlussstelle sitzen, der sogenannte Zählpunkt, nur der nimmt wahr, was das Netz spürt. Alles, was hinter diesem Messgerät im Haushalt, im Unternehmen schon als Mischung passiert, wissen wir zum größten Teil gar nicht. Es kann also sein, dass ein Haushalt in Wahrheit mehr und mehr verbraucht über die Jahre, weil zusätzlich Elektrogeräte, ein größerer Eherd dazugekommen ist. Dafür haben sie sich aber eine Photovoltaikanlage und einen Speicher installiert, die das wieder kompensieren. Das bedeutet, dass in den letzten Jahren tatsächlich von Jahr zu Jahr der Stromverbrauch im Mittel, kann man fast mutig sagen, plus minus null Prozent ist. Weil von Jahr zu Jahr kann es sein, dass er sogar ein bisschen absinkt oder sogar ein bisschen ansteigt. Und das ist leider eine Mischung aus in manchen Aspekten sogar steigendem Verbrauch, kompensiert aber durch Photovoltaik und Speicher. Deshalb ist es für uns als Netzbetreiber gar nicht mehr so einfach, da einen Zahlenwert anzugeben, weil das von Jahr zu Jahr unterschiedlich ist. Und im Mittel derzeit über die letzten Jahre wirklich irgendwo bei plus minus null Prozent liegt.-Das heißt keine großen Gefahren, die da auf uns zukommen?-Naja, wir haben nur über die Steigerung gesprochen. Das Dumme ist, wenn man hineinzoomt sozusagen, weil diesen plus minus null Prozent beziehen sich im Jahresvergleich. Aber Leistung und Stromversorgung ist immer eine Momentanwertbetrachtung, eine Echtzeitthematik. Und das bedeutet, allein durch den Ausbau der Erneuerbaren natürlich müssen wir einfach Schritt halten und unser Netz entsprechend ertüchtigen. Und da haben wir eine sehr große Herausforderung in Wahrheit. Denn Photovoltaikausbau ist etwas, was wahrscheinlich auf der ganzen Welt passiert. Das heißt, jeder will diese Komponenten haben, nicht nur wir in Österreich. Da gibt es Lieferengpässe, auch bei den Wechselrichtern. Es gibt die Herausforderung, dass ein Fachkräftemangel natürlich auch mehr und mehr deutlich wird. Wir versuchen also, den Netzausbau, mit dem Netzausbau Schritt zu halten. Da gibt es Genehmigungsverfahren, die zum Teil, wir haben das bei der Salzburg-Leitung erlebt, fünfmal so lange dauern, wie sie dauern sollten. Und das sind schon große Herausforderungen, um Schritt zu halten. Wir haben derzeit die Situation, dass der Ausbau der Erneuerbaren viel schneller voranschreitet, als wir mit dem Netzausbau nachkommen. Also allein die APG investiert jetzt in den nächsten zehn Jahren rund dreieinhalb Milliarden Euro. Tendenz steigend, weil Teuerung da noch dazu kommt. Ich glaube, die E-Wirtschaft in ganz Österreich sind es über 18 Milliarden Euro in den nächsten zehn Jahren. Das sind immens große Summen und die Reise geht aber weiter. Wir wollen eigentlich bis 2040 vollkommen dekarbonisiert sein. Das sind sehr ambitionierte Ziele, weil wir eben dazu die Infrastruktur ertüchtigen müssen. Allein bei der Photovoltaik wissen wir von den Verteilernetzbetreibern, dass natürlich mehr und mehr Anlagen plötzlich in Betrieb gehen oder gehen möchten. Und die Netzbetreiber sagen, um Gottes willen, wir kommen nicht nach. Wir müssen die und die Leitung ertüchtigen. Das geht sich aber in der Zeit nicht aus und müssen plötzlich einschränken. Oder die in Betriebnahme verbieten. Das kommt natürlich in der Bevölkerung nicht gut an. Ist aber tatsächlich dem Umstand geschuldet, dass die Infrastruktur ertüchtigt werden muss und das nicht in der Geschwindigkeit möglich ist, wie es uns alle wünschen in Wahrheit. Und das ist natürlich schon eine Gefahr. Die lässt sich ja behandeln, aber natürlich mit Unmut in der Bevölkerung. Das wollen wir alle nicht. Und der Diskussionsprozess ist da wahnsinnig wichtig. Und vor allem Aufklärungsarbeit zu leisten. Dass das eben kein Unwille ist, sondern wirklich eine strenge Limitierung ist. Man muss ausbauen. Man muss bauen. Und bauen dauert. Und das ist das große Problem.-Wir haben zuerst schon kurz über die Energiegewinnung gesprochen, über die Pumpspeicherkraftwerke. Ich bin da auch jetzt hergefahren über die Donau. Die Donaukraftwerke sind sozusagen unser Rückgrat bei der Stromproduktion. Man könnte ganz einfach sagen, wir haben eh genügend Stromproduktion in Österreich. Jetzt werden auch noch Windparks gebaut, Photovoltaikanlagen. Wie abhängig sind wir da überhaupt noch von anderen Ländern in Europa?-Leider Gottes zu manchen Zeiten im Jahr, vor allem im Winter, absolut abhängig. Mit absolut meine ich, selbst wenn wir alles aktivieren, was an Einspeiseleistungen, Kraftwerkleistungen in Österreich vorhanden ist, würde es sich zu manchen Zeiten einfach nicht ausgehen. Ich formuliere das deshalb so mit Würde und so. Wir haben natürlich einen Binnenmarkt. Es soll ja auch der Binnenmarkt gefördert werden. Das heißt, Importe und Exporte sind ja auch preisabhängig. Nur der Strompreis richtet sich schon auch oft danach, wie der Eigendeckungsgrad aussieht. Also wie die eigenen Kraftwerkskapazitäten im eigenen Land gerade fähig sind, einzuspeisen. Und da haben wir in Österreich nun mal die Situation, wir sind jetzt schon weitgehend erneuerbar. Wir haben noch einen beträchtlichen Anteil, es sind etwa 4000 Megawatt, etwa 4 Gigawatt an Gaskraftwerken in Österreich. Und eben diese Situation, kein Wind, längere Zeit trocken. Es scheint kein Sonnen. Vor allem in der Nacht natürlich. Heißt, na gut, da haben wir unsere Gaskraftwerke als gesicherte Leistung. Und Biomasse, also die thermischen Kraftwerke im Wesentlichen noch. Und dann war es das aber. Das heißt, da sind wir wirklich von Importen absolut abhängig. Zu manchen anderen Zeiten, wenn der Wind gut weht, die Sonne brav scheint und auch auf den Flüssen sehr viel Wasser fließt, da haben wir sogar Überschuss einspeisen. Da können wir sogar sehr gut exportieren. Also da hatten wir auch in den letzten Wochen Tage, wo wir den gesamten Tag über nur exportiert haben. Und das ist dieses Wechselspiel, dass wir Zeiten mit Überschuss-Einspeisung haben und Zeiten mit Mangel haben, wo wir halt importieren. Das wird in Zukunft noch stärker werden. Und deshalb müssen wir natürlich noch stärker ausbauen. Das bedeutet, wir müssen die Erneuerbaren noch stärker überall ausbauen, wo wir Möglichkeiten in Österreich haben. Nur es bleibt die Grundproblematik, kein Wind, kein Sonnen. Wo kommt denn dann die gesicherte Leistung her? Dann kommt sofort das Thema Speicher. Ja, wir haben gute Speicherkraftwerke. Es werden auch noch in Tirol und in Vorarlberg vor allem noch weitere Speicher entstehen. Man muss allerdings auch andere, ich nenne es jetzt einmal Brückentechnologien, beziehungsweise andere Speicherformen auch bedenken. Beispielsweise grüner Wasserstoff, also die Abscheidung von Elektrizität als Wasserstoff oder als andere Zwischenspeicher. Aber das Thema Speicher als gesamthaftes Thema. Das ist ein extrem wichtiger Aspekt, weil wir eben nur so eine gesicherte Einspeiseleistung haben werden.-Jetzt noch eine Frage, die sicher viele unserer Zuhörer interessiert. Den Ukraine-Krieg haben wir in den Strompreisen gespürt oder spüren es noch immer und auch in den Gaspreisen. Gibt es eine Auswirkung dieses Konflikts auf die Stromversorgung in Österreich?-Ganz klar nein. Es ist so, dass das Projekt, das Netz der Ukraine mit uns zu synchronisieren, also mit Kontinentaleuropa zu synchronisieren, das gibt es schon seit vielen, vielen Jahren. Das ist jetzt gar nicht durch den Krieg getriggert gewesen. Es ist nur durch den Krieg tatsächlich extrem beschleunigt worden. Alle Abschlussarbeiten, da hat man alle Kapazitäten dann darauf konzentriert, das möglichst schnell zum Abschluss zu bringen. Und ich glaube, meines Wissens am 16. März des vorigen Jahres ist dann das Netz synchronisiert worden mit Kontinentaleuropa. Und man hat selbstverständlich auf Netzsicherheit extremes Augenmerk gelegt. Man hat beispielsweise sogenannte Sollbruchstellen installiert. Sollten also die Stromflüsse aus der Ukraine oder in die Ukraine ein kritisches Maß überschreiten, würde die Ukraine, also das Netz der Ukraine sofort wieder entkoppelt werden. Und damit kann per se keinerlei Stabilitätsgefahr für die Synchronzone in Kontinentaleuropa und schon gar nicht für das österreichische Stromnetz bestehen. Also da kann ich absolute Entwarnung geben.-Wir haben zu Beginn über Blackout gesprochen, nähern uns jetzt wieder dem Thema von der anderen Seite. Das ist ein Podcast der Stadt Wien. Wie bereitet sich denn die APG für ein Blackout vor, jetzt mit Fokus auf Wien? Weil da wohnen ja ungefähr 25 Prozent der Bevölkerung Österreichs.-Dadurch, dass die APG natürlich in ganz Österreich tätig ist, wir haben ein überregionales Netz, haben wir uns schon vor Jahrzehnten mit all unseren wesentlichen Partnern, das sind vor allem die großen 110 KV-Netzbetreiber in Österreich, aber auch die großen Kraftwerksbetreiber, abgestimmt über nötige Notmaßnahmen. Die haben wir einerseits nur für unser Netz konzipiert, aber auch in Abstimmung mit den Bundesländernetzen, also mit diesen 110 KV-Netzbetreibern. Und das müssen sehr flexible Konzepte sein, denn man weiß nicht genau, man spricht immer von Blackout und denkt sich, ganz Österreich ist finster oder ganz Europa ist finster. Nein, das wird in der Form wahrscheinlich nicht passieren, sondern es werden Teilregionen ausgefallen sein. Es kann schon sein, dass dann von mir aus ganz Wien, Niederösterreich, Burgenland und Oberösterreich finster ist oder ganz anders gelagert. Und deshalb, diese Konzepte sehen vor, entweder ist Hilfe aus dem Ausland verfügbar, sprich im Ausland, in den anliegenden Netzen ist noch eine intakte Spannung vorhanden, dann könnte man diese relativ einfach und schnell weiterschalten nach Österreich. Oder es ist keine Hilfe zu erwarten. Dann haben wir zwei große Pumpspeicherketten in Österreich unter Vertrag. Das ist in Salzburg, in Kaprun und in Kärnten, in Malta. Mit diesen Großkraftwerken können wir unser Netz aufbauen und an die einzelnen Bundesländernetze dann eine intakte Spannung wieder vorgeben, damit diese Netze auch sich wieder aufbauen können. Allerdings haben einige dieser 110 KV-Netze in Österreich auch eigene Kraftwerke, die ausreichen, um das Netz ebenfalls aufbauen zu können. Es gibt also da verschiedene Ansätze. Wir haben bestens abgestimmte Notfall- und Netzwiederaufbau-Konzepte, die auch regelmäßig aktualisiert werden. Darin ist geregelt, wer ist Ansprechpartner, welche Kompetenzen, in welcher Reihenfolge baut man auf, welche Kraftwerke sind beteiligt, die ganzen Kontaktdaten und so. Das heißt, da hat man die Konzepte eben flexibel dargelegt, um im Notfall sofort reagieren zu können. Wichtig ist zu erwähnen, dass Österreich hier eine besondere Rolle in ganz Europa spielt, weil wir diese Konzepte sogar praktisch beüben. Jetzt kann man sagen, na was macht's, da scheut jetzt da halb Österreich finster oder so. Das kann man natürlich nicht machen, aber man kann schon einzelne Kraftwerke und einzelne Leitungen für konkrete Wiederaufbauversuche reservieren und damit testen, ob die Kraftwerke wie vorgesehen reagieren, ob die Schutzeinrichtungen nicht überraschend dann völlig anders reagieren und so. Da sind wir einer der wenigen Länder, glaube ich, in ganz Europa, wenn nicht das einzige Land, die das praktisch beüben.-Gut, lieber Kurt, dann sage ich danke für das interessante Gespräch.-Herzlichen Dank.-Ich sage danke fürs Zuhören und freue mich, wenn Sie bei unserer nächsten Episode wieder dabei sind. Dann sprechen wir mit einem Krisenmanager der Stadt Wien sowie einem Techniker der Wiener Netze darüber, wie fit eigentlich die Stadt Wien beim Thema Blackout und Krisenvorsorge ist. Alles Gute und bleiben Sie krisenfest! Ihr Stefan Tesch.

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