Stadt Wien Podcast
Ein Podcast von und für alle Menschen, die in Wien leben. Hier hörst du Stimmen aus der Stadt zu relevanten Themen, die Wien bewegen.
Stadt Wien Podcast
Ein lebenswertes Wien für alle: Wie die Stadt die Generation 60plus im Alltag unterstützt
Use Left/Right to seek, Home/End to jump to start or end. Hold shift to jump forward or backward.
Rund 460.000 Menschen in Wien sind über 60 Jahre alt, das sind jede und jeder Fünfte. Wien hat eine Senior*innenstrategie, ein Team für Senior*innen und 23 Bezirkssenior*innenbeauftragte. Zwei dieser Bezirkssenior*innenbeauftragten Anna Bolovich und Gottfried Wolfgang Sommer sind bei Christine Oberdorfer im Podcast zu Gast. Ein Gespräch über ihre vielfältigen Aufgaben als Schnittstelle im Bezirk und sprechen über drängende Themen älterer Menschen: von niederschwelliger Hilfe im Alltag über Hürden bei der Digitalisierung bis hin zu Altersarmut, Barrierefreiheit und Demenz. Außerdem blicken wir auf das kostenlose Programm des Wiener „Monats der Senior*innen“ im Oktober.
Für die Veranstaltungen im Monat der Senior*innen kann man sich ab 7. September hier anmelden: https://kalender.seniorinnen.wien/
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Herzlich willkommen bei einer neuen Folge des Stadt Wien Podcasts. Zu Gast bei Christine Oberdorfer sind Anna Bolovich und Gottfried Wolfgang Sommer.
Christine OberdorferRund 460.000 Menschen in Wien sind über 60 Jahre alt. Das ist rund jede und jeder fünfte. Wien hat eine Senior*innenstrategie, ein eigenes Team für Senior*innen unter der Leitung von Sabine Hofer-Gruber und 23 Bezirkssenior*innenbeauftragte. Zwei davon begrüße ich heute bei mir im Studio. Anna Bolovich und Gottfried Wolfgang Sommer. Danke für euren Besuch.
Anna BolovichHerzlichen Dank für die Einladung.
Gottfried Wolfgang SommerDanke auch.
Christine OberdorferIhr seid Bezirksenior*innenbeauftragte. Was genau heißt denn das und was sind eure Aufgaben? Beginnen wir vielleicht mit dir, Anna.
Anna BolovichAlso ich sehe mich als Schnittstelle zwischen dem Bezirk und den Meidlinger Senior*innen. Und dazu gibt es auch intervallmäßige Vernetzungstreffen mit den Verantwortlichen der Meidlinger Senioreneinrichtungen, wo wir eben Probleme, aber auch Termine und Veranstaltungen besprechen. Dazu gehören Senioreneinrichtungen wie Pflegewohnhäuser, die Pensionisten Clubs, Wohn- und Pflegeeinrichtungen, Tageszentren, Vereine sowie auch die ehrenamtlichen Kontaktbesuchsdienste.
Christine OberdorferBei dir?
Gottfried Wolfgang SommerJa. Bei mir ist das im Wesentlichen ähnlich. Der sechste Bezirk ist heute ein bisschen kleiner, dafür haben wir nicht, deswegen haben wir nicht so viele Vereine wie ihr. Und wir haben auch nur zwei Seniorenclubs im sechsten Bezirk.
Christine OberdorferDazu sage ich nicht, die Anna ist Bezirksenior*innenbeauftragte im 12. Bezirk und du bist im sechsten Bezirk.
Gottfried Wolfgang SommerGenau. Und bei uns ist halt ein bisschen, alles ein bisschen kleiner.
Christine OberdorferJa, wie lange bist du jetzt schon in diesem Amt tätig?
Gottfried Wolfgang SommerSeit der letzten Funktionsperiode. Das heißt, bei der letzten Wahl wurde ich als Bezirksrat wieder gewählt. Bin jetzt seit 2002 Bezirksrat und bin mittlerweile in unserer Riege der Mandatare der Älteste und wurde vom damaligen Bezirksvorsteher Rumelhart und jetzt von der neuen Vorsteherin Lesacher quasi gebeten, als Ältester diese Position oder diese Aufgabe zu übernehmen. Weil es ist ja nicht wirklich, sage ich jetzt einmal, eine gewählte Funktion, aber du hast halt gleichzeitig mit der Bezirksvorstehung bzw. mit dem Vorsteher oder der Vorsteherin viele gemeinsame Termine. Und wie schon angesprochen, die Zahl der älteren Personen ist im Bezirk, wenn man das runterbricht, bei uns ungefähr ein Sechstel. Also wir haben 30.000 Einwohner, 6.000, 5, 6.000 sind bei uns älter als 65. Die 60er Zahlen kenne ich nicht so genau. Aber das ist halt ein Thema. Und da gibt es schon eigene Anliegen und als Bezirksvorsteher, beziehungsweise als Vertreter der Bezirksvorstehung bei den Senioren, ist man ja nicht nur auf die eigene Partei fokussiert, sondern man muss ja eigentlich in der Bezirksvorstehung auch in der Sitzung des Bezirksparlamentes sozusagen die Interessen aller vertreten, die im Bezirk wohnen.
Christine OberdorferUnd da kann man auch ganz konkret helfen. Wir haben vorhin schon ein bisschen geplaudert, Anna, du bist schon recht lange Bezirksenior*innenbeauftragte. Erzähl uns mal, wie es bei dir dazu kam.
Anna BolovichJa, also ich bin Bezirksrätin, gewählte Bezirksrätin und jede unserer Bezirksräte oder Rätinnen bekommt natürlich eine Aufgabe zusätzlich und da bin ich die Seniorenbeauftragte geworden, weil mich das immer schon interessiert hat und 2016 wurde ich dann bestellt.
Christine OberdorferWas sind denn da so Themen, wo man den Senior*innen ganz konkret helfen kann? Ein paar Beispiele.
Anna BolovichJa, vorwiegend sind die Anliegen eigentlich niederschwellig, dass man ganz einfach Anrufe bekommt, ich bräuchte Hilfe eben für digitale Sachen oder ich bräuchte einen Pflegeplatz, ich brauche Hilfe bei Anmeldungen, für irgendwelche Formulare ausfüllen und so, Hilfestellung leisten. Und ja, auch oft nur Gespräche führen, wenn es einem halt nicht so gut geht.
Christine OberdorferWie seid ihr für die Senior*innen und Senioren im Bezirk erreichbar?
Gottfried Wolfgang SommerIch bin grundsätzlich über die Bezirksvorstellung erreichbar und dann habe ich halt meine regelmäßigen Besuche im Seniorentreff, heißt das bei uns auf der Kundendorferstraße, beziehungsweise im Seniorenwohnheim am Lokweihplatz. Da bin ich ansprechbar.
Christine OberdorferVor Ort und einfach zu dir kommen und sagen, wo der Schuh drückt.
Gottfried Wolfgang SommerOder in der Bezirksvorstellung anrufen und die sagen wir das dann und ich melde mich. Also das ist relativ formlos.
Christine OberdorferAh ja, Hausbesuche?
Gottfried Wolfgang SommerWenn es gewünscht ist, das will nicht jeder, aber wenn es gewünscht ist, gerne. Man st dann eh schon amts bekannt, da braucht sich keiner mehr fürchten.
Christine OberdorferWas sind denn das für Themen, die die Senior*innen so beschäftigen? Was ist Senior*innen wichtig, was sich auch ein bisschen unterscheidet von den Themen, die jüngere Leute haben? Und sind das jetzt andere Themen als vielleicht noch vor 20 Jahren?
Anna BolovichIch glaube nicht, dass es großartig andere Themen sind. Aber natürlich, der Zeit folgend sind es schon Themen, wie ich eben schon erwähnt habe, diese leistbare Gesundheitsversorgung, zeitnahe Arzttermine oder Wartezeiten auf Arzttermine. Bei Frauen vor allem Altersarmut ist auch ein Thema, wo immer wieder dann Anfrage kommt, gibt es irgendwelche Töpfe, wo man Hilfestellung leisten kann. Oder Einsamkeit und vor allem auch die Digitalisierung halt.
Christine OberdorferWie sind deine Erfahrungen mit den Themen der Senior*innen?
Gottfried Wolfgang SommerAlso ich bin jetzt seit ein bisschen mehr als ein Jahr als Seniorenbeauftragter unterwegs und ich merke halt schon, dass die Leute bei uns im Bezirk, wenn man von der Gumpendorfer Straße auf die Mariahillfer Straße will, geht man immer bergauf. Man soll es nicht für möglich halten. Das ist halt in einem Innenstadtbezirk so und die Leute wollen eine Möglichkeit haben, sich hinzusetzen. Sie wollen, nicht überall ist der Platz dafür. Also wir haben in letzter Zeit sehr viele Sitzbänke gemacht. Da gibt es wieder Leute, die sagen, warum kann da nur einer sitzen? Naja, wenn einer sitzt, dann kann einer nicht liegen. Also es ist immer ein Thema in dieser Frage. Wir haben große Debatten, weil wir ja zwischen Mariahilfer Straße und Naschmarkt gerade die Gumpendorfer Straße einen Bürgerbeteiligungsprozess gehabt haben. Offensichtlich haben sich vor allem ältere Leute nicht sehr an der Bürgerbeteiligung beteiligt. Jetzt kommen die Umsetzungen und jetzt kommen halt die Dinge, die die Leute bzw. die Anwohner, die dann davon betroffen sind, direkt betreffen. Zum Beispiel, weil man keinen Stellplatz hat für sein Auto, obwohl man eines braucht. Es soll auch Leute geben, die halt nicht Radfahren können oder also nicht so gut zu Fuß unterwegs sind. Und daher wird man einfach nicht alle Parkplätze wegnehmen können, ohne eine Ersatzmöglichkeit zu bieten. Und da kommen die Leute immer mehr und sagen immer, wo sind da meine Interessen? Und das wird jetzt immer deutlicher. Das hören wir auch aus dem Kontaktbesuchsdienst, dass die Kolleg*innen, die das machen, dann bei unseren Besprechungen sagen, ja, das ist ein Thema und wir müssen uns der Sache annehmen. Weil es ist nicht so, dass jeder einen Parkplatz im Haus hat. Und natürlich, der öffentliche Raum ist für alle da, aber es muss auch dafür ein Platz da sein.
Christine OberdorferWie geht es den Senior*innen mit der Digitalisierung? Da kommt man ja auch sehr schwer drumherum.
Anna BolovichJa, eigentlich schon. Und zwar vor allem geht es auch um Bankgeschäfte. Viele Banken bieten eben nicht mehr an, dass man in die Häuser kommt oder auch zu den Leuten. Und da gibt es schon viele Probleme, die ganz einfach, ja weil man dann nicht mehr so affin ist mit diesen Codes und so weiter. Und dann wird immer wieder angefragt, ob man halt irgendwo Hilfestellung bekommen kann.
Christine OberdorferWas gibt es da für Lösungen?
Gottfried Wolfgang SommerJa, entweder tut man als Bank nach wie vor Mitarbeiter abstellen, die dafür zur Verfügung stehen. Oder es sind ja nicht nur Banken, es sind ja auch Behördenwege, die zum Teil bei Termine in manchen Behörden bekommst du nochmal noch online. Also es wird dann schwierig, da muss man dann hingehen. Also es ist ganz einfach so, dass ein großer Anteil der Bevölkerung, die Zahl sind schon genannt worden, halt, du hast gesagt, 60 plus sind. Ja, und viele davon haben eben nicht die Möglichkeiten, sich online diese Dinge anzunehmen. Daher muss es eine Möglichkeit geben, und da gibt es ja auch Initiativen dafür, dass man sagt, nur online ist zu wenig. Es muss auch noch haptisch und physisch und sonst irgendwie gehen, weil sonst schließt man einen Teil der Bevölkerung aus. Und das ist halt dann schwierig, würde ich einmal meinen.
Christine OberdorferUnd die Kompetenzen der Senior*innen stärken in dem Bereich, ist ja wahrscheinlich auch ein Thema, oder?
Gottfried Wolfgang SommerDas ist ein Thema, da gibt es auch Initiativen dazu. Die Frau Hofer -Gruber hat sich da eh sehr eingebracht in dieser Angelegenheit. Es gibt Digitalisierungsschulungen und alles Mögliche. Nur ist eh schön. Dann sitze ich dort, mit denen ich reden kann, da mache ich das, dann gebe ich einen Türl raus und dann geht es nicht mehr. Das ist halt so. Und das wird noch spannend werden. Nicht jeder hat Enkel kinder, die die Zeit haben oder sonst irgendwen. Oder ein Partner, der sagt, ja, ich mach das. Das wird so nicht funktionieren. Daher wird es notwendig sein müssen, dass man bestimmte Dinge auch so anbietet. Also eins der besten Beispiele für mich ist zum Beispiel die Geschichte mit der ID Austria, wo jetzt jeder zum Beispiel ins Rathaus oder in die Bezirksvorstehung geht und ihm wird geholfen. So, weil offensichtlich es nicht online alleine funktioniert. Und das ist bei anderen Dingen halt auch der Fall.
Christine OberdorferWird schon angesprochen, die Kinder und Enkelkinder, die da helfen. Wie klappt denn so das Zusammenleben der Generationen?
Anna BolovichJa, also im Großen und Ganzen, mehrheitlich passt das wirklich sehr gut. Vielleicht manches Mal kommt von den Eltern ein bisschen der fehlende Respekt, aber sie sind ein wertvoller Bestandteil für die Gesellschaft, weil viele betreuen eben die Enkelkinder, viele machen ehrenamtliche Tätigkeiten, zum Beispiel Lesepaten in den Schulen oder auch Begleitungen bei den Seniorenwohnhäusern. Und das ist schon ein wichtiger Bestandteil.
Christine OberdorferDas heißt, dass die Senioren dann auch ihre Zeit so nutzen, dass andere davon profitieren.
Anna BolovichJa, genau, weil oft können sonst Ausflüge gar nicht gemacht werden, wenn nicht genug Begleitpersonen dabei sind. Und deswegen ist das wirklich sehr wichtig, dass sich da wirklich. Also man kann immer mehr. Wir suchen immer Ehrenamtliche. Aber trotzdem ist es ganz gut jetzt so abgedeckt.
Christine OberdorferWas wären denn noch so nette Ehrenämter, wenn du einen kleinen Aufruf starten magst? Was gäbe es denn nettes bei dir im Bezirk?
Anna BolovichNaja, bei uns ist es vor allem in den Pflegehäusern. Also da wird immer gesucht. Also wir haben ein sehr großes Haus, das ist das Haus Hetzendorf. Und da gibt es natürlich welche schon, aber es wird immer an mich herangetragen, bitte schau noch, ob man irgendwie Ehrenamtliche bekommen kann. Aber auch bei diesem Kontaktbesuchsdienst der Stadt Wien. Die besuchen Personen über 75. Und das wird von der Bezirksvorstehung angeschrieben, ob sie den Besuch haben möchten. Und wenn sie zusagen, dann gehen die ehrenamtlichen Kontaktbesucherinnen und Kinder diese besuchen mit einem Tablet und haben da auf dem Tablet eben drauf, was sie für Anliegen. Das wird notiert. Und da sind immer zu wenige. Also sind wir immer auf der Suche. Also das würde uns sehr helfen, wenn sich da jemand melden könnte.
Christine OberdorferGeht es da um konkrete Lösungen oder geht es da ums Hingehen und ums Plaudern?
Anna BolovichUms Hingehen und Plaudern, aber auch mitnehmen, die Anliegen mitnehmen. Und die Anliegen werden dann in monatlichen Besprechungen abgearbeitet.
Gottfried Wolfgang SommerAlso es werden auch konkrete Lösungen angeboten von den Kontaktbesuchspersonen, Damen und Herren, die das machen. Und das ist für mich schon eine wichtige Geschichte. Also meine Eltern wohnen nicht in Wien. Und wenn ich dann zu meiner Mutter oder zu meinem Vater komme und sage, wie das dort ist, da sind wir, das Wien ist anders. Gott sei Dank.
Christine OberdorferBesser.
Gottfried Wolfgang SommerBesser. Ganz sicher.
Christine OberdorferGibt es trotzdem Konflikte zwischen den Generationen?
Gottfried Wolfgang SommerAlso Konflikte zwischen den Generationen würde ich jetzt einmal, also die meisten Konflikte werden sie wahrscheinlich familiär, wenn es welche gibt, ausgetragen, hinter verschlossenen Türen. Im öffentlichen Raum ist das eher die schon angesprochene Respektlosigkeit, wenn am Gehsteig mit Radl herumgefahren wird oder umgekehrt. Das ist halt dann ein Thema, weil als ältere Person auf der Mariahilfer Straße hast du das schon schwierig. Deswegen gibt es auch Initiativen, dass Radlfahrer nicht nur dass wir 15 kmh fahren sollen und lauter solche sagen. Aber das ist halt schwierig, weil du kannst halt diese Dinge. Und das ist ein Generationenproblem. Das muss man schon sagen, weil öltere Leute fahren weniger Mineral. Und die erwarten sich auch, dass auf den Fußgänger Rücksicht genommen wird.
Christine OberdorferDas ist aber vielleicht auch eher ein Respektsproblem, oder? Weil ich glaube, wenn ich da jetzt mit dem Radl mit 25 mit meinem E-Bike durchtüst, kann ich ja genauso mit einer, keine Ahnung, mit einem Kinderwagen zusammenstoßen oder mit deinem Kind am Roller wie mit einem Senior, einer Seniorin.
Gottfried Wolfgang SommerNein, es ist respektlos. Nicht nur denen Eltern gegenüber, sondern Älteren gegenüber, sondern insgesamt, aber das ist halt leider so. Und da haben wir schon Dinge, also ich hoffe, dass mit der Regelung, die da jetzt für die E-Scooter kommt, sozusagen ein bisschen eine andere Szenerie einzieht und sich das vielleicht dann auch auf die, die auch mit zwei Rädern unterwegs sind, aber ohne Motor, schauen wir mal. Also speziell dort, wo Fußgängerzonen sind oder da ist das wirklich ein Thema.
Christine OberdorferAuf der Mariahilfer Straße ist das eh klar, da sind einfach so viele Menschen.
Gottfried Wolfgang SommerNur wir haben auch noch den Windtalrad weg, das ist völlig wurscht. Wir haben eine Fahrradstraße gemacht, das nutzt alles nichts. Das ist, es gibt welche, das sind nicht alle so, das ist auch nicht das Thema, aber es gibt bestimmte Leute, die halt glauben, Autofahrer ist was weiß ich was und ein Fußgänger ist sowieso wurscht.
Christine OberdorferJa. Kommen wir nochmal zum Anlass unseres Treffens heute, zum Monat der Senior*innen im Oktober. Wieso brauchen wir in Wien sowas?
Anna BolovichIch würde sagen, es hat sich wunderbar etabliert. Also es gibt ja prinzipiell extrem viele Angebote vom FSW und von der Stadt. Aber der Seniorenmonat ist halt dann nochmal besonders. Also da sind aus allen Bezirken zusammengefasst in der tollen Broschüre, die es ja dafür gibt. Und jeder Bezirk ist auch gewillt und fiebert dem schon entgegen, wenn man das Programm erstellen darf. Jeder will irgendwie ein besonderes Highlight noch haben im Bezirk, eben im Seniorenmonat. Und es wird sehr gut angenommen von den Leuten. Und zwar deswegen, ich habe jetzt schon für unsere Veranstaltung, also die ich halt mache mit dem BVÖ, haben wir schon, da gibt es limitiert immer die Plätze. Und das ist ein Wunschkonzert, Jukebox heißt das ja. Und ich kann mich jetzt schon nicht erwehren über Anmeldungen. Und ja, es macht uns einfach dann Spaß. Ich versuche auch bei allen diesen Veranstaltungen dabei zu sein, weil jede hat irgendwas Besonderes.
Christine OberdorferErzähl mal, was ihr so gibt bei euch.
Anna BolovichAlso bei uns gibt es über Gesundheit etwas, über die Kultur, dann Chorsingen, Technik, KI, Tanzen, da haben wir den Club 66 im U4, Cocktailparty, eben das Wunschkonzert zum Mitsingen und die Hetzendorfer Wiesen. Das zieht sich eben über das ganze Monat Oktober.
Christine OberdorferJa, was gibt es bei dir im Bezirk?
Gottfried Wolfgang SommerAlso wir haben Veranstaltungen im Seniorentreff auf der Gumpendorfer Straße. Der Seniorentreff ist ja zusätzlich auch noch eine Community für ältere Leute für die LGBTQ-Szenerie. Und wir haben da ja auch im neuen Gemeindebau beim Rudi Hundsdorfer Hof haben wir dort eine Wohngemeinschaft und da wird also viel gemeinsam gemacht. Erstmalig wird es bei uns im Oktober heuer, und das steht nicht im Programmheft, ein Seniorenparlament geben. Wir haben uns in der Bezirksvertretung sozusagen alle Parteien darüber committed, dass wir das machen wollen. Und das ist heuer im Oktober das erste Mal. Das wird auch im Senioren über das Seniorentreff und mit dem FSW und mit dem Kuratorium Wiener Pensionistenheime abgewickelt. Und es gibt ja da eine Initiative, die auch von der Kollegin Hofer-Gruber ausgeht. Und da werden wir erstmalig schauen, wie wir das machen. Der Club 66 ist zwar bei euch im U4, aber da dürfen alle hingehen. Ich gehe davon aus, dass auch Maria hilfer dort waren, ist er über war schon dort. Also das ist eine coole Geschichte, möchte ich dazu sagen. Das ist ganz, ganz klasse. Und was wir zusätzlich noch haben, ist, dass wir quasi einladen oder Karten reserviert haben für die Seniorenwiesen. Es gibt ja insgesamt drei Termine für Senioren auf der Kaiserwiese. Und dort im Oktoberfest im großen Zelt, da haben wir auch eine, haben wir auch Tische reserviert. Also das sind Dinge, die auch sehr gut angenommen werden von den Bewohnerinnen und Bewohnern und von den Senior*innen und Senioren.
Christine OberdorferIch blätter hier gerade so ein bisschen im Programm. Dazu kann man, glaube ich, sagen, die Veranstaltungen sind alle kostenlos, wenn ich da richtig informiert bin. Das Programm gibt es zum Beispiel in den Apotheken und in vielen Servicestellen der Stadt Wien, aber auch online. Und anmelden kann man sich ab 7. September, wenn ich da nicht ganz falsch bin.
Anna BolovichOffiziell, ja. Das Wichtige zu sagen ist eben, dass alles, was in dem Heftl steht, können alle Wiener Senior*innen teilnehmen. Also ja, das unabhängig von Bezirken.
Christine OberdorferIch sehe einen Abend auf der Kuffner Sternwarte, wenn ich halt so kurz durchblätter. Demenzcafé, ein Bowling-Turnier, eine Schifffahrt. Klingt alles sehr spannend und alles kostenlos.
Gottfried Wolfgang SommerGratis aber nicht umsonst.
Christine OberdorferGratis aber nicht umsonst, so soll es sein, genau. Wo wirst du persönlich dabei sein?
Gottfried Wolfgang SommerAlso ich bin auf jeden Fall bei den Veranstaltungen bei uns im Seniorentreff dabei. Das ist schon quasi ausgemacht. Und was bin selber erstmalig bei uns im Bezirk, gibt es dieses Seniorenparlament, da werden wir sehen, wie sich das darstellt. Wir haben das als Bezirk noch nie gemacht und wir haben das Seniorenmonat als Anlass genommen, so die Vorbereitungen dorthin zu machen, dass wir innerhalb des Seniorenmonats dieses Seniorenparlament abhalten. Schülerparlament hat es bei uns schon gegeben. Und als nächstes kommt jetzt das Seniorenparlament dran.
Christine OberdorferEin großer Schwerpunkt ist die Digitalisierung. Da haben wir eh schon auch drüber gesprochen, dass da schon gewisse Hürden auch für Senior*innen birgt. Gesundheit, habe ich gesehen, ist auch ein großes Thema. Was wäre denn euer Tipp für Senior*innen zum Gesundleim?
Anna BolovichAlso mein Tipp wäre einmal Bewegung. Das ist sicher einer der wichtigsten Punkte. Dann aber auch gemütliches Beisammensein, dann Spaß und Zufriedenheit.
Christine OberdorferDas heißt auch die soziale Komponente nicht vergessen beim Gesundleiben.
Gottfried Wolfgang SommerDafür haben wir genug Möglichkeiten. Und die gängen ja an und für sie sind diese Veranstaltungen, die hier im Senioren monat Oktober zusammengefasst sind, sind ja eigentlich eh übers ganze Jahr verstreut. Sie sind halt nur in dem Oktober-Monat besonders zusammengefasst und viele der Verstaltungen, die es da gibt, sind das ganze Jahr möglich , man muss sich halt nur im Seniorenclub oder im Seniorentreff oder bei den Seniorenverantwortlichen beziehungsweise bei den Bezirksvorstehungen erkundigen. Und dann kriegt man solche Termine auch außerhalb vom Oktober.
Christine OberdorferMhm. Demenz ist ein großes Thema, auch im Rahmen der Veranstaltungen im Rahmen des Monats der Senior*innen, da gibt's ja auch eine eigene Demenz-Plattform, glaube ich, heißt sie, wo auch die Bezirke Teil davon sind. 30.000 Wiener*innen sind von Demenz betroffen, habe ich nachgelesen. Welche Angebote gibt es denn da für Betroffene bzw. auch für deren Angehörige bei euch im Bezirk?
Gottfried Wolfgang SommerAlso für betreuende Angehörige gibt es da eigentlich sehr viele Möglichkeiten an Informationen. Wir haben jetzt neu. In Maria hilf gibt es ja eine Beratungsstelle von den Senior*innen und die machen jetzt eine Sprechstunde direkt im Amtshaus. Das ist jetzt bei uns neu. Da bin ich sehr froh, dass das gelungen ist. Das ist auch, glaube ich, vor kurzem in der Bezirkszeitung oder wo angeteasert worden, dass das jetzt neu stattfindet. Das finde ich sehr wichtig, dass betreuende Angehörige nicht herumfahren müssen, sondern halt so nah als möglich am Wohnort hingehen können und wie man denen helfen kann. Weil es gibt die unterschiedlichsten Dinge und ich gehe jetzt einmal davon aus, dass die Zahl, die du da gesagt hast, die ist, die ohne Dunkelziffer da mal festgestellt wurde. Wenn ich mich da so in der Stadt herumbewege oder im Bezirk herumbewege und dann immer wieder dieselben Leut sehe, dann denke mir oft, sie wissen selber nicht und sie haben auch vielleicht keine Angehörigen.
Christine OberdorferNaja, wahrscheinlich wird Demenz oft nicht erkannt und ist ja wahrscheinlich auch ein Prozess, das ist ja nicht von einer Sekunde, das ist ein
Gottfried Wolfgang Sommerund wenn man dann den persönlichen Ablauf, einen Tagesablauf hat, dann merkst du das oft gar nicht, wenn du mit die Leit redst. Das glaubst du nicht. Aber wenn dann fünfmal dieselben Fragen kommen, dann kann auch sein, dass er nur schwerhörig ist. Aber irgendwie ist das schon ein Thema. Und das wird für die auch für die Gesellschaft innerhalb der Stadt wird das zunehmend ein Thema werden, weil man kann nicht alle irgendwo in einem Seniorenheim oder in einem für demente Leute gibt es ja eigene Bereiche. Das geht nicht. So viel Platz haben wir dann nicht. Aber das Heim am Loquaiplatz vom Kuratorium Wiener Pensionistenheime hat einen Demenz-Schwerpunkt. Und daher haben wir da ein bisschen sozusagen als Bezirk ein bisschen einen anderen Zugang dazu. Und wir unterstützen halt, wo es geht. Aber die Leute müssen auch kommen und sagen, weil wenn es Tick ist, dann ist ja, wenn ich sage, du bist heute Dement, das geht ja nicht, das kann man ja nicht machen. Also das ist, da muss man dann selber auch schon so weit sein, dass man sagt, ich, und man muss auch Hilfe zulassen. Es gibt ja Leute, die wollen das gar nicht. Also es ist schwierig, aber es gehört informiert über die ganze Geschichte und es gehört unterstützt.
Christine OberdorferGroße Hemmschwelle, Demenz anzuerkennen, ist. Wie könnte Wien denn demenzfreundlicher werden? Was bräuchte man denn?
Anna BolovichJa, ich muss ehrlich sagen, für den zwölften Bezirk kann ich schon sagen, wir haben ja auch diese Sprechstunde für die pflegenden Angehörigen, die sehr gut genutzt wird. Aber wir haben auch zwei Häuser mit wirklich einem demenziellen Schwerpunkt. Da gibt es eine Demenzstation, also wo man eben die ganze Station nur dementiell Erkrankte betreut. Dann haben wir auch Tageszentren, also wo man unter tags jemanden hinbringen kann, das heißt dann Tagfamilie. Und ich muss ehrlich sagen, könnte natürlich noch ausgebaut werden, aber das ist schon ein wichtiger Punkt als Anlaufstelle für demenziell Erkrankte, auch für die Angehörigen, weil dann hat man halt auch einmal einen Tag, wenn man in die Tagfamilie bringt, einen Tag für sich frei.
Christine OberdorferWas gibt es im Alltag? Also was können vielleicht die anderen Bezirksbewohnerinnen, die Nachbarinnen, die Menschen, die dort vielleicht im Verkauf arbeiten, was kann denn so jeder beitragen, damit es für Menschen mit der Erkrankung einfach leichter wird?
Anna BolovichJa, wir haben eine Initiative gestartet und zwar wir haben demenzfreundlicher Bezirk. Und da haben wir jedes Jahr ein Jahrestagsfeier und da laden wir immer einen Neurologen oder einen Psychiater oder jemanden, der sich halt mit demenziellen Erkrankungen beschäftigt ein. Und das wird auch dann breit beworben, wird sehr gut besucht. Und diese Dinge könnte man schon wahrscheinlich ausweiten. Also nicht, dass es nur einmal im Jahr ist. Und wir haben auch mit den Firmen Gespräche gehabt, ebenso wie ein demenzfreundliches Geschäft. Obwohl ich sagen muss, da sind wir nicht sehr weit vorangekommen. Es gibt schon Firmen und Geschäfte, die haben dann auch Schulungen angeboten. Wer uns immer auch unterstützt mit diesem Problem, ist die Polizei. Die haben auch Schulungen und können damit gut umgehen. Und wir haben auch einmal so eine Vernetzung gehabt. Ich glaube, es ist sogar auch noch bestehend. Wenn jetzt jemand eben verloren geht und die Polizei sucht oder diejenigen, dann ist es oft so, dass man die nicht auf die Polizeistation bringen kann, weil die ganz einfach Ängste entwickeln. Und dann haben wir ein Haus bei uns gehabt, ein Pflegewohnhaus. Dort konnte man die hinbringen in der Zeit, wo man gesucht hat, die Angehörigen wieder zu finden.
Gottfried Wolfgang SommerAlso die Tageszentren sind sicher etwas, was um mehrere Bezirke her zusammengefasst sind. Ich glaube, die Auslastung ist sehr gut, was ich so mitkriege. Man muss sich vorher anmelden. Aber ja, Demenz ist ja nicht unbedingt ein Thema nur im Alter, sondern das kann ja schon früher beginnen. Also als Gesellschaft muss man halt Möglichkeiten zur Verfügung stellen. Und es muss der Wille der Angehörigen und der betroffenen Person, ich kann niemanden verpflichten. Und wenn ich selber nicht will und keine dementsprechenden Erklärungen unterschrieben habe, dann ist es manchmal halt so, wie es ist. Dann kann man auch schwer helfen und schon gar nicht, wenn es die Person nicht zulässt.
Christine OberdorferInfos gibt es auch dazu im Monat der Senior*innen. Ja. Noch ein anderes Thema, wir plaudern schon relativ lange. Was ist denn euer liebster Platz vielleicht für Menschen, die ein bisschen älter sind, in euren Bezirken?
Anna BolovichAlso wir haben das Meidlinger Platzl. Da finden viele Veranstaltungen statt. Sind auch viele Senior*innen dann dort. Wir haben auch unseren Seniorentag am Meidlinger Platzl. Und die Clubs machen dort auch im Sommer zum Beispiel so Tanzveranstaltungen und so. Also ich glaube, dass die Leute das gerne besuchen, das Meidlinger Platzl. Oder den Meidlinger Markt auch, da ist das, wo ich zuerst erwähnt habe, das gesellige Beisammensein.
Christine OberdorferDer Markt ist immer lustig.
Anna BolovichJa, also bin ich ganz dabei. Trifft man sich dann ganz einfach. Man geht nordic walken und dann geht man dorthin essen.
Gottfried Wolfgang SommerAlso wir haben ja beim Loquaiplatz ja den Schmalzhof-Tempelpark, den haben wir ja völlig neu umgestaltet und dort ist ja auch die Aufteilung zwischen Jung und Alt ein bisschen sozusagen durchlässiger geworden. Und daneben ist für mich nach wie vor der Planet Naschmarkt. Da haben wir jetzt den Marktraum dort mit der Aussichtshalle, mit der Aussichtsplattform. Und daneben ist dann die Bierhalle. Also es gibt dort so viele Möglichkeiten, auch im neuen Naschpark sich dort aufzuhalten. Und das sind die Bereiche, wo ich selber auch fußläufig wohne, dort klein in der Nähe. Da strawanz ich auch immer gern herum mit Frau und mit Enkelkindern. Also das sind die Bereiche, wo ich mir denke, dass das auch gut für den Bezirk ist. Also wenn ich in Seniorentreff bin und die Leute frage, dann sagt mir keiner, er geht gerne auf die Mariahilfer Straße und dann sagen die, sie gehen lieber auf den Naschmarkt.
Christine OberdorferNaschmarkt ist auch großteils barrierefrei, gell? Also wenn man jetzt nicht so
Gottfried Wolfgang SommerVon der Theorie her auch die neue Aussichtsplattform da oben, da ist extra ein Lift eingebaut worden. Das ist alles, also die Stände sowieso. Dort ist alles sehr niedrigschwellig. Also es gibt ein paar Lokale, wo halt dann die Notdurft im ersten Stock zu erledigen ist. Aber im Endeffekt haben wir genug Toilettenanlagen. Also dort ist alles barrierefrei.
Christine OberdorferWenn wir bei der Barrierefreiheit sind, abschließend noch ist ein wichtiges Thema nicht nur für Senior*innen, sondern für verschiedenste Lebenslagen, wo es wichtig ist. Ich denke an Kinderwagen, ich denke an ein gebrochenes Bein oder was auch immer so passieren kann. Was sind denn noch für Wünsche oder was wünscht ihr euch für ältere Menschen in Wien?
Anna BolovichAlso ich wünsche mir, dass die zurzeit angebotenen und vielen Betreuungs-, aber auch Freizeitangebote weiterhin angeboten werden können von der Stadt. Und was auch ganz ein wichtiger Punkt ist in der Zwischenzeit, dass jeder, jede, die einen Betreuungsplatz in einem Pflegewohnhaus brauchen, den zeitnah bekommen können. Das wären eigentlich meine Wünsche.
Gottfried Wolfgang SommerJa, grundsätzlich kann ich mich dem nur anschließen und hoffen, dass auch die dementsprechenden finanziellen Mittel zur Verfügung gestellt werden, weil ohne dem geht nichts.
Christine OberdorferOhne Geld Kamusi.
Gottfried Wolfgang SommerRichtig.
Christine OberdorferDanke für den Besuch im Studio.
Gottfried Wolfgang SommerGerne.
Christine OberdorferWir sehen uns beim Monat der Senioren.
Anna BolovichJa, natürlich. Dankeschön.
Silvo GasserZu Gast bei Christine Oberdorfer waren Anna Bolovich und Gottfried Wolfgang Sommer.
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