Stadt Wien Podcast
Ein Podcast von und für alle Menschen, die in Wien leben. Hier hörst du Stimmen aus der Stadt zu relevanten Themen, die Wien bewegen.
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Stadt | Land | Strom: „Die ersten Wiener*innen – Doppelfolge, Teil 1: Mammutschmalz und Rentierflöte“(Folge 7)
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Zwischen Donau und Wiener Wald lässt es sich ganz gut leben. Das wussten auch schon jene Steinzeitmenschen, die den Wiener Raum vor Tausenden von Jahren – und noch mitten in der Eiszeit – auf der Suche nach Nahrung und Lebensraum durchstreiften.
Über die letzten Jahrhunderte hat man im Stadtgebiet immer wieder Funde aus der Urzeit gemacht, wissenschaftlich aufgearbeitet wurden diese aber erst 2015 – im Auftrag der Stadt Wien. Dabei wurde auch die Anwesenheit unserer Vorfahren schon im altsteinzeitlichen Wien durch den Altfund eines Wildpferdknochens aus Nußdorf belegt. Auf ihm konnten eindeutig menschgemachte Schnittspuren identifiziert werden. Sein Alter konnte mittels Radiokarbonmethode auf circa 38.000 Jahre bestimmt werden.
In der ersten Folge zur frühesten Besiedelungsgeschichte Wiens geht es um eiszeitliche Wildbeuterkulturen, die hier nicht nur Wildpferde, sondern auch Mammuts, Wollnashörner oder Rentiere gejagt haben.
Was hat die Region für sie interessant gemacht? Welche Spuren haben sie hinterlassen und was erzählen uns diese über ihren Alltag und ihre Geisteswelt?
Als absolute Expertin zu diesen Fragen konnten wir die Prähistorikerin Dr. Christine Neugebauer-Maresch gewinnen, die in ihrer Karriere nebst einigen bedeutenden Ausgrabungen auch die wissenschaftliche Aufarbeitung der Wiener Altfunde 2015 geleitet hat.
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Doppelfolge:Die ersten Wienerinnen.
Teil 1:Mammutschmalz und Rentierflöte.-Archäologie ist mehr als das Hobby einiger verstaubter Gelehrter. Über rund 95 % der Menschheitsgeschichte geben keine schriftlichen Quellen Auskunft. Sie können nur mithilfe von Bodenfunden rekonstruiert werden. Auch in Österreich stellen sie für über 100.000 Jahre die einzige Quelle geschichtlicher Erkenntnis dar. Nur sie geben darüber Auskunft, wo und wie der Mensch in der Urzeit lebte. Sie liefern Anhaltspunkte über die damaligen politischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten, über Kulturkontakte, über soziale Gliederungen, über Kunst und Religion. Wie wichtig die Erforschung der Vergangenheit ist, erkannte bereits der griechische Philosoph
Aristoteles:"Nur wenn man den Ursprung der Dinge kennt, versteht man ihre wahre Natur." Zitat aus dem unbedingt empfehlenswerten Buch "Österreichs Urzeit: Bärenjäger, Bauern, Bergleute" des 2002 verstorbenen Prähistorikers Johannes Wolfgang Neugebauer. 1990 erschienen, ist diese Publikation noch heute ein Standardwerk, das faszinierende Einblicke in die Ur- und Frühgeschichte unserer Vorfahren gibt. Hallo Karl. -Hallo Andreas. Stichwort Vorfahren. Wir haben uns gefragt, was sich eigentlich gesichert über die allerersten Wienerinnen und Wiener sagen lässt. Also über jene Menschen, die noch während der letzten Eiszeit hier aufgetaucht sind.-Wann und woher kamen sie? Welche Landschaft haben sie hier vorgefunden? Was haben sie gegessen, wie gelebt?-Dank moderner archäologischer Forschung wissen wir gar nicht so wenig über sie. Zum Beispiel, dass sie musikalisch waren. Jedenfalls Flöten aus Rentierknochen schnitzten.-Funde von Schmuck und Farbe beweisen, dass sie sich und ihre Umgebung verzierten und dass sie handwerklich äußerst geschickt gewesen sein müssen.-Sicher ist auch, dass sie hervorragende Jäger und Jägerinnen waren, die wussten, wie man in einer kalten, windigen, eiszeitlichen Steppenlandschaft Riesen er- und zerlegt.-Wir wissen auch, dass sie große Feste organisierten, in Wien bereits in der Altsteinzeit Bergbau betrieben, ihre Toten bestatteten und einen Sinn für Ästhetik und Transzendenz hatten.-Mehr als genug Stoff also für eine Stadt-Land-Strom-Doppelfolge zum Thema "Wiener Ur- und Frühgeschichte".-Und es freut uns außerordentlich, dass wir als Expeditionsleiterin eine absolute Koryphäe für die Urzeit in Österreich gewinnen konnten.-Dr. Christine Neugebauer-Maresch ist Expertin für Urgeschichte und historische Archäologie, insbesondere für den ostösterreichischen Raum. Sie war Leiterin zahlreicher großer Grabungsprojekte, Sensationsfunde inklusive.-Habilitiert hat sie sich mit der Arbeit "Geistige Welt der Steinzeiten" im Fach Ur- und Frühgeschichte und ist seither Universitätsdozentin an der Universität Wien. Seit 2012 ist sie korrespondierendes Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Dr. Christine Neugebauer-Maresch ist die Witwe des eingangs zitierten Prähistorikers Johannes Wolfgang Neugebauer.-Wir treffen die gebürtige Wienerin und ihre Hündin Happy in ihrem Zuhause in Stratzing in Niederösterreich.-Von ihrem Wohnzimmer aus blickt man direkt auf den Galgenberg, wo die Archäologin und ihr Team am 23. September 1988 ein achtteiliges Puzzle aus grünlichem, stark glänzendem Schiefer barg. Zusammengesetzt ergaben die Bruchstücke eine Weltsensation.-Wie wir das erste Stück identifiziert haben: Zuallererst waren eigentlich diese ganz kleinen Stückchen im Sammelposten, die ein anderes Rohmaterial waren als die Steingeräte. Das sind ja Hornsteine normalerweise, mit diesen scharfkantigen Brüchen. Und da so mehr oder minder, ja, hat fast abgenudelt ausgeschaut, ja, so kleine Schieferstückchen. Und da war eine Gravur auf einem Stück drauf. Und das war schon irgendwie sehr komisch. Und ja, und dann hat sich die eine Studentin aufgesetzt und hat ein Stück in die Höhe
gehalten und hat gesagt:"Was ist denn das?" Und dann haben wir es näher angeschaut und waren dann ziemlich sicher der Überzeugung, dass dieser dreieckige, abgesetzte Teil ein Kopf, ein menschlicher Kopf sein müsste. Und haben gedacht, dass das eine kleine Stückchen unten ein Beinansatz wäre und dran gehört dort, was sich dann aber als Fehler herausgestellt hat, weil wir am nächsten Tag dann in den Siebmaterialien die drei Beinstücke dazugefunden haben, ja. Und dann war die aufrechte Figur klar.-Eine 36.000 Jahre alte Statuette aus Stein. Circa 7 cm groß stellt sie eine Frau in Bewegung dar, weshalb sie als"Tanzende Venus vom Galgenberg" bekannt ist.-Diese vermeintliche Venus ist 7.000 Jahre älter als die berühmte Venus von Willendorf und bisher einzigartig in ihrer Botschaft. Anders als die zahlreichen, allesamt tausende Jahre jüngeren Venusfiguren, die in sich zu ruhen scheinen beziehungsweise passiv sind, tanzt diese Frau.-Die Finderin selbst nennt sie darum auch nicht Venus, sondern lieber Fanny, in Anlehnung an Fanny Elsler, eine im 19. Jahrhundert berühmte Wiener Tänzerin.-Ja, und wir haben einen Namen gesucht. Und wir haben den Eindruck gehabt, dass es eben schon damals schon, dass es eine erhobene Haltung des einen Armes ist und dass ein Standbein und ein Spielbein quasi ist und der zweite Arm seitlich des Körpers und der Kopf leicht nach hinten geneigt, zum erhobenen Arm hinschauend. Und darum sind wir der Meinung gewesen, dass es eigentlich der Hauptunterschied zu den bekannten Venusfiguren, die ja alle jünger sind, ja, dass hier eine Bewegung eigentlich dargestellt ist und nicht dieser statisch in sich ruhende Typ. Und da haben wir dann, das war auch drei Jahre dann ein Jubiläum von der Tänzerin Fanny Elsler gewesen mit Ausstellung, und da ist der Name irgendwie präsent gewesen. Und da haben wir gesagt:"Das ist ein guter Name, weil auch sie wurde als Botschafterin Österreichs bezeichnet, und da war ja Fanny ein würdiger Name und ein schöner Name für sie." Und da haben wir sie halt auf Fanny getauft, und das ist ja quasi als Spitzname eigentlich geblieben. Und man muss nicht immer Venus sagen, weil Venus ist es ja nicht, ja. Also Venus am allerwenigsten. Nicht jede Frau ist eine Venus, das wissen Sie ja sicherlich auch.-Jahrtausende liegen Knochenscherben oder Kohlereste urzeitlicher Feuerstellen unter der Erde, bis sie von Forscherinnen wie Neugebauer-Maresch vorsichtig gehoben und ebenso vorsichtig interpretiert werden.-Das Schöne am Beruf ist, man weiß nicht, was der Abend bringt, ja. Sie stehen jeden Tag auf, und ja, so wie es hier am Galgenberg in Krems
passiert ist in Stratzing:Wer hätte am Freitagmorgen gedacht, dass wir am Abend eine Weltsensation in der Hand haben, ja? Also es kann sehr schnell gehen. Wobei es ja falsch ist, wenn man die Archäologen nur an den Funden misst. Die Bedeutung kommt oft erst bei der wissenschaftlichen Aufarbeitung heraus. Und das ist eigentlich der schöne Weg, wenn man eine eigene Ausgrabung dann auch selber publizieren kann und diese ganzen Stadien der Erkenntnis durchschreiten kann.-Was hat Sie ursprünglich zur Archäologie geführt, und was interessiert Sie persönlich an der Urzeit?-Also einer der Hintergründe war schon für mich ein Thema, die Kult und Religion betreffen, weil es mich
einfach interessiert:Wie ist etwas entstanden? Weil unsere 2.000 Jahre Christentum sind ja nichts, ja. Wie ist das Ganze entstanden, wie hat sich das entwickelt? Und das geht natürlich einher mit Rekonstruktionsversuchen des sozialen Lebens, also wie sind die gesellschaftlichen Verhältnisse? Das ist schon etwas, was sehr schwerpunktsmäßig mich interessiert. Natürlich auch Genderforschung, das ist ganz klar. Das ist aber erst im Lauf der Zeit so richtig modern geworden und dazugekommen. Schwierig ist natürlich, aus archäologischen Funden solche Dinge zu rekonstruieren. Und unser Hauptproblem ist eigentlich, dass sehr viel, sagen wir mal, auf den Markt geworfen wird an Äußerungen, die man nicht widerlegen kann, aber auch nicht beweisen kann. Zum Beispiel ist es heute sehr modern geworden, von Schamanismus zu reden. Bis zu in die 80er Jahre war das fast ein Tabu in der Archäologie, und jetzt ist jeder besondere Fund Hinweis auf Schamanismus, ja. Schamanismus nachzuweisen ist extrem schwierig. Weil was ist es denn? Es ist nicht jeder Heilkundige ein Schamane, ja. Es ist nur einer, der über transzendentes Leben, also in andere Wirklichkeiten reist und dort seine Informationen erhält. Natürlich kann er auch heilen, ja, aber die Informationen und das erhält er nur eben auf diesem Weg. Und wie soll ich das nachweisen? Wir haben bei einem neolithischen Grab, zum Beispiel in Friebritz, lauter Tonkügelchen in einem Grab gehabt, die wahrscheinlich Bestandteile einer organischen Rassel waren. Und der Mann hat auch sonst noch sehr eigentümliche Geräte, die davon zeugen, dass er Kräuter zerrieben haben dürfte und dergleichen. Und da hat man dann eher den Zusammenhang mit der Rassel. Hätte er sich in Trance versetzen können und wäre vielleicht wirklich ein Schamane gewesen, ja. Aber das zu beweisen, ist natürlich sehr schwer, aber man hat immerhin einen Hinweis darauf. Und umso wichtiger ist in der Wissenschaft auch, wenn ich etwas publiziere, zu schreiben: Das ist jetzt ein Faktum, das ist eine Beschreibung dessen, was ich wahrgenommen habe, und das ist eine Interpretation. Das sehe ich als Möglichkeit an, ich halte es für wahrscheinlich oder auch nur vielleicht. Das muss einfach klar herauskommen. Und das wird leider heute oft auch ein bisschen verschwommen dargestellt.-Vor circa 40.000 Jahren tauchten die ersten Menschen in Mitteleuropa auf. Wahrscheinlich, so Dr. Neugebauer-Maresch, sind sie aus südöstlicher Richtung gekommen und der Donau flussaufwärts gefolgt.-Sie waren nur die ersten von wer weiß wie vielen, die in den kommenden Jahrtausenden auf derselben Route zwangsläufig auch durch den Wiener Raum gezogen sind beziehungsweise hier eine neue Heimat gefunden haben.-Es ist anzunehmen, dass die Donau-Route schon in der Altsteinzeit ganz, ganz wesentlich war. Und dann ist es auch anzunehmen, dass diese Region eben Priorität in der Besiedlung hatte, weil wir wissen ja nicht, wie viele Leute da tatsächlich gewohnt haben. Vielleicht hat es eine Zeit gegeben, wo fast niemand da war, ja. Das ist einfach ein derartig riesiger Zeitraum, aber ausgestorben sind wir nie.-Stadt. Land. Strom. Doppelfolge: Die
ersten Wienerinnen. Teil 1:Mammutschmalz und Rentierflöte.-Man muss davon ausgehen, dass der Raum Wien generell immer ein Hotspot war, ein schwerpunktsmäßiger Siedlungsraum seit der Altsteinzeit. Aber Siedlung in der Altsteinzeit bedeutet nicht Dorf, sondern bedeutet Zeltlager und immer wieder aufsuchen.-Was machte den Wiener Raum interessant für diese ersten, längst noch nicht sesshaften, jagenden und sammelnden Pioniere? Und welche Landschaft hat sie hier erwartet?-Ja, was für eine Landschaft ist vielleicht einmal das Erste, was man sich vorstellen muss: Vielleicht gehen Sie mit mir gedanklich auf den Leopoldsberg, Kahlenberg rauf und schauen auf Wien runter. Versuchen Sie sich einmal, die ganzen Häuser wegzudenken und was für eine hügelige Landschaft da herauskommt, ja. Und die Randklippenzone am Südrand und der Wienerwald im Norden und dann die Donau. Aber nicht jetzt ein regulierter Fluss, sondern ein stark mäandrierendes Gewässer mit Auwald trotz Eiszeiten, ja. Durchaus Auwald, aber doch im Wesentlichen eine relativ offene Landschaft, Steppenlandschaft im Freien. Geologischer Untergrund ist auch wichtig, und zwar für die Einbettung von Funden. Wir befinden uns in der Eiszeit. In der Eiszeit wird Staub angeweht von den Geröllschottern, auch von den Moränenfüßen und dergleichen. Das ist der sogenannte Löss. Und dieser Löss deckt die Oberfläche zu. Er wird angeweht und lagert sich an den Windschattenseiten ab beziehungsweise er wird auch wieder abgetragen, ja. Also das ist nicht nur ein kontinuierliches Aufeinandersetzen. Und man kann von einer Mächtigkeit einer Lössüberlagerung nicht darauf schließen, ob das jetzt ein langer Zeitraum war oder ein kurzer, das geht nicht. Aber wir finden immer wieder dazwischen kleine Bänderungen, vielleicht mit Holzkohle und eben auch dann unter Umständen mit Tierknochen oder sogar Feuersteingeräten, ja. Und das sind dann die Nachweise, dass hier gelebt wurde, dass hier vielleicht ein Siedlungsplatz war sogar und auch gejagt wurde. Die Landschaft bevölkert wurde sie von Mammuts, aber sicher nicht so häufig.
Aber wichtig:Rentiere und Wildpferde. Das ist eigentlich für den eiszeitlichen Jäger das Hauptjagdwild, was nicht heißt, dass er nicht auch Mammuts gejagt hat, aber das war wahrscheinlich eine eigene Sache, ja. Und sicher keine Soloaktion. Man hat Berechnungen gemacht in Sibirien bei Permafrostgebieten und das versucht, auf Deutschland zu übertragen, dass auf einen Quadratkilometer ungefähr ein Mammut gekommen wäre. Natürlich müssen wir sagen, in günstigeren Gebieten wird das eine Unterzahl sein, aber es ist so eine Durchschnittsgröße. Jetzt müssen wir überlegen, dass diese Mammuts nicht alleine gelebt haben, sondern in einer Herde. Das heißt, so eine Herde ist eigentlich auch von der Ferne recht gut sichtbar, ja. Also wenn ich mich leicht auf eine Anhöhe begebe und hinunterschaue zu den Wasserstellen, also das sieht man schon. Und was dazukommt: Ich habe keine Wege. Flussläufe sind ja die einzigen Wege eigentlich. Oder, und das überlegt man auch, man weiß das eben von den Elefanten im Urwald, die machen ja richtige Straßen, ja. Und die werden immer wieder auch dieselben Wege gehen. Das heißt, es existieren eigentlich vielleicht von den Mammuts auch eigene Pfade und Wege, an denen man sich orientieren kann. Und der eiszeitliche Jäger oder die Jägerinnen vielleicht auch, ja, das ist ja auch so ein heißes Diskussionsthema. Ich persönlich bin der Meinung, jeder wird das getan haben, wofür er besonders gut geeignet ist. Die sind wahrscheinlich donauaufwärts gekommen und haben sich überall an guten Stellen niedergelassen, vorübergehend, oder haben dort immer ihre Standpunkte errichtet. Und das ist mit Sicherheit auch im Bereich Wiens gewesen. Das ist mit Sicherheit auch im Raum Krems gewesen. Warum? Wenn Sie die flache Landschaft haben, zum Beispiel das Marchfeld oder so, wie orientieren Sie sich da, ja? Da haben Sie den Leopoldsberg, Kahlenberg, Bisamberg, die Wiener Pforte, ja, so wie in Krems hier den Ausgang der Wachau. Ja, das sind markante Gebirgszüge. Oder Dolní Věstonice, die Bollauer Berge. Das sind so Dinge, die Crop-Marks sind, ja, die eindeutig sind. Und das sind auch die, wo dann in der entwickelten jüngeren Altsteinzeit Saisonlager entstehen, wo dann mehrere Gruppen aufeinandertreffen, sich wiedertreffen und dann wieder als Einzelgruppen durch ihre bestimmten Areale ziehen. Eine Sache, die auch immer wieder falsch gesehen wird, ist, dass man sagt: Die waren arm, die haben keine festen Wohnsitze gehabt, die mussten immer weiterziehen. Das ist eine falsche Mentalität. Man kennt das auch von den Inuit, ja. Wenn jemand in dieses Leben hineingeboren wird, dann will er auch sehen: Wo ist es dort? Ziehen dort noch die Fische vorbei? Ist dort noch die Rentierherde vorhanden, ja? Ziehen die dort durch? Das ist so ein, ja, eine Art Kontrollmechanismus, der auch da innewohnt und nicht nur ein Ich-muss, ja. Und er hat sicherlich sehr gut gewusst, wann er aus einem Revier wieder weiterziehen muss, um die Ressourcen nicht zu stark zu erschöpfen. Also das ist dieses Leben mit der Natur, was wir heute eigentlich weitgehend vergessen haben. Die Ethnologie selber sagt ja eigentlich sogar, dass bei vielen Völkern gibt es den Begriff der Natur gar nicht. Man ist Natur, ja. Wir haben uns mit der Großstadt eigentlich ziemlich davon abgekappt. Und wenn man dann herauskommt in die Natur und misst, das ist mein persönliches Schicksal, ja, auch abgekappt in der Großstadt, groß geworden und dann hinaus in die Natur, man nimmt das alles dann ganz anders wahr und ist dankbar dafür, wenn der Frühling kommt, alles wieder zu wuchern beginnt, die Tiere wieder zwitschern und der ganze Kreislauf wieder von neuem beginnt. Und der Kreislauf, das ist dann etwas, wo wir wieder ins Religiöse zurückkommen und auch auf die sogenannten Venusfiguren, die immer als Fruchtbarkeitssymbole angesprochen werden, die in diese Zeit hineingehören, ja, in diese 24.000 etwa vor Christus und über ganz Europa bis nach Eurasien verbreitet sind in verschiedensten Formen. Die zeigen, weil sie verschiedene Altersgruppen darstellen, aber vorwiegend auch ältere Personen offensichtlich wiedergeben, die mehrfache Geburten hinter sich haben, wie die Venus von Willendorf oder so anzunehmen ist, eigentlich einen Kreislauf von Leben, Sterben und Geburt, ja. Und wir können annehmen, dass eine Geburt eines Kindes sicherlich ein ganz massiv aufregendes und einschneidendes Erlebnis in so einer kleinen Gesellschaft ist. Das Kind ist ungeheuer wichtig, sind die wichtigsten Teile einer Jägergruppe, die ja für das Weiterleben sorgen sollen. Die Jägergruppe hat mit Sicherheit auch für ein Gleichgewicht zu sorgen. Das heißt, es können nicht zu viele werden, sonst muss ich die Gruppe aufteilen, aber auch nicht zu wenige, sonst geht gar nichts mehr. Weil wenn ich eine Gruppe von 30 Leuten habe, dann habe ich vielleicht drei oder vier Männer dabei, die kontinuierlich sich vielleicht um die Jagd sorgen. Ich habe genauso viele Frauen, der Rest sind also Kinder. Und das ist dann schon eine Sache, die solche Geburten also ganz massiv in den Fokus rücken. Und in diesen Zusammenhang oder in diesen Rhythmus hinein darf man die Figur nicht nur als Fruchtbarkeitssymbol sehen, sondern weil wir unter Fruchtbarkeit was anderes verstehen, sondern die Fruchtbarkeit bedeutet quasi das Geborenwerden genauso wie das Sterben und das Leben dazwischen. -Kontinuität.-Kontinuität, ja.-Stadt. Land. Strom. Die ersten Wienerinnen. Mammutschmalz und Rentierflöte.-Zwischen Donau und Wienerwald lässt es sich gut leben. Das wussten schon jene Steinzeitmenschen, die den Wiener Raum vor Tausenden von Jahren und noch mitten in der Eiszeit auf der Suche nach Nahrung und Lebensraum durchstreiften. Jagdbeute muss es jedenfalls genug gegeben haben, denn zumindest ab und an konnten es sich die Clans leisten, gemeinsam große Feste zu feiern.-Wir können ruhig von Clans reden. Es ist sehr schwer. Über den Daumen gebeilt würde man sagen, plus minus 30 Personen, dass so eine Gruppe haben könnte. Es könnte geringfügig drunter sein, auch drüber. Aber das ist so eine ethnologische Parallele auch, dass das eine Gruppengröße ist. Die verschiedenen eng miteinander verwandten Clans, die sich dann einmal im Jahr oder zweimal im Jahr in den sogenannten Saisonlagerstätten, in den Großlagern treffen, da kommt dann schon einiges zusammen. Selbst wenn Sie nur 30 Personen für eine Gruppe rechnen, da waren dann sicherlich eine ganze Menge von vier, fünf Gruppen vielleicht, die zusammengekommen sind. Und das ist dann schon eine Frage, dass genug zum Essen da ist, dass man genug versorgt werden kann, aber auch die Chance, sich eben auf die Jagd nach Größerem zu begeben, ja, weil noch mehr da sind und die organisiert untereinander was tun können.-Das größte Tier, dem die Menschen jener Zeit im Wiener Raum nachstellten, war das gewaltige Mammut. Der Begriff tauchte erstmals 1704 in den Schriften des holländischen Kaufmanns Eberhard Isbrand Idis auf, damals Gesandter am Hof Zars Peter des Großen. Das Wort Mammut scheint eine sibirische Sprachherkunft zu haben und bedeutet so viel wie Erdentier beziehungsweise Tier, dessen Überreste in der Erde zu finden sind.
-Übrigens:In Sibirien wird Mammutelfenbein schon seit dem 4. Jahrhundert vor Christus im größeren Stil aus dem Permafrost gehoben und in alle Welt verkauft. Allein in den letzten 200 Jahren geschätzte 40.000 Stoßzähne.-Das Wolhaarmammut war in ganz Eurasien verbreitet. Fünf bis acht Tonnen schwer waren die Tiere kompakter und massiger als heutige Elefanten.-Rötlich-braune, zottige Haare bedeckten seinen gesamten Körper. Das etwa 90 Zentimeter lange Fell war eine natürliche Decke, die in der Eiszeitsteppe einen guten Wärmeschutz bot, vor allem, wenn sich die Tiere für einen kurzen Schlaf auf Eis und Schnee hinlegten.-Überhaupt war das Mammut bestens für die Eiszeit gerüstet und konnte Temperaturen bis zu minus 50 Grad Celsius locker überleben. Unter den langen Haaren hatte es einen dichten Unterpelz aus kurzen Wollhaaren, dann eine drei Zentimeter dicke Lederhaut und darunter eine zehn Zentimeter dicke Fettschicht.-Und wenn die Zeiten ganz schlecht waren und die eiszeitliche Steppe nicht genug Nahrung bot, konnte das Tier von einem Fetthöcker am Rücken zehren, ähnlich dem Höcker eines Kamels.-Für die Menschen der Altsteinzeit waren Wolhaarmammuts begehrte, weil vielfältig nutzbare Beutetiere. Das Fleisch, Fett und Knochenmark der Riesen war hochwertige Nahrung. Das dicke Fell konnte zu Kleidung oder Zeltplanen verarbeitet werden.-Und aus den Knochen und Stoßzähnen stellte man Werkzeuge, Schmuck und Jagdwaffen her. Einen Hinweis darauf geben etwa die Funde von Steinwerkzeugen und Teilen eines Mammutstoßzahns in der Titelgasse im 13. Wiener Gemeindebezirk. Mammutstoßzähne können über vier Meter lang und mehr als 80 Kilogramm schwer sein. Stellt sich die Frage, wie die eiszeitlichen Jägerinnen und Jäger Wiens vor 30 oder gar 40.000 Jahren diese in Herden lebenden Giganten der Steppe zur Strecke gebracht haben.-Ja, also sicher nicht so, wie dargestellt im Film»10.000 BC«, nämlich erstens, dass man einen Leitbullen, also es gibt eigentlich nur eine Leitbullin, dass man den sich vorknöpft. Das geht natürlich nicht, sondern es ist vielfach nachgewiesen, dass jüngere beziehungsweise Weibchen, die vielleicht kleiner waren oder sich in irgendeiner Form isoliert haben oder verletzt waren, primär vielleicht gejagt hat. Und ja, es gibt auch Theorien von Fallen. Es gibt in einer Höhle eine Darstellung von einer solchen vermeintlichen Falle. Und es gibt die Theorie, dass Mammuts gar nicht gejagt worden sind. Aber die hat man mittlerweile schon wieder fallen lassen, weil es tatsächlich Speerspitzen in den Mammutknochen gibt, ja. Also es gibt schon eindeutig den Nachweis, den Zusammenhang zwischen Jagdwaffen der Altsteinzeit und den Mammutknochen, ja. Also das ist schon Realität. Die Zerlegung selber, auch die verlangt sehr gute Organisation, ja. Wie Sie schon richtig gesagt haben, also das dicke Fell, das man super brauchen kann für Zelte und so, und dann die Fettschicht und die riesigen Knochen. Die Knochen kann man auskochen. Das Mark, was da drinnen ist, ist ja ungeheuer wertvoll in der Ernährung. Und letzten Endes kann ich dann die Knochenreste so wie Brennholz, das ja vielleicht in manchen Zeiten nicht so zahlreich war, kann ich das auch zum Verbrennen nehmen. Geruchsbelästigung wollen wir mal weglassen, aber es ist mit Sicherheit, es brennt nichts schlecht, es ist angeblich sogar gegen Feuchtigkeit beständiger als ein Holzkohlenfeuer. Verwenden tu ich alles. Die Sehnen, aus denen kann ich entsprechende Bindemittel erzeugen. Ich kann die Felle eben für die Bedeckungen von Dächern verwenden. Und aus den Knochen und vor allem aus dem Elfenbein kann ich natürlich alles Mögliche schnitzen, ja.-Gejagt haben die Menschen der Altsteinzeit im Wiener Raum natürlich nicht nur Mammuts, wie etliche Knochenfunde zeigen.-Na ja, vom Fleischmaterial her Wildpferde und Rentiere. Das ist ja wirklich das, was am häufigsten vorkommt. Und auch da kann ich das Mark aus den Knochen kochen. Günstig ist natürlich die Herbstjagd, wenn die Tiere sehr viel Fleisch angesetzt haben für den Winter. Das sind dann reichhaltige, fettreiche Nahrungsstücke. Aber das muss man dann halt auch entsprechend konservieren, ja. Es wird ja für die Altsteinzeit keine Vorratshaltung vorausgesetzt, aber sie werden sich zu helfen gewusst haben, also mit Trocknen oder Dörren und so. Da gibt es schon Hinweise darauf, dass das gemacht wurde. Die sonstigen Kleintiere, Hase oder, also da gibt es ja noch eine ganze Menge, auch der Vielfraß zum Beispiel, ist immer wieder als Knochenmaterial existent und vereinzelt dann sogar Moschusochse oder Saigaantilope. Also Tiere, die bei uns heute gar nicht mehr leben und die damals hier trotzdem die Gegend bevölkerten. Auch den Steinbock hat es gegeben hier, der jetzt nur mehr weiter westlich in Österreich vorhanden ist. Also alle Tiere, die auch kälteliebend sind und die heute eben nicht mehr bei uns leben, die sind durchaus nachgewiesen und existent unter den Ausgrabungsmaterialien oder auch Zufallsfunden. Das betrifft ja Wien, ja. Wien hat ja seit dem Mittelalter schon laufend Mammutfunde, natürlich, ja, in den Lössauflagerungen oder auch in den Schottern, in den Flussschottern mitgetragen. Die müssen nicht einmal aus Wien kommen dann, sondern die können genauso gut weiterhertransportiert worden sein. Die finden sich und sind halt dann, was wir sagen, unstratifiziert. Das heißt,
der Archäologe sagt:»Ah ja, freut sich, dass was gefunden wurde, aber man kann im Prinzip nicht allzu viel damit anfangen, ja.«-Stadt. Land. Strom.-In der U-Bahn-Station Volkstheater ist seit 2023 ein 73 Zentimeter langes Stück eines Mammutstoßzahns ausgestellt. Er wurde bei Grabungsarbeiten für das U-Bahn-Projekt U2/U5 in 13 Metern Tiefe hinter der Universität Wien in der Liebiggasse gefunden. Ein Zufallsfund, aber durchaus kein Einzelfall. Seit jeher tauchen in den Löss- und Schotterschichten Wiens Relikte der Urzeit auf. Insbesondere bei Großbaustellen ist das seit Jahrhunderten der Fall.-Zum Beispiel 1443 bei der Errichtung des Stephansdoms. Als man das Fundament für den sagenumwobenen, bis heute unvollendet gebliebenen Nordturm aushebt, findet man gigantische und darum äußerst rätselhafte Knochen. Von wem konnten die sein?-1546 werden die mysteriösen Relikte in der Wienerischen Chronika von Wolfgang Latius erwähnt. Er berichtet, dass man die Gebeine der biblischen Riesen Gog und Magog in der Erde Wiens gefunden habe.-Eine Sensation, wenn man bedenkt, dass Gog und Magog in der Offenbarung des Johannes als endzeitliche Bedrohung und Verbündete des Teufels gelten.-Aber zurück zum Stephansdom. Dessen romanisches Portal führt seit alter Zeit den Namen Riesentor. Und das, obwohl es nicht das größte Tor des Domes ist.-Die Bezeichnung geht auf einen sehr großen Knochen zurück, der einst an diesem Tor befestigt war und heute leider verschollen ist. Und so können wir nur vermuten, dass es sich dabei um einen der Mammut- beziehungsweise Riesenknochen handelte, die man 1443 an Ort und Stelle gefunden hatte.-Aus derselben Baugrube stammt wahrscheinlich auch ein bemerkenswertes Relikt, das sich in der Sammlung des Geologischen Instituts der Universität Wien findet. Ein Oberschenkelknochen eines Mammuts. Auf der einen Seite ist groß die Jahreszahl 1443 aufgemalt und auf der anderen der Wahlspruch Friedrichs des Dritten: »AEIOU«.-Über die Jahrhunderte hinweg wurden in Wien immer wieder Funde aus der Urgeschichte gemacht. Wissenschaftlich umfassend aufgearbeitet wurden sie jedoch erst ab 2015. Die Stadt Wien beauftragte damals Christine Neugebauer-Maresch und ihr Team unter anderem damit, ältere Fundbestände erneut zu untersuchen. Der Name des
Forschungsprojektes lautete:»Gog und Magog«. Das spektakulärste Ergebnis dieser Untersuchungen war der erste eindeutige Nachweis für die Anwesenheit des Menschen auf dem Gebiet der heutigen Stadt Wien im frühen Jungpaläolithikum.-Und das war damals dann die Idee, wie die Stadt Wien also Förderungen für Forschungsprojekte angeboten hat, zum ersten Mal, dass man doch Gog und Magog auf die Spur gehen und dass man schaut, was gibt es denn eigentlich wirklich in Wien alles. Und dann hat sich im Zuge dieser Arbeiten eine unglaubliche Menge an diesen altsteinzeitlichen in Schubladen verstauten Funden gezeigt. Nicht unbedingt Steingeräte, das leider nicht, aber Tierknochen. Und warum Tierknochen? Was mache ich jetzt mit den Tierknochen, wenn ich schon gesagt habe, sie sind nicht befundet, sie sind noch irgendwoher? Es gibt ein einziges Merkmal, das wichtig ist, und das sind Untersuchungen, ob Schnittspuren drauf sind. Weil Schnittspuren, wenn sie eindeutiger Schnittspuren zu identifizieren sind, die noch dazu an einer logischen Stelle sitzen, wo ich mit der Zerlegung und der Enträutung rechnen kann, dann sind die vom Menschen. Damit habe ich indirekt über diese Schnittspuren den Nachweis, dass der Mensch da gewesen sein muss. Und das ist tatsächlich für zwei Stücke, aber vor allem für ein Stück gelungen. Und das haben wir damals C14 datieren lassen, also Radiokarbondatierung machen lassen. Und da kommen ungefähr 38.000 Jahre dafür heraus. Und das war schon ein bisschen eine Überraschung, weil die meisten Funde, die wir in Österreich haben, sind eben aus der Zeit, sagen wir mal, um 34.000 bis 20.000, also 23.000 vor Christus. Also das war eine Überraschung und dennoch nicht wirklich, weil es war klar, es muss was da sein. Es war nur eine Frage eben, wie alt sind die Sachen auch. Und das ist sicher nur ein Einzelfall. Ich bin überzeugt davon, dass sich die Funde über mehrere Jahrtausende verteilen und nicht nur ins frühe Jungpaläolithikum gehören, aber umso wichtiger wäre es halt damals, auch mehr dazu zu finden. Aber das ist halt fast nicht möglich. Wir haben eine Kumulation von Mammutfunden, zum Beispiel in Nussdorf entlang Heiligenstadt und so, wo diese vielen alten Lehmentnahmegruben waren, also große Bodenveränderungen stattgefunden haben, wo man tief in den Berg hinein ist. Dadurch sind natürlich die Funde dort zuteile gekommen. Andererseits ist es auch eine logische Stelle, dass dort mehr zu finden ist. Die einzigen Artefakte, die wir eben hatten, die, ich glaube, in den 40er Jahren herausgekommen sind, waren aus Hietzing in der Titelgasse. Das sind real Mammutknochen, ich glaube, ein Stoßzahnstück und mehrere Artefakte herausgekommen, die eindeutig jungpaläolithischen Charakter haben, also sagen wir irgendwo zwischen 20.000 und 40.000 zu datieren sind. Das war der einzige Hinweis, aber auch da haben ja keine größeren Forschungen stattgefunden. Und heute ist fast alles verbaut von interessanten Revieren, also praktisch nirgendwo, dass man drankommt. Und das ist halt immer die Schwierigkeit in der Stadtarcheologie, dass dann punktuell irgendwo vielleicht einmal etwas möglich ist und man keinen großen Überblick mehr gewinnt und dass man aus lauter kleinen Puzzelsteinen sich das Bild zusammensuchen muss. Happy? Du, das geht nicht. Es geht nicht, wir können nicht arbeiten, wenn du so laut bist. Ja, komm her. Hoppla, hopp. So, geht schon.
-Apropos Hund:Könnten unsere ersten Wiener*innen auch schon mit Hunden unterwegs gewesen sein?-Die Domestikation des Hundes, ja, ist eine Sache, die die Genforschung mittlerweile auf etwa 30.000 vor heute zurückdatiert, die ältesten Funde. Aber es ist wahrscheinlich so, dass es nicht kontinuierlich seit damals war, ja, sondern es ist einfach so, es hat sich manchmal ergeben und dann wieder nicht. Wenn es wieder längere Zeit nichts, dann woanders. Das sind überhaupt Punkte, die wir in der Archäologie auch immer viel zu stur denken, dass etwas linear verfolgen muss. Die heutige moderne Forschung sagt, nicht Linearität ist es, sondern die Verschiedenheit der ganzen Dinge, dass es an verschiedenen Punkten unterschiedlich in der Entwicklung verlaufen kann. Egal, ob das jetzt die Domestikation des Hundes ist oder die politischen Formen der Gesellschaft, ob jetzt der Mann oder die Frau mehr zu reden hat oder beide gleich viel, ja, das sind Dinge, die wahnsinnig schwer nachweisbar sind.-Gut nachweisbar dagegen ist dank moderner DNA-Analyse, welche Hautfarbe die ersten Jägerinnen und Jäger Wiens hatten.-Nun, was die Leute heute vielleicht am meisten überraschen würde, was sich aber mittlerweile schon recht rumgesprochen hat, ist, dass die Leute damals dunkelhäutig waren. Sie kamen ja aus Afrika und das hat längere Zeit gedauert. Und erst mit der Neolithisierung eigentlich ist dann die hat sich diese Hautfarbe eben verändert beziehungsweise ist von den anatolischen Genen her verändert worden, ja. Also das ist vielleicht der überraschendste Effekt der letzten Jahrzehnte und der Genforschung gewesen. Darum, das ist wieder das, wo wir an den Anfang meiner Ausführungen zurückkommen, das Spannende, man weiß nicht, was der Abend bringt, ja. Jeder neue Fund kann uns wirklich eine große Erkenntnis bringen und eine neue Sache bringen. Und das ist das Spannende daran.-Spannend geht es auch im zweiten Teil unserer Doppelfolge zur Besiedelungsgeschichte Wiens weiter. Der angesprochene Zuzug aus Anatolien wird tiefgreifende Veränderungen mit sich bringen.-Vor etwa 12.000 Jahren starben die Mammuts in Österreich aus. Die Gründe dafür waren lange Zeit unklar. Neueste Forschungen zeigen, dass die großen Säugetiere am Ende der letzten Kaltzeit einem Klimawandel zum Opfer fallen. Ihr steppenartiger Lebensraum wird innerhalb kurzer Zeit wärmer und feuchter. Es kommt zu einem Rückgang der Kräuter und Gräser, von denen sie sich ernähren. Die Mammuts können sich an die neuen Umweltbedingungen nicht anpassen und sterben schließlich aus.-Die Gletscher, die Europa so lange geprägt hatten, ziehen sich mehr und mehr zurück, was zu einer völligen Veränderung der Umwelt führt. Waldbäume, die in der Eiszeit in den Süden verdrängt worden waren, wandern wieder ein. Steppe wird zu Wald.-Und auch die Tierwelt ändert sich mit dem Klimawandel. Mammut, Wollnashorn, Riesenhirsch, Säbelzahnkatze, Höhlenbär und Höhlenlöwe sterben aus. Kälteliebende Arten wie Steinbock oder Rentier weichen in den Norden aus und wärmeliebende rücken aus dem Süden nach.-Anhand geborgener Tierknochen lässt sich die Jagdbeute der Menschen dieser Zeit rekonstruieren. Man verspeiste Bär, Bison, Wolf, Sumpfschildkröte, Wildkatze, Marder, Biber, Fischotter, Rothirsch, Wildschwein und Fisch.-Noch sind die Menschen in Mitteleuropa nicht sesshaft. Das ändert sich, als völlig neue Ideen, Fertigkeiten, Werkzeuge und Nutztiere aus Anatolien einwandern. Von diesen ersten Bauern und Bäuerinnen im Raum Wien sind etliche spannende Spuren zu finden. Sie haben hier protoindustriellen Bergbaubetrieben, imposante Langhäuser und Backöfen gebaut, Rinder und Pferde gezüchtet und riesige Handelsnetze entwickelt.-Frau Dr. Neugebauer-Maresch wird uns die ersten sesshaften Wienerinnen und Wiener in der nächsten Folge »Stadt, Land, Strom« näherbringen.-Und wir freuen uns schon sehr darauf.-Für heute vielen Dank fürs Zuhören. -Bis bald.-Stadt, Land, Strom. Streifzüge durch Wiens Kulturlandschaften. Mit den beiden Natur- und Landschaftsvermittlern Andreas Schindler und Karl Schmoll. Umweltgeschichte und Stadtökologie einer Metropole. Das war ein Stadt Wien Podcast.
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