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Stadt | Land | Strom: „Geschichten aus den Wiener Wäldern (2) – Klaubholzscheine und Klimastress“ (Folge 5)

Stadt Wien

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Bis in die 1950er Jahre gab es immer wieder Ideen, Teile des Wienerwaldes zu roden, um neuen Siedlungsraum für die Stadterweiterung zu schaffen.  Im 2. Teil unserer Doppelfolge zu den Wiener Wäldern geht es um deren Entwicklung im 20. und 21. Jahrhundert. Wir machen mit unserem Experten DI Alexander Mrkvicka auch einen Ausblick in die Zukunft: Mit welchen Strategien wollen die Wiener Forstbetriebe auf die zahlreichen Herausforderungen, die durch den Klimawandel entstehen, reagieren – und wieso ist gezieltes Nichtstun manchmal die bessere Lösung?

 

(Experte: DI Alexander Mrkvicka, u.a. MA 49 Klima-, Forst- und Landwirtschaftsbetrieb der Stadt Wien, Bereich 3 Naturraum)

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-Doppelfolge:

Geschichten aus den Wiener Wäldern,

Teil 2:

Klaupholzscheine und Klimastress.-Ich wünsche mir nur, dass, wenn der Wienerwald, was nicht unmöglich ist, wieder einmal von Spekulanten bedroht werden sollte, sich zur rechten Zeit ein Mann finde, der denselben mit Erfolg verteidigt. Ein Zitat von Josef Schöffel, dem K&K-Offizier, Geologen, Journalisten und späteren Politiker: Ihm gelang in den 1870er Jahren die erste Naturschutzkampagne Österreichs. Heute ist er als Retter des Wienerwalds bekannt. Hallo Andreas. -Servus Karl. Denken wir uns noch mal kurz zurück ans Ende unserer letzten Folge. Wir sind in den 1870er Jahren. Österreich hat eben den Krieg gegen Preußen verloren, das Kaiserhaus ist bankrott und auf der dringenden Suche nach Geld. Das K&K-Finanzministerium wird beauftragt, das katastrophale Budgetloch mithilfe von Privatisierungen zu stopfen. Unter anderem sollen große Teile des Wienerwaldes verkauft und zur Totalrodung freigegeben werden.-Die Staatskasse ist zwar leer, aber noch boomt die Wirtschaft und vor allem das Wiener Bauwesen. Ein Käufer für das begehrte Holz aus dem Wienerwald ist schnell gefunden. Schöffel, damals Mödlinger Bürgermeister, erkennt sofort, welch riesiger Verlust droht.-Also stellt sich der Natur- und Menschenfreund mutig gegen die Obrigkeit und beginnt einen hartnäckigen, publizistischen Kampf, um den Wienerwald zu schützen. In diversen Artikeln, vor allem im Wiener Tagblatt, informiert und mobilisiert er die Bevölkerung, was bei einigen Profiteuren der geplanten Rodungen gar nicht gut ankommt. -Um ihn zu stoppen, wird Schöffel sogar Schweigegeld angeboten, angeblich 50.000 Golden. Heute wären das mehrere 100.000 Euro. -Weil er aber ablehnt, geht bald das Gerücht um, dass ein Schütze der Schöffel irrtümlich bei der Jagd treffe, mit keinen Konsequenzen zu rechnen habe. Daraufhin nimmt Schöffel an keiner Jagd mehr teil. 1872, nach zwei Jahren Kampf, muss die Obrigkeit auf öffentlichen Druck das Vorhaben endlich ad acta legen.-Und nur ein Jahr später, am 9. Mai 1873, kommt es am Schwarzen Freitag zu einem abrupten Zusammenbruch des zuvor rasant gewachsenen Wiener Aktienmarktes. Erstmals in der Geschichte ist von einem Börsenkrach die Rede.-Der Finanzcrash von 1873 beendet die fieberhafte Baukonjunktur in der Stadt und damit fürs Erste auch die Begehrlichkeiten nach dem Holz des Wienerwaldes.-Die Biografie Josef Schöffels zeichnet ein sehr abwechslungsreiches Leben, in dem er sich immer wieder für die Verbesserung der Lebenssituation für Sozialschwache eingesetzt hat. Als Lokalpolitiker in Mödling hat er zum Beispiel ein Waisenhaus gegründet, die Verpflegungssituation von Handwerksburschen verbessert und eben den Wienerwald gerettet.-1910 ist Josef Schöffel in Mödling schließlich vereinsamt verstorben. Es hat noch einige Zeit gedauert, bis er die verdiente Würdigung für sein Lebenswerk erfahren hat. Heute gibt es die Schöffelstadt in Mödling. Mehrere Denkmäler und zahlreiche Straßen, Plätze und Parks in Wien und in Wienerwaldgemeinden sind nach ihm benannt.-Und das Land Niederösterreich zeichnet jedes Jahr hervorragende Verdienste um den Schutz der heimischen Natur mit dem Josef-Schöffel-Förderungspreis aus. Einer, der diesen Preis 2005 erhalten hat, nämlich für sein Wirken mit dem Verein "Freunde der Berchtholzdorfer Heide", ist unser Experte, Diplomingenieur Alexander Mrkwitzka. Er ist beim Wiener Forstbetrieb MA 49 unter anderem für Naturschutz und Schutzgebietsmanagement verantwortlich. Und er wird uns auch bei unserer heutigen Expedition wieder begleiten, worüber wir sehr froh sind.-Denn wie kein anderer kennt er die Geschichte und Geschichten des Wienerwaldes beziehungsweise der Wienerwälder. Ideen und Pläne, im Wienerwald großflächig zu roden, gab es auch nach Schöffel. Bis zum Ende der Monarchie brauchte man neuen Wohnraum für die vielen Einwanderer aus den Kronländern. Und auch später, im und nach dem Zweiten Weltkrieg, hat man überlegt, Infrastruktur in den heutigen Wienerwald zu bauen. Größere Freiflächen für diese Vorhaben waren durch Kahlschläge schon vorhanden.

-Und dann waren schon Ideen da:

Ja, wenn die Bäume schon weg sind, könnte man doch zu gleichen Teilbereichen auch was anderes machen, Siedlungen bauen, Friedhöfe anlegen. Das hat sich bis eigentlich in die 1950er Jahre gezogen, diese anderen Ideen. Also, da war dann noch mal so ein Hype,

würde man heute sagen, in Richtung:

Na ja, jetzt haben wir schon nach dem Krieg Bäume gefällt, jetzt gibt es da Bereiche, wo keine Bäume stehen. Ja, da könnte man einen Waldfriedhof machen, da könnte man irgendeine noble Siedlung auf einem Hügel machen mit Blick über Wien und so weiter. Ist aber dann eigentlich deswegen nicht mehr verwirklicht worden, weil ja Großwien, also im Krieg war ja Wien wesentlich größer, hat im Süden fast bis nach Baden gereicht. Und auch in den Wienerwald hinein, einige Wienerwaldgemeinden haben zu Wien gehört. Und nach dem Ende der Besatzungszeit, nach 1954, sind diese Gemeinden dann wieder selbstständig geworden, zu Niederösterreich gekommen. Und dann war so weder der Bedarf nach dem großen Waldfriedhof noch nach dem Bauland auf vorherigen Waldflächen da, weil die Orte eh nicht gewachsen sind. Und man hat sich dann in Wien auf Wien konzentriert, hat eben die ganze Bautätigkeit Wienerberg, Laaberg, 21., 22. Bezirk Simmering konzentriert. Und dadurch ist der Wald dann eigentlich erhalten geblieben und haben wir jetzt nicht irgendwelche großartigen Siedlungen oder Sonstiges im Wald. Neben der Bedrohung, durch die Pläne Wälder für Bauprojekte aufzugeben, war auch die intensive Nutzung und manchmal Übernutzung eine Gefahr für das Waldökosystem.-Übernutzungen, ja, natürlich hat es gegeben, vor allem nach dem Ersten Weltkrieg, wo die Leute hinausgezogen sind in den Wald. Gibt es auch Fotos, wo man sieht, wie so Leute mit Riesenpinkeln von Ästen und dünnen Stämmen auf dem Handwagen aus dem Wald hinausgehen. Da ist natürlich sehr viel genutzt worden und auch dann, wie Maschinen gekommen sind, Traktoren, Motorsägen, ab den 1950er Jahren eigentlich erst so im großen Stil und wo man halt wirklich sehr rasch größere Mengen Bäume fällen konnte. Viel, viel mehr an einem Tag, als man mit der Zugsäge zu zweit da irgendwie mühsam gesägt hat. Keile auf allen Seiten sägen und durchsägen, bis der Baum umfällt und den dann zerkleinern, ist halt einfach mehr Arbeit als Motorsäge anwerfen und mal durchschneiden. Also, da hat sich schon in der ersten Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg relativ viel getan.-Aufhalt! -In die Richtung. -Stadt, Land,

Strom: Doppelfolge:

Geschichten aus den Wienerwäldern, Teil 2: Klaupholzscheine und Klimastress.-Einen naturnahen, dichten, dunklen Wald mit Ästen und Zweigern am Boden, mit umgestürzten Bäumen, pilzübersäten, modernden Stämmen, so etwas hat man sich bis weit ins 20. Jahrhundert überhaupt nicht vorstellen können. Alles, was der Wald zu bieten hatte, wurde entnommen, und der damalige Waldboden war dementsprechend besenrein.-Weil lange Zeit eben wirklich auch das Kleinholz genutzt worden ist, das am Boden gelegen ist. Es geistern noch immer diese Klaupholzscheine herum, wo immer noch Leute anfragen, ob es so was gibt. Klaupholzscheine, das heißt eine Genehmigung des Eigentümers, Waldeigentümers, dass man dort alles, was man mit einer Handsäge und liegend findet, zerkleinern und mitnehmen darf, um daheim zu heizen. Das hat es über Jahrzehnte und Jahrhunderte gegeben. War halt für die kleinen Leute mit wenig Geld die Möglichkeit, zu Brennmaterial zu kommen, sehr günstig. Hat, ich glaube, 50 Schilling, kann ich mich erinnern, wie ich angefangen habe, als es das noch gegeben hat, fast niemand mehr gemacht. Während Corona ist es dann plötzlich gekommen, da wollten alle dann selber wieder Brennholz machen und im Wald sein, weil das durfte man und sonst nichts. Und dieses Bild, vor allem bei älteren Leuten, geistert das auch noch herum, dieser ordentlich aufgeräumte Wald. Das heißt, ich habe stehende Bäume und am Boden ist es ja besenrein, mehr oder weniger. Was aber ökologisch und für die Waldfunktionen und auch die Kohlenstoffspeicherung, Wasserspeicherung sehr problematisch ist, weil eben dieses Totholz, das am Boden liegt, das Laub, das am Boden liegt, sehr viel Wasser festhält. Und gerade in Zeiten, wo es trockener wird, brauchen wir das ganz dringend. Das heißt, auch jetzt Äste herauszunehmen und als Biomasse zu verbrennen, macht aus unserer Sicht keinen Sinn, weil eben die Kohlenstoff in den Boden bringen, Humus erzeugen und ganz viel Wasser speichern. Man sieht das im Leinzer Tiergarten. Da haben wir seit zehn Jahren ungefähr auf vielen Flächen, wenn wir Bäume fällen müssen, wollen, dann haben wir die Baumkronen liegen gelassen und nur die Stämme herausgeholt. Und man sieht, dass dort, wo diese Baumkronen liegen, wo sich das Laub fängt, wo mehr Feuchtigkeit ist, auch junge Bäume wachsen. Und daneben auf Flächen, wo der Boden frei ist, vertrocknen die jungen Bäume über den Sommer. Gerade wenn es so heiß ist wie 2022 und 2023 im Sommer, dann haben die Jungbäume kaum eine Chance. Also dieses saubere Waldbild, das sich manche noch irgendwie im Kopf haben, ist einfach nicht mehr zeitgemäß.-Immer mehr setzt sich das Bewusstsein durch, dass ein gesunder Wald auf die Biomasse angewiesen ist, die er produziert. Denn der Nährstoffkreislauf im Wald ist ein weitgehend geschlossenes System.-Sämtliche abgestorbene Biomasse wird durch Bodenlebewesen, Pilze und Bakterien zersetzt und in fruchtbaren Humus verwandelt. Er liefert den Bäumen essentielle Nährstoffe und kann sehr gut Wasser aufnehmen und lange halten.-Der aufgeräumte Wald kann aber schon entstehen, wenn man sich sehr stark auf Biomasse konzentriert. Es gibt einige Gemeinden hier südlich von Wien, die aus ihren Gemeindewäldern Biomassewerke beliefern. Und da ist es natürlich dann schon naheliegend. Jetzt fährt man schon da mit der Maschine durch den Wald und dann nimmt man gleich alles mit und tut damit aber dem Wald nichts Gutes, weil eben dieses Totholz, Feuchtigkeitsspeicherung, Humus, Kohlenstoffbindung ein ganz wichtiges Thema ist und was beim Wald halt sehr oft übersehen wird. Man sieht immer den Kohlenstoff, der oberirdisch steht, die Baumstämme, dass aber da unten Wurzeln sind, dass da unten Humus im Boden ist, der das Zweifache, Dreifache von dem ausmachen kann, was oberhalb steht. Das wird sehr oft übersehen. Das ist mal das eine Thema. Und Totholz, wenn man sich die Statistiken anschaut, ist in ganz Österreich die Tendenz steigend, auf einem noch immer relativ niedrigen Level. Was jetzt vor allem Wirtschaftswälder betrifft, im Gebirg, wo man nicht hinkommt, klar, ist dort mehr, weil da fällt der Baum um und bleibt liegen. Also da geht es schon in die Richtung, dass doch viele Waldeigentümer verstanden haben oder auch Waldbewirtschafter verstanden haben, dass jetzt der aufgeräumte Wald nicht unbedingt das Ideal ist. Dass der Fichtenwald wie im Waldviertel nicht ganz ideal ist, wenn dann der Borkenkäfer kommt und dass doch eine Mischung besser ist. Da hat sich viel getan. In Wien sind wir auch, weil wir eben hauptsächlich Laubwälder haben und vielfältige Wälder haben, sind wir mit dem Thema Totholz und auch mit dem Thema Baumartenvielfalt österreichweit auf jeden Fall sehr weit voraus in den Statistiken. Es ergibt sich einfach durch die andere Zielsetzung und dass wir in den Wäldern der Stadt Wien keine Biomasse erzeugen. Aber dieses Totholzthema, das kommt doch sehr stark. Und gerade im Biosphärenpark Wienerwald ist es ja mit den großen Waldeigentümern, Bundesforste, Stadt Wien und verschiedene Klöster, vor allem Heiligenkreuz, Klosterneuburg, geht es schon auch zumindest in Teilbereichen in die Richtung. Und was man nicht unterschätzen darf, es sind 5 % des Wienerwaldes als Biosphärenpark-Kernzonen aus der Nutzung genommen. Es ist jetzt mal ein relativ kleiner Bereich einerseits. Andererseits sind die sehr gut gleichmäßig verteilt als Trittsteine. Und man hat da auch wirklich so Keimzellen, wo die Tiere, Pflanzen, Pilze, die diese urigen Wälder brauchen oder urwaldähnlichen Bereiche brauchen, sich erhalten und auch dann ausbreiten können.-Stadt, Land, Strom: Geschichten aus den Wienerwäldern.-Während die allermeisten Forstbetriebe vom Holzverkauf oder der Jagd leben müssen und dementsprechend ihre Bewirtschaftungsweise ausrichten, sind die Ziele in den Wienerwäldern andere. Hier steht nicht die Nutzfunktion, also die Holzproduktion, sondern die Wohlfahrtsfunktion für die Bevölkerung im Vordergrund, wie es im Forstgesetz heißt. In erster Linie geht es dabei um Fragen des Klima- und Naturschutzes, der Erholung und der Gesundheit.-Genauso ist es. Wir haben eben einfach andere Ziele. Das ist natürlich auch für unser Personal ganz klar eine andere Situation. Das heißt, wenn man eine Forstschule gemacht hat, wo es halt darum geht, wie macht man Wald zu Geld oder wie macht man Wild zu Geld? Und viele Förster definieren sich dann, wie viel Festmeter habe ich erzeugt, wie viel Jagdeinnahmen habe ich, wie groß war das Geweih vom Hirsch? In Wien in vielen Bereichen definiert man sich, wie viel kaputte Bänke, die jemand devastiert hat, habe ich wieder hergerichtet, wie viel Kubikmeter Müll habe ich zusammengesammelt übers Jahr, was auch immer, wie viele Hundekackerl-Sackerl sind weggegangen. Es ist einfach ganz was anderes. Aber da sieht man auch, dass ja der Wald hier bei uns nicht die Nutzfunktion hat. Das heißt, da sind ja viele, viele andere Funktionen, die ein reiner Wirtschaftswald gar nicht hat, weil wo stellt ein Waldeigentümer, der nur vom Holzverkauf lebt, macht keinen Spielplatz, stellt keine Sitzbänke auf, macht keine Kackerl-Sackerl-Spender, hat keine Mieskübel zum Ausleeren und so weiter. Also, wir arbeiten in einem ganz anderen Bereich.-Gegenwärtig ist die wichtigste und gleichzeitig herausfordernde Aufgabe des Wiener Waldmanagements, die Wälder klimafit zu machen. Denn auch wenn sich Wiens Wälder durch hohe Baumartenvielfalt und zunehmenden Totholzanteil auszeichnen, der Klimawandel zeigt auch hier negative Auswirkungen. Schädlingsbefall, Windwurf und ganz allgemein die Folgen der zunehmenden Trockenheit sind offensichtlich. -Wir sehen bei verschiedenen Baumarten Stress oder auch eine Kombination aus Stress plus irgendwelchen Pilzen oder Insekten, die dann aktiv werden. Beispiel die Schwarzkiefer, die jetzt da entlang der ganzen Thermenlinie eigentlich mehr oder weniger flächig im Absterben ist. Das ist ein Pilz, der heimisch ist oder eine Kombination von Pilzen, die heimisch sind, die einfach durch den Stress, den die Bäume haben, durch Hitze und Trockenheit und Wassermangel, ganz wichtig eben, ist bei der Schwarzkiefer momentan, kann man wirklich, sieht fast jeder, wenn man da auf die Hügel hinaufschaut, sieht man, dass jeder zweite Baum braun wird. Bei der Vogelkirsche, also der wilden Kirsche, sehen wir das Gleiche, dass die offensichtlich in sehr trockenen Sommern das Problem hat, noch Wasser aus dem Boden zu bekommen und dann mitten im Sommer vertrocknet. Die Boku hat sich das sehr genau angeschaut. Es ist jetzt kein Pilz, kein Insekt im Spiel, sondern es ist wirklich nur kein Wasser im Boden. Die Kirsche schafft es nicht mehr, das letzte Wasser herauszusaugen und sie stirbt einfach ab. Bei Buche ganz ähnlich. Da gibt es Untersuchungen von der Boku aus Klausenleopoldsdorf, also schon ein bisschen im feuchteren Bereich des Wienerwaldes, wo im Sommer 2022, wo es sehr heiß war und lange nicht geregnet hat, die Buchen von Anfang Juli bis fast Ende August die Lebenstätigkeit quasi eingestellt haben, kein Wasser mehr verdunsten konnten, damit auch keine Photosynthese, keine Nährstoffe erzeugen. Das heißt, die Buchen haben eigentlich jetzt im Frühling zwei Monate gehabt, wo sie quasi Laubaustrieb haben, eh schon sehr viel investieren. Dann war zwei Monate Pause, wo sie normalerweise sich regenerieren können. Und dann ist schon fast wieder September, Oktober, Herbst mit dem Laubfall. Und das hat man sehr stark gemerkt, dass eben bei vielen Buchen, gerade in den trockenen Bereichen des Wienerwaldes, auch im Lainzer Tiergarten, die angefangen haben, von oben her abzusterben. Weil einfach, wenn wenig Wasser da ist, schafft der Baum einen nicht so starken Wasserdruck und dann kann er das Wasser nicht 30 Meter in die Baumkrone transportieren, sondern halt nur 10 Meter. Was macht der Baum? Er muss sparen. Er lässt den oberen Teil absterben und macht unten eine neue Baumkrone. Hat aber das Problem, und da kommt man so in einen Kippunkt irgendwann mal hinein. Je größer die Baumkrone ist, je mehr Wasser der Baum verdunstet, desto stärker kühlt er. Das heißt, wenn kein Wasser da ist, die Baumkrone kleiner ist, dann verdunstet der Baum weniger Wasser, weil er weniger Blätter hat, und dann wird es noch heißer. Und im nächsten heißen Sommer wird es dann noch einmal trockener und heißer, und dann ist vielleicht auch die Baumkrone auf 10 Meter noch immer zu hoch oben, und der Baum bringt das Wasser nicht hinauf. Das heißt, da können sich dann schon sehr schnell Dinge tun, von denen wir nicht unbedingt erwarten, dass sie so schnell ablaufen. Ein weiteres Problemfeld, das immer wieder mit dem Klimawandel in Zusammenhang gebracht wird, ist die Ausbreitung von invasiven Arten. Manche eingeschleppten Pflanzen, sogenannte Neophyten, haben das Potenzial, heimische Baum- und Straucharten komplett zu verdrängen. -Ein Beispiel für so eine invasive Art, die derzeit nicht nur Alexander Mrkwicka große Probleme macht, ist der Götterbaum. Die ersten, ursprünglich aus China stammenden Pflanzen gelangten 1740 durch einen Jesuiten nach Paris. Von dort aus verbreitete sich der als Zierpflanze gehandelte Götterbaum in ganz Europa. Das Problem? Diese Baumart hat die Fähigkeit, das Wachstum anderer Pflanzen mittels Wurzelausscheidungen komplett zu unterdrücken. Das Ergebnis sind dann Monobestände, die, egal ob Neophyt oder heimische Pflanze, immer hochriskant sind, insbesondere in Zeichen der Klimakrise, die wiederum die Ausbreitung besonders lästiger invasiver Arten befördert.-Da gibt es einen ganz direkten Zusammenhang zwischen Klimawandel und zumindest zwei Baumarten, die uns ja große Herausforderungen machen, viel Arbeit machen. Das sind Blauglockenbaum und Götterbaum. Beides Baumarten, die kälteempfindlich sind, die zumindest, wenn sie jung sind, nicht unbedingt gefrorenen Boden mögen. Beim Blauglockenbaum, wie ich angefangen habe, vor 35 Jahren. Auf der Uni hat es noch geheißen, wenn man den pflanzt, also die ersten paar Jahre, muss man unbedingt den Wurzelbereich mit Stroh oder irgendwas schützen, weil sonst erfriert er, weil der macht ganz flache Wurzeln. Inzwischen kommt der überall, wo Samenbäume stehen, in irgendwelchen Parks, in Gärten kommt er in ein, zwei Kilometer Umkreis, zum Teil wirklich flächendeckend. Wir hatten so einen Fall, wo in Burgersdorf wir im besten Wissen durchforstet haben, einen Eichenbestand, damit es ein bisschen lichter wird und die Eichen sich besser entwickeln können, mit dem Ergebnis, dass eben zwei Jahre später flächendeckend Blauglockenbäume. Da waren jung, weil einen Kilometer entfernt in Burgersdorf im Rathauspark ein Blauglockenbaum steht, ein riesiger, der Samen verteilt. Und die sind so klein, dass der Wind sie unendlich weit verbreitet. Früher werden die einfach erfroren, die jungen Bäume. Man kann sie die ersten zwei, drei Jahre noch ausreißen, das haben wir dann auch gemacht. Götterbaum ganz ähnlich, der kommt in Massen überall dort, wo Samenbäume stehen. Die Samen sind bis zu 15 Jahre keimfähig. Das heißt, man hat einen Wald, irgendwo in 500 Meter Entfernung steht der Götterbaum. Aus irgendeinem Grund wird der Wald lichter, die Sonne scheint auf den Boden und alles ist voll mit jungen Götterbäumen. Mitten im Sommer und man wundert sich dann, wo die herkommen. Da verwenden wir sehr viel Zeit, das wirklich auch zu bekämpfen, was zu tun. Bei den kleinen Götterbäumen, das haben wir in Kalksburg gehabt, die haben wir dann tatsächlich ausgerissen. Das heißt, das war so eine Fläche, zwei, drei Hektar groß, wo sehr viele junge Götterbäume gekommen sind. Das waren dann einige Wochen Arbeit, die, solange die Wurzeln noch nicht tief genug sind, auszureißen und über zwei Jahre. Und im dritten Jahr waren dann die anderen Baumarten so dicht, dass es der Boden wieder beschattet und kühler war. Es gibt für große Götterbäume auch die Möglichkeit, das mit einem heimischen Pilz zu bekämpfen. Das machen wir auch recht intensiv. Und Priorität ist eben in den Bereichen, in den Schutzgebieten, wo die Neobioten noch nicht etabliert sind oder relativ kleinflächig da sind. In anderen Bereichen, in der Lobau zum Beispiel, da sind die Götterbäume überall, weil sie sich seit 50 Jahren verbreiten. Und sie dort loszuwerden, ist fast unmöglich. Also man kann sich eigentlich nur auf bestimmte Bereiche konzentrieren. Und wenn es wärmer wird, dann werden sicher noch andere Baumarten kommen. Blasenäsche ist so eine Möglichkeit. Also man braucht nur nach Süden schauen. Papiermalberbaum, der im Süden auch schon Probleme macht. Dieser falsche Indigostrauch, der vor allem entlang der Gewässer, wenn man jetzt an der Donau, an der Drau im Südosten unterwegs ist, der wuchert dort alle Schotterflächen, alle Ufer zu, lässt nichts mehr anderes zu. Also da wird sich sicher auch noch einiges tun. Und das Entscheidende ist aber immer, dass man es sehr früh bemerkt und wirklich dann etwas dagegen tut, wenn es noch irgendwie zu machen ist. Weil wenn es mal flächendeckend da sind, die Baumarten, dann hat man keine Chance mehr. Und manchmal sind es auch Krautige, gibt es auch zwei Beispiele, Staudenknöterich, der wirklich flächendeckend wachsen kann oder nichts mehr anderes wächst oder auch Goldrute hat das Potenzial. In Wien vielleicht nicht unbedingt so, so stark großflächig, aber in Kärnten gibt es wirklich Waldbereiche, wo nach einer forstlichen Nutzung sich die Goldrute so schnell ausbreitet, dass keine jungen Bäume mehr wachsen im Wald. Wo man dann Löcher quasi hineinhacken muss in diese Goldrutenbestände, damit dort überhaupt Jungbäume wachsen können. Also da wird sich sicher auch noch einiges tun. Und wenn man wachsam bleibt und die Ressourcen hat, natürlich was dagegen zu tun, das ist auch klar, wenn überall gespart wird und man nicht die Möglichkeit hat, da irgendwie zu reagieren, dann hat man vielleicht Götterbaum-Reinbestände, die den Nachteil haben, dass sie nach 20, 30 Jahren dann manchmal einfach spontan absterben und dann hat man gar keinen Wald. Was mit dem Bodenschutz, Erosionsschutz und so weiter sehr, sehr problematisch ist. Und da sind wir dann wieder beim Thema Vielfalt. Wenn eine Baumart Waldflächen übernimmt, dann ist das immer Hochrisiko, siehe Fichte im Waldviertel. Die Erkenntnis, dass es in weiten Teilen nicht ohne Waldumbau-Maßnahmen weitergehen wird, ist mittlerweile angekommen. Dort, wo man vom Holzverkauf lebt, hat längst die hektische Suche nach neuen, klimafitten Bäumen begonnen. Vermeintlich trockenresistente Baumarten aus südlicheren Gefilden einzuführen, ist eine gängige Idee der Forstwirtschaft. Mittels genetischer Manipulation eine neue trockenheitstolerante Fichte zu kreieren, eine andere. Und was meint der Experte dazu? Auf welche Strategien setzt der Wiener Forstbetrieb, um für die Zukunft gewappnet zu sein?-Es gibt unterschiedliche Strategien. Es gibt die Strategie, wir erholen Baumarten, von denen wir glauben, dass sie die Bedingungen in Zukunft aushalten. Wobei die Schwierigkeit ist, dass wir nicht wissen, was in Zukunft wirklich genau stattfinden wird. Es gibt ja von, es wird in Wien um bis zu 6 Grad wärmer. Dem Baum ist es ziemlich egal, die 6 Grad wärmer, solange genug Wasser da ist. Die entscheidendere Frage ist, wie viel Wasser ist da. Bis zu der Goldstrom hört komplett auf und eigentlich haben wir dann das halbe Jahr lang Minustemperaturen. Und es wird noch trockener. Also allein die Prognosen sind so weit auseinander oder die Modelle, dass man überhaupt nicht seriös sagen kann, welche Baumart wird überleben oder nicht. Dann gibt es jetzt das Neueste, ist die Assisted Migration. Also wir nehmen Bäume aus Südeuropa und bringen die zu uns und vermehren sie. Aber auch da ist das interessante Thema, dass eben in Südeuropa die Niederschläge anders verteilt sind als bei uns. Und in Albanien, in den Bergen, gibt es Bereiche, da sind 5000 Millimeter Jahresniederschlag. Das ist zehnmal so viel wie in Wien. Und ja, der Baum wächst weiter im Süden, 1500 Kilometer weiter im Süden, aber dem wird es bei uns zu trocken werden, wenn wir ihn daher pflanzen. Natürlich kann man jetzt Bäume aus Trockengebieten nehmen, ausprobieren. Wir setzen eher darauf, dass die Bäume, die wir hier haben, solange wir die Vielfalt haben, die wir eben erhalten müssen, irgendwie und hoffen, dass nicht zu vieles an irgendwelchen Pilzen oder Tieren kommt, die eine Baumart umbringen, dass man mit der Vielfalt, die wir haben, wenn wir die fördern und die natürliche Verjüngung die Möglichkeit zur Auslese quasi gibt, mit den neuen Bedingungen, dass wir dann eigentlich mit dem, was wir haben, sehr gut fahren können, wenn man gezielt pflegt und die Waldbewirtschaftung umstellt. Also so die klassische Buchenbewirtschaftung, man lichtet einen Buchenbestand um 50 Prozent auf, dann kommen drunter die jungen Buchen und nach ein paar Jahren schneidet man die restlichen Bäume weg. Es funktioniert nicht mehr, weil es wird dann so heiß und sonnig, dass die jungen Bäume Schwierigkeiten haben zu wachsen, dass der Humus im Boden abgebaut wird durch die Wärme, dass dann weniger Wasser gespeichert wird. Das heißt, unsere Strategie ist jetzt im Wiener Raum auf Dauerwald zu setzen, das heißt, den Wald möglichst geschlossen halten, zu beobachten. Die Bäume sterben sowieso ab teilweise. Und wenn wir jetzt anfangen, da quasi im Vorhinein zu entscheiden, welche Bäume wir rausnehmen, weil wir glauben, die wachsen nicht so gut in Zukunft, dann nehmen wir vielleicht genau das Falsche raus und dann sterben uns die anderen ab und wir haben gar keinen Wald mehr. Das heißt, die Idee ist, möglichst wenig tun, wirklich nur das Notwendige machen und einfach zu beobachten, was sich tut und darauf reagieren und eben schauen, dort, wo sie nicht ist, die Vielfalt zu fördern. Ganz wichtig, also wenn man sieht, es gibt jetzt einen Wald, wo nur Buchen stehen und ich habe drunter verschiedene andere Baumarten, dann werde ich versuchen, diesen anderen Baumarten zu helfen, indem man da und dort eine Buche rausschneidet, damit die anderen Arten mehr Licht bekommen. Pflanzen ist so der allerletzte Ausweg. Da ist die Schwierigkeit, dass der Boden halt sehr trocken wird in den obersten Schichten. Das heißt, dort, wo die Wurzeln von den gepflanzten Bäumen sind, wird es im Sommer staubtrocken und die Ausfälle sind sehr hoch. Wir sehen es auch bei der natürlichen Verjüngung in manchen Bereichen, dass da auch sehr viel Jungbäume ausfallen, die durchaus schon größer sind, also so Hainbuchen in 1,50, 2 Meter Höhe, Größe, die dann in den sehr trockenen Sommern fast flächig vertrocknet sind in manchen Bereichen, wo halt der Boden sehr ungünstig ist. Also ja, möglichst wenig tun und möglichst viel beobachten und versuchen, daraus zu lernen. Da muss man natürlich auch dazu sagen, dass ja die Wiener Wälder eine andere Funktion haben als bei vielen anderen Waldeigentümern, die einfach vom Holzverkauf leben müssen, von der Jagd leben müssen. Die müssen Holz verkaufen, weil das ist ihr Betriebsziel, davon leben sie. Wir haben ja den großen Vorteil, dass wir andere Ziele haben, dass eben die Erholung und Bevölkerungsgesundheit und Wohlfahrtsfunktion, wie es im Forstgesetz heißt, also das reicht von Klima bis Naturschutz im Wesentlichen, dass die im Vordergrund stehen und das ist auch unser Auftrag, die Wälder so zu erhalten, dass sie diese Funktionen für die Wiener Bevölkerung erfüllen. Damit tun wir uns leichter. Wir müssen nicht Holz verkaufen, um unseren Betrieb irgendwie zu erhalten, zu finanzieren. Und damit kann man natürlich anders arbeiten, als wenn man sagt, man braucht so und so viel 100.000 Euro im Jahr aus Holzverkäufen, weil der Betrieb sonst in Konkurs geht. Sicher eine Ausnahmesituation, die es in der Form in Österreich nur ganz selten gibt. Bei Gemeindewäldern, Stadtwäldern, aber so großflächig gibt es das in der Form sonst nicht.-Das war es fast schon mit unserer Stadt-Land-Strom-Doppelfolge zu den Wiener Wäldern. Herzlichen Dank an Alexander Mrökwitzker für die beste, sympathischste und fachkundigste Begleitung durch die Wälder Wiens, die man sich nur wünschen kann.-Zum Abschluss noch eine letzte Bitte. Würden Sie uns vielleicht noch durch Ihren Lieblingswald führen?-Lieblingswald, ja, meine Lieblingswälder sind eigentlich Eichenwälder aus zwei Gründen. Einerseits finde ich sie sehr sympathisch, weil die relativ licht sind. Das heißt, da gibt es dann drunter Dirndlsträucher, die blühen. Da gibt es Weißdorn, der blüht. Es gibt sehr viele Bodenpflanzen. Es gibt verschiedenste schön bunt blühende Kräuter. Das ist das eine. Und das andere ist, dass die Eichenwälder doch Relikte einer Kulturwaldlandschaft sind. Das heißt, der Eichenurwald ohne die großen Säugetiere, Wiese und Auerochs und so weiter, funktioniert nicht. Und das ist auch so ein kulturhistorischer Hintergrund. Das heißt, diese Eichenwälder, die schauen wahrscheinlich so aus, wie sie unsere Vorfahren, wie sie vor 7600 Jahren eingewandert sind, gesehen haben. Diese lichten, sympathischen Wälder. Und deswegen finde ich die sehr sympathisch und als botanisch und zoologisch interessierter Mensch natürlich noch zusätzlich, weil da die Artenvielfalt sehr hoch ist und vor allem an Eichentod halt sehr, sehr viele ganz seltene und bedrohte Pilze und Tiere leben.-Danke, Alexander Mrökwitzker, und bis bald.-Bis zum nächsten Mal.-Staat, Land, Strom. Streifzüge durch Wiens Kulturlandschaften. Mit den beiden Natur- und Landschaftsvermittlern Andreas Schindler und Karl Schmoll. Umweltgeschichte und Stadtökologie einer Metropole.-Das war ein Stadt Wien Podcast.

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