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Stadt | Land | Strom: „Geschichten aus den Wiener Wäldern (1) – Wollnashorn und schwarzes Pech“ (Folge 4)

Stadt Wien

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Heute geht es um die spannende und wechselvolle Geschichte der Wälder Wiens. Herrschaftliches Jagdrevier, Brennholzvorrat, Verteidigungsanlage, Freizeitoase oder schützenswerte Wildnis – Wiens Wälder waren und sind vieles zugleich. Aus biologischer Sicht zählen sie heute zu den interessantesten, vielfältigsten Wäldern Österreichs – was einerseits mit den naturräumlichen Gegebenheiten zu tun hat, aber auch mit ihren vielfältigen Nutzungen bzw. Nutzungsgeschichten. 

Im 1. Teil unserer Doppelfolge zu den Wiener Wäldern spannen wir einen weiten Bogen: von der nacheiszeitlich noch weitgehend waldfreien Landschaft Wiens, bis ins späte 19. Jahrhundert, zu Josef Schöffel, dem „Retter des Wienerwaldes“.

 

(Experte: DI Alexander Mrkvicka, u.a. MA 49 Klima-, Forst- und Landwirtschaftsbetrieb der Stadt Wien, Bereich 3 Naturraum)

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Streifzüge durch Wiens Kulturlandschaften. Mit den beiden Natur- und Landschaftsvermittlern Andreas Schindler und Karl Schmoll. Umweltgeschichte und Stadtökologie einer Metropole.

-Doppelfolge:

Geschichten aus den Wiener Wäldern, Teil 1. Wollnashorn und schwarzes Pech.-Der Mythos vom natürlichen, wilden, unmandelbaren und den Horizont begrenzenden Wald beeinflusst das Denken der Menschen seit langer Zeit. Er prägte ihr Verhältnis zum Wald, und dies wiederum in Mitteleuropa besonders stark, denn dort pflanzte man Wälder, wenn es sie nicht ohnehin schon dort gab, direkt an den Rand der Gemarkungen, sodass sie "draußen vor der Tür" zu liegen kamen. Der Wald ist also nicht nur Inbegriff von Natur, er ist auch ein Erzeugnis der Kultur, der Menschen, die ihn durch ihre Bewirtschaftung prägten, pflegten und pflanzten. Hallo Andreas.-Servus Karl.-"Geschichte des Waldes" heißt das sehr empfehlenswerte Buch, aus dem das Eingangszitat stammt. Der Pflanzenökologe Hansjörg Küster setzt darin 1998 seine Darstellung der Waldentwicklung von der Urzeit bis in die Gegenwart, den vielen Mythen und Vermutungen über das Naturphänomen Wald, entgegen.-Wald ist eine der prägendsten Landschaftsformen der Erde und für viele Menschen auch der angesprochene Inbegriff von Natur, wobei es "den Wald" eigentlich nicht gibt. Die meisten Menschen verbinden damit gefühlsmäßig den Wald ihrer Kindheit. Wer also zum Beispiel in einer feuchten Auwaldgegend aufgewachsen ist, hat intuitiv ein anderes Waldbild und vielleicht auch einen anderen Waldgeruch im Kopf als jemand, der viel in den trockenen Schwarzföhn-Gebieten am Ostalpenrand unterwegs war.-Gleich ist den meisten von uns die Vorstellung, Wald existiere unbeeinflusst vom Menschen als eine stabile Landschaftsform, die ihr Wesen über die Zeiten nicht verändert, gleichsam als wilder Gegenpol zur Zivilisation. Wald ist aber kein stabiler Zustand, sondern ein dynamischer Prozess, der von vielen Faktoren beeinflusst wird, insbesondere von seinen natürlichen Pflegern, großen Pflanzenfressern. Historisch gesehen waren das in Mitteleuropa zum Beispiel Giganten wie der Waldelefant.-Über 4 Meter Schulterhöhe, bis zu 11 Tonnen schwer, vor 33.000 Jahren ausgestorben, war er der größte Vertreter der sogenannten Megaherbivoren in Europa, zu denen auch Wollnashorn, Steppenbison und in der Nacheiszeit Auerochs, Wisent, Elch oder Wildpferd zählten. Sie alle haben Aussehen und Charakter des Waldes und der Landschaft entscheidend geprägt. Entgegen der Annahme eines geschlossenen Urwaldes schufen sie durch Fraß, Tritt und Entrindung eine dynamische, parkartige Landschaft, ein Mosaik aus dichten Wäldern, Wäldchen und offenen Weideflächen.-Lange bevor der Mensch aufgetaucht ist, waren diese Großtiere als Ökosystemingenieure tätig. Sie setzten dem Wald Grenzen, hielten seine Struktur offen und förderten so die Biodiversität. Heute steuert ein wesentlich kleineres, aus Afrika stammendes Säugetier, ein Trockennasenprimat,

das System Wald:

der Homo sapiens. Tatsächlich ist das Allermeiste von dem, was wir heute als urwüchsigen Wald ansehen, viel eher forstliche Plantage oder herrschaftliche Parkanlage als ein Produkt der Natur.-Im heutigen Stadtland Strom geht es um die Wälder Wiens und ihre spannende, wechselvolle Geschichte. Herrschaftliches Jagdrevier, Brennholzvorrat, Verteidigungsanlage, Freizeitoase oder schützenswerte

Wildnis:

Wiens Wälder waren und sind vieles zugleich.-Und es gibt wohl kaum jemanden, der so viel über ihre Geschichte und Ausstattung weiß wie Diplomingenieur Alexander Mrkwitzka. Er ist Autor und Co-Autor zahlreicher Fachbeiträge und Fachbücher, unter anderem zur Flora Wiens oder zum Ökosystem der Stadt im Allgemeinen, und hat auch diverse Natur- und Wanderführer geschrieben. Der Umfang seiner Forschungs- und Projektarbeit sprengt den Rahmen dieser Kurzvorstellung bei Weitem. Nur so viel: Er reicht von Projekten zu Großmuscheln in Ostösterreich über den Tag der Artenvielfalt im Biosphärenpark Wienerwald bis hin zu zigtausenden Fotografien von Wasserpflanzen, Moosen, Schnecken und sehr viel mehr. -Bei der MA 49, dem forst- und landwirtschaftlichen Betrieb der Stadt Wien, ist er unter anderem für die Fachgebiete Naturschutz und Landschaftsgestaltung zuständig und in das Naturschutzmanagement des Biosphärenpark Wienerwald eingebunden.-Alexander Mrkwitzka kennt die hiesige Vegetation von der Eiszeit bis heute und weiß auch, wie es hier ausgesehen hat, als die ersten Menschen vor 35.000 Jahren durchs Wiener Becken gezogen sind. Jäger und Sammler, die hier zum Beispiel Wollhaarmammut, Riesenhirsch und Wildpferd verspeist haben, wie diverse Funde im Raum Wien belegen.-Wir sind sehr froh, dass er Zeit für uns gefunden hat und wir somit den kompetentesten Expeditionsleiter durch Wiens Wälder an unserer Seite haben, den man zu diesem Thema finden kann.

Vorweg vielleicht eine Definitionsfrage:

Was genau versteht man eigentlich unter dem Sammelnamen Wienerwald?-Wienerwald und Wienerwald sind zwei Dinge, die halt oft so synonym verwendet werden. Der Wienerwald ist dieses 105.000 Hektar große Gebiet in Wien und Niederösterreich, 10 % liegen in Wien, und wir sagen meistens Wiener Wälder. Darunter verstehen wir die Wälder, die jetzt im Eigentum der Stadt Wien sind und eigentlich auch das Quellschutzgebiet mitgedacht, das ja ungefähr so groß ist wie in Wien, aber im Gebirge liegt, der Stadt Wien gehört und wo das Trinkwasser herkommt, um ein bisschen diese Verwirrung mit Wienerwald und Wienerwald eben über die Wiener Wälder vielleicht ein bisschen zu entschärfen.-Die Wälder Wiens sind äußerst vielfältig und gehören aus biologischer Sicht zu den interessantesten Österreichs. Das hat einerseits mit der speziellen Lage Wiens und andererseits mit der wechselhaften Nutzungsgeschichte dieser Wälder zu tun. -Wir liegen da im Bereich, wo mehrere große Klima- und Lebensräume zusammenkommen, so im Grenzbereich vom pannonischen Bereich, ein bisschen mediterraner Einfluss, die Alpen kommen da auch noch herein, und das Wetter von Westen. Das heißt, alleine dadurch sind die Bedingungen so, dass eben in der Lobau zum Beispiel ganz andere Wälder sind als im Lainzer Tiergarten oder auf dem Kahlenberg oder Leopoldsberg und in Mauer nochmal andere Wälder oder in Karlsburg. Das heißt, diese Vielfalt hat auch sehr viel mit den Naturräumen zu tun, aber natürlich auch mit der Geschichte, weil die Nutzungen hier immer anders waren als in Bereichen irgendwo am Rand der Alpen, wo man halt Fichten gepflanzt hat, um möglichst viel Holz zu erzeugen.-Stadt, Land, Strom: Geschichten aus den Wiener Wäldern, Wollnashorn und schwarzes Pech.-Neben naturräumlichen Faktoren bestimmen das, ob, wie und wofür ein Wald genutzt wird, über sein Erscheinungsbild. Und da die Wälder im Wiener Raum immer schon sehr vielseitig genutzt wurden, entstanden hier auch ganz unterschiedliche Waldsysteme.-Also von Natur aus oder auch durch die jahrtausendelange Nutzung, vor allem im Bereich des Wienerwaldes, hat man eben Eichenwälder in verschiedensten Formen, sehr oft Hainbuche, die früher als Brennholz genutzt worden ist, und in den ein bisschen höheren, kühleren, schattigeren Lagen Buchenwälder. Das sind mal so die, die relativ großflächig da sind. Und dann gibt es halt noch spezielle Waldtypen wie zum Beispiel Erlen-Eschenwälder entlang der Bäche. Es gibt die Gipfel-Eschenwälder, die also was ganz Spezielles sind, am Hermannskogel zum Beispiel, wo dann so Auwaldpflanzen auf dem höchsten Gipfel wachsen und man sich eigentlich fragt, wie die dort hinkommen und wie die dort zur Feuchtigkeit kommen, die sie halt sonst in der Lobau vielleicht über die Gewässer haben. Und wenn man dann auf den Bisernberg geht oder in die Lobau, dann gibt es wieder andere Waldtypen, also in der Lobau eben Weiden, Pappelwälder, und in den trockeneren Bereichen oder dort, wo das Wasser nach der Regulierung nicht mehr hinkommt, Donnerregulierung, dort Ulmenwälder, wo sich dann langsam auch die Eichen etablieren, über Jahrhunderte wahrscheinlich. Und Nadelbäume?-Von Natur aus gibt es die Schwarzföhren in Wien im Bereich Mauer, Karlsburg, dort, wo der Karbonatbereich der Alpen gerade noch nach Wien hineinreicht. Und das zweite, was interessant ist, im Maurerwald und im Lainzer Tiergarten gibt es einige Bereiche, wo Tannen eben natürlich vorkommen. Im Maurerwald sehr schöne Tannenbestände, im Lainzer Tiergarten nur einzelne ältere Tannen, aber das sind so im Wesentlichen die einzigen natürlichen Nadelholzbestände in Wien. In allen anderen Bereichen passen einfach Boden und Klima nicht für Nadelbäume, beziehungsweise sind die Laubbäume einfach konkurrenzkräftiger, wachsen schneller, und die Nadelbäume haben keine Chance. Auch die verschiedenen Waldtypen, die wir heute im Wiener Raum finden, sind nur eine Momentaufnahme. Wir wollen auf unserer heutigen Expedition den Blick zurückmachen, weit zurück. Beginnen wir mit dem Wald, den die ersten Wiener und Wienerinnen vorgefunden haben.-Oder eben nicht vorgefunden haben. Als vor rund 35.000 Jahren die ersten Jäger und Sammlergruppen durchs Wiener Becken gezogen sind, herrschten hier noch eiszeitliche Bedingungen. Ein Großteil des Wassers, das heute als Regen zu uns kommt, war damals noch in den Gletschern und Polkappen gebunden, und das bedeutet, es war nicht nur bitterkalt, sondern auch extrem trocken, was natürlich einen großen Einfluss auf die Vegetation hatte.-Wegen dieser Kälte und Trockenheit war die Ausdehnung der Wälder der gemäßigten Zonen in der Eiszeit sehr stark eingeschränkt. Anstelle von Bäumen breiteten sich Pflanzen aus, denen die kurzen Sommer zur Entwicklung ausreichten. Die langen Winter konnten sie entweder unter dem spärlichen Schnee überdauern und somit kaum Wasser brauchen, oder sie starben im Herbst ab, nachdem sie Samen gebildet hatten. Als die ersten Menschen im Wiener Raum auftauchten, fanden sie eine Vegetation aus kleinen Stauden, Zwergsträuchern und einjährigen Kräutern vor.-Die nächsten Gletscher lagen quasi um die Ecke, am Schneeberg und auf der Rax. Die Landschaft, durch die die eiszeitlichen Jäger bei Wien streiften, war also eine weite, windige, kalte Steppe mit Gräsern und Kräutern. Mammuts, Wollnashörner, Steppenwisente und Wildpferde haben hier geweidet, und weit und breit kein Wald zu sehen, oder?-Lange Zeit hat man geglaubt, dass es in der Eiszeit gar keine Bäume gegeben hat. Dann ist irgendwann die Meinung aufgekommen, schon in den 1930er Jahren, dass zumindest die Schwarzföhren die Eiszeit hier überlebt haben in geschützteren Lagen. Und inzwischen gibt es aber sehr viele Untersuchungen, muss man sagen. In Ungarn, Tschechien, Slowakei ist das wissenschaftlich sehr gut erforscht worden, schon vor 20, 30 Jahren, und man hat immer wieder eben Belege gefunden, dass es auch so ganz kleine Bereiche gegeben hat, wo Eichen gewachsen sind, wo Birken gewachsen sind, in so ganz geschützten Lagen, wo genug Feuchtigkeit da war, also wahrscheinlich in den Flussdelern. Ansonsten war da über weite Bereiche diese Mammutsteppe, und die Menschen damals haben halt, ja, sind entweder sesshaft gewesen in irgendwelchen Höhlen oder Siedlungsbereichen, wo sie mit ihren Zelten waren, oder sie sind dem Wild nachgezogen. Also so wie heute Dörfer oder was in der Art hat es dann erst in der frühesten Jungsteinzeit gegeben, wo dann die Bauern und Viehzüchter eingewandert sind, vor 7.600, 7.700 Jahren ungefähr.-Genetische Untersuchungen zeigen, dass diese ersten Bauern aus dem Gebiet der heutigen Türkei, genauer aus Anatolien, eingewandert sind. Am südwestlichen Stadtrand Wiens fand man die bisher ältesten Spuren der Neuankömmlinge. Funde, zum Beispiel von Holzkohleresten oder Birkenpech, konnten mittels Radiokarbonmethode auf rund 5.500 vor Christus datiert werden. Die Proben beweisen: Es gab Bäume im frühsteinzeitlichen Wien, wobei, wie man heute weiß, weitaus größere Gebiete noch unbewaldet waren. Für das Offenhalten der Landschaft, quasi die Landschaftspflege, waren damals auch noch Großsäuger wie Wisente, Elche oder Auerochsen zuständig.-Ist ganz spannend und widerspricht allem sowieso, was wir gelernt haben. Wir haben noch in der Schule gelernt, ganz Mitteleuropa war aber alt, und die Menschen haben das heldenhaft gerodet und so weiter. Inzwischen wissen wir, dass das für das Wiener Becken nicht stimmt. Es gibt Untersuchungen, dass mindestens 40 % des Wiener Beckens und der weiter östlichen Gebiete, Slowakei, Ungarn, immer unbewaldetes Gebiet waren, durchgehend von der Eiszeit bis heute. Anders kann man es auch nicht erklären, dass es Tiere und Pflanzen gibt, die eben aus diesen Steppen bis heute übergeblieben sind, weil, wenn die weggewesen wären und dann erst in den letzten 2.000, 3.000, 4.000 Jahren wiedergekommen, dann hätten sie nicht so große Bereiche besiedeln können, wo man sie heute findet. Und das ist auch genetisch inzwischen untersucht worden. Und von der Vielfalt sieht man eben auch, dass die wirklich hier überlebt haben. Das heißt, man muss sich das vorstellen im Wiener Becken, also zwischen Wiener Neustadt, Ternitz und Wien und bis Mistelbach und weiter nach Tschechien, dass da eine relativ offene Landschaft war, auch nach der Eiszeit, wo Großtrappen gelebt haben, die ja wirklich sehr, sehr weite Distanzen brauchen, weil sie einfach sehr patschert sind beim Fliegen und gegen jeden Baum dagegen fliegen, wenn wo einer herumsteht. Und wahrscheinlich waren überhaupt nur entlang der Bäche und Flüsse so Gehölzzeilen. Und das sieht man auch jetzt ab dem Mittelalter an den Flurnamen. Wir haben am Wienerwaldrand sehr viele Wälder, die Hinzersdorfer Wald heißen, Bürgerspitalswald, Johannsakogel und alle diese Namen, Dorotheawald. Das waren Orte, Klöster, Spitäler, die in der Ebene gelegen sind, in der waldfreien Ebene des Wiener Beckens. Und weil die Brennholz gebraucht haben, haben sie das Recht bekommen, in den kaiserlichen Wäldern Brennholz zu machen. Und daher kommen diese Flurnamen. Das heißt, Wiener Becken, die Ebene relativ baumfrei, waldfrei, und das Holz ist in den Donau angestanden, die eine Wildnis waren, wo man nicht leicht hingekommen ist und leichter war es, aus dem Wienerwald zu bekommen. Da hat man oben am Berg quasi Bäume umgeschnitten, und die sind dann fast von selber durch die Schwerkraft in die Dörfer heruntergerutscht, oder man hat es mit dem Pferd heruntertransportiert oder mit dem Ochsen. Und die erste Besiedlung ist vor eben circa 7.600 Jahren nachgewiesen, da im Grenzbereich Liesing, Berchtoldsdorfbrunnen im Gebirge, die Siedlung Wolfsholz. Die Archäologen haben es so genannt, wie es damals geheißen hat, weiß man nicht. Ortstafeln sind keine gefunden worden. Und das war wirklich eine große bäuerliche Siedlung mit großen Häusern. Und inzwischen weiß man, dass solche Siedlungen eigentlich über das ganze Wiener Becken verbreitet waren damals. Also man muss sich das wirklich vorstellen, zwischen Ternitz, Wiener Neustadt und Wien, so in regelmäßigen Abständen Dörfer, steinzeitliche Dörfer, und dazwischen halt landwirtschaftliche Nutzung, die eben noch nicht bei uns erfunden worden ist, sondern die die Einwanderer damals mitgebracht haben, eben vor 7.600, 7.700 Jahren, inklusive allen Nutztieren, also alles aus dem Südosten zu uns gekommen und hat sich dann hier etabliert. Und das Spannende ist auch, dass die ersten 1.000 Jahre dürfte das relativ friedlich gewesen sein. Da gibt es keine Befestigungen oder sonst irgendwas. Und nachdem die Einwanderer dann doch mehr geworden sind, weil sie halt besser leben konnten von der Landwirtschaft als die Jäger, da hat es dann immer wieder auch 1.000 Jahre später eben Konflikte zwischen den Ureinwohnern und den Neusiedlern gegeben. Und da findet man dann plötzlich befestigte Siedlungen, zerhackte Leichenteile in den Befestigungen und so weiter, also Knochenteile. Und man sieht, dass sich da jetzt auch gesellschaftlich dann was getan hat. Und Wälder waren eigentlich eben immer nur relativ kleinflächig für das Holz zu nutzen. Man muss sich vorstellen, große, wirklich große Bäume mit hartem Holz hat man mit den damaligen Werkzeugen nur sehr schwer fällen können. Das hat man nur gemacht, wenn es unbedingt notwendig war. Und ansonsten hat man halt wahrscheinlich eher das herumliegende Holz zum Feuermachen zum Beispiel eingesammelt und verwendet. Die Wälder waren ja nicht so gleichaltrig wie heute, sondern man muss sich vorstellen, Eiche, Haselnuss im Wesentlichen, dazwischen Nadelbäume. Und es sind immer wieder tote Bäume herumgelegen, wo man wunderbar mit weniger Arbeit Brennholz machen konnte und nicht riesige Bäume fällen musste, um Brennholz zu haben. Oder fürs Bauholz konnte man durchaus eben sich kleinere Bäume, also schlankere Bäume aussuchen, die man mit so Steinwerkzeugen relativ gut fällen kann. Weil wenn Sie eine Eiche mit zwei Meter Durchmesser mit einer Steinaxt fällen wollen, da steht man sehr lange dabei. -Start. Land. Strom. Doppelfolge. Geschichten aus den Wiener Wäldern. Teil 1. Wollnashorn und Schwarzes Pech.-Die nacheiszeitliche Landschaft in und um Wien war zumindest in der Ebene durchgängig steppenartig, mit einzelnen Buschbereichen und Gehölzinseln, vor allem entlang der Gewässer. Die Donau bei Wien war mehrere Kilometer breit und eine dynamische Auwaldlandschaft. Und lichte Eichenmischwaldgesellschaften bildeten den Wienerwald im engeren Sinn, also den Wald auf den Hügeln am Ostalpenrand. Die Bauern der Jungsteinzeit haben ihre Nutztiere gezielt zur Weide in den Wald geführt und dort, wo es notwendig beziehungsweise möglich war, Wald gerodet, um Acker und Weideflächen zu gewinnen. Die Folgen dieser anthropogenen Einflüsse auf die Waldentwicklung blieben aber lange relativ überschaubar. Wirklich landschaftsprägende Veränderungen durch den Menschen gab es erst sehr viel später, als der Mensch Wälder pflanzte, wo es natürlicherweise keine gab. Spätestens zu Zeiten Maria Theresia's, also Mitte des 18. Jahrhunderts, begann man mit systematischem Waldbau im großen Stil.-Die wirklich großen Wälder in der Ebene sind eigentlich relativ spät entstanden. Die sind einerseits dort entstanden, wo sich irgendwelche Adeligen oder das Kaiserhaus Jagdschlösser eingerichtet haben, im Machfeld zum Beispiel oder Laxenburg, wo dann ganz gezielt eben Wälder entweder entstanden sind oder ausgedehnt worden sind, wenn schon was da war. Ansonsten war eigentlich der Wienerwald immer der Waldbereich, und man sieht es ja heute noch, also in der Ebene gibt es relativ wenig Wald. Und die Waldfunktionen mit Holzproduktion, Jagd und Wildfleisch etc., aber auch natürlich Waldweide, das war eigentlich immer im Wienerwald konzentriert und an den Rändern der Donauauen. Also so in der Ebene ist der erste große Wald, der künstlich entstanden ist oder zugelassen wurde, war dann der große Föhnwald bei Wiener Neustadt, der unter Maria Theresia aufgeforstet worden ist. Es gab früher auch entlang des Wienerwaldrandes, dort, wo der Boden für den Weinbau zu schlecht war, gab es auch die Gemeindeweiden, Hutweiden, wo sich so ein Weidegürtel vom, wenn man jetzt mal südlich der Donau sich das Gebiet anschaut, vom Leopoldsberg, Kalenberg bis eigentlich nach Ternitz durchgezogen hat. Also so ein breiter Korridor an den Abhängen, wo es für den Weinbau nicht mehr interessant war, dort waren dann die Gemeindeweiden. Und mit Ende der Beweidung, so ab den 1930er, 1940er Jahren, wo halt Autos und LKW gekommen sind und man die Pferde und Rinder nicht mehr als Zugtiere gebraucht hat, sind diese Flächen teilweise verbaut worden, teilweise sind sie gezielt aufgeforstet worden, weil man nichts Besseres gewusst hat damit und gesagt hat, ja, dann hat man wenigstens Holz. Und teilweise sind sie einfach auch Wald geworden, weil, wenn sie nicht mehr genutzt, beweidet, gemäht werden, dann kommen halt irgendwann die Bäume. Aber das ist eine relativ junge Entwicklung. Also so wirklich seit Maria Theresia eigentlich kann man sagen, dass in der Ebene im Wiener Becken Wald deutlich zugenommen hat. -Egal, ob im Wienerwald, auf den Hügeln, in den Donauauen oder in den künstlichen Wäldern der Ebene, genutzt wurde Wald vielfältiger und umfassender als heute. Alles, was der Wald zu bieten hatte, wurde verwendet: Laub und Baumfrüchte als Futter, Nadel als Einstreu, jedes Bockerl und jedes Stück Ast als Brennmaterial. Die Schweine und Rinder der Bauern haben im Wald geweidet, Köhler produzierten Holzkohle und Pecher sammelten das Baumharz der Schwarzföhre. Das sogenannte Pech wurde historisch vielseitig genutzt, zum Abdichten von Schiffen und Fässern, als Klebstoff, Wagenschmiere oder für medizinische Zwecke. Für den Adel war der Wald lange nur als Jagdarena und Futterquelle für die späteren Jagdtrophäen interessant. Es galt das Motto "Wild vor Wald". Die Idee, das Holz der Wälder zu Geld zu machen, also "Wald vor Wild", ist erst später aufgekommen, als Ernte und Transport des Holzes durch neue technische Möglichkeiten vereinfacht beziehungsweise überhaupt erst möglich wurden. Und seit jeher war es so, dass sich die unterschiedlichen Nutzungsinteressen immer wieder in die Quere gekommen sind.-Nutzungskonflikte gibt es immer, wo verschiedene Nutzer sind, das ist logisch. Einer der großen Nutzungskonflikte historisch war Jagd und Landwirtschaft. Das heißt, deswegen hat ja Maria Theresia, da gibt es die Berichte, dass also die Schweine, die Weingärten, die Felder verwüstet haben und die Bauern tatsächlich verhungert sind, weil die im Wienerwald die Wildschweine ihnen die Erdäpfel oder was auch immer herausgefressen haben. Und deswegen ist ja unter Maria Theresia sind diese Jagdgebiete entstanden, Leinzer Tiergarten zum Beispiel, die Donauauen, verschiedene sogenannte Tierparks, wo ein Zaun oder eine Mauer rundherum war, das Schwarzwild eingesperrt war, also die Wildschweine eingesperrt waren. Und rundherum hat Maria Theresia den Auftrag gegeben, die Wildschweine auszurotten, um diesen Konflikt zwischen Landwirtschaft und Jagd zu reduzieren. Es ist dann am Anfang auch ein Zaun Richtung Stadt errichtet worden oder heutiger Stadt, also in Richtung Weingärten und eben Vororte, und damit das Wild eben nicht in diese landwirtschaftlichen Produktionsgebiete hereinkommt und da zerstört, weil damals waren ja landwirtschaftliche Produkte relativ knapp, es gab keinen Kunstdünger. Man hat nicht solche Mengen wie heute produziert. Das heißt, man musste sehr genau darauf schauen, dass tatsächlich genug Nahrungsmittel übrig bleiben. Und ein anderer Konflikt war zum Beispiel auch immer Wald, Weinbau, Landwirtschaft, sonstige Landwirtschaft, wo es im Mittelalter der Wiener Wein so gut gehandelt war, dass man teilweise versucht hat, Wälder zu roden, um dort Weingärten anzulegen, aus Getreidefeldern Weingarten gemacht hat. Dann gab es Hungerzeiten, weil es zu wenig Getreide gegeben hat und die Leute sich doch nicht vom Wein alleine ernähren konnten. Also das war immer so ein Hin und Her. Aber der wesentliche Konflikt im Wienerwald war eigentlich immer Landwirtschaft und Jagd bis zu Schöffelszeiten, wo dann eben das Kaiserhaus Geld gebraucht hat und die Idee gehabt hat, man verkauft den Wienerwald, das Holz, das im Wienerwald steht, an einen industriellen.-Aus akuter Geldnot heraus hat das Kaiserhaus das Prinzip Wildvorwalt im 19. Jahrhundert über Bord geworfen. Rund ein Viertel der Fläche des Wienerwaldes wollte man an den Wiener Holzhändler Moritz Hirschl zur Schlägerung verkaufen. Der damalige Bürgermeister von Mödling, Josef Schöffel, hat sich in den Jahren 1870 bis 1872 gegen diese Pläne gestellt und dabei auch aus naturschutzfachlicher Sicht argumentiert. Außerdem konnte er nachweisen, dass das Kaiserhaus das Holz extrem unterpreisig verkaufen wollte. Mehrmals wurde er wegen Ehrenbeleidigung vor Gericht gestellt. Da Schöffels Recherchen aber hieb- und stichfest waren, wurden sämtliche Klagen zurückgezogen. Morddrohungen und Bestechungsversuchen zum Trotz war sein Kampf gegen die geplante Totalrodung letztlich erfolgreich. Die Herrschaft musste das Vorhaben aufgeben und Josef Schöffel wurde zu einem Symbol des Naturschutzes und der Zivilcourage. Das stellte in der Geschichte der Wiener Wälder, aber auch im Allgemeinen für den Umwelt- und Naturschutzgedanken im damaligen Österreich eine Zäsur dar. Auch nach der Rettung durch Josef Schöffel gab es mehrere Pläne und Entwicklungen, die die Existenz des Wienerwaldes, wie wir ihn heute kennen, stark bedroht haben.-Es gab Pläne vor dem Ersten Weltkrieg oder parallel zu Beginn noch, wo ja ein Anstieg der Bevölkerung auf bis zu fünf Millionen prognostiziert war in Wien. Das ist immer noch weit von dem weg, was wir jetzt haben, wo es natürlich Pläne gegeben hat, den Wienerwald auch intensiv zu Siedlungszwecken zu nutzen. Aber das Kaiserhaus war dann sehr rasch vorbei, vier Jahre später, und dann sind auch die Pläne nicht mehr aktuell gewesen, weil dieser Zuzug aus Böhmen, aus Meeren, aus Kroatien einfach nicht mehr stattgefunden hat. Und dadurch ist der Wald dann eigentlich erhalten geblieben und haben wir jetzt nicht irgendwelche großartigen Siedlungen oder Sonstiges im Wald.-Mehr darüber, aber auch zu den Folgen des Klimawandels und was gemacht wird, um Wiens Wälder auch für die Zukunft zu erhalten, hören Sie im zweiten Teil unserer Doppelfolge zu den Wiener Wäldern. Wir dürfen dabei wieder auf die Expertise von Diplomingenieur Alexander Mürklitschka zählen. Für heute vielen Dank fürs Zuhören. Bis bald.-Start. Land. Strom. Streifzüge durch Wiens Kulturlandschaften. Mit den beiden Natur- und Landschaftsvermittlern Andreas Schindler und Karl Schmoll. Umweltgeschichte und Stadtökologie einer Metropole. Das war ein Stadt Wien Podcast.

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