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Gebäudesicherheit im Fokus: Im Gespräch mit einer Werkmeisterin von der Bauinspektion

Stadt Wien

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Sie sind quasi die Schutzengel der Gebäude in Wien: Die Bauinspektion ist ein wesentlicher Bestandteil der Baupolizei. Hier werden Baustellen genauso kontrolliert wie bestehende Gebäude und Kleingärten. Speziell wenn Mängel oder Gefahrdrohende Zustände gemeldet werden, ist die Bauinspektion rasch zur Stelle, um sich ein Bild zu verschaffen und im Ernstfall zügig Maßnahmen einzuleiten. Wir sprechen mit einer Werkmeisterin über ihren Job in einer Männerdomäne und klären auf, wann man von „Gefahr im Verzug“ sprechen kann.

Shownotes:

https://www.wien.gv.at/advuew/internet/AdvPrSrv.asp?Layout=stelle_at&Type=K&stellecd=2012091317031691&STELLE=Y

https://www.wien.gv.at/advuew/internet/AdvPrSrv.asp?Layout=stelle_at&Type=K&stellecd=2012091414462326&STELLE=Y

https://www.wien.gv.at/advuew/internet/AdvPrSrv.asp?Layout=stelle_at&Type=K&stellecd=2012091716213064&STELLE=Y

https://www.wien.gv.at/advuew/internet/AdvPrSrv.asp?Layout=stelle_at&Type=K&stellecd=2014012915093240&STELLE=Y

https://www.toechtertag.at/betrieb/cmp_69316443974720/?companypage=0

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Herzlich willkommen zu einer neuen Folge „BauSache Wien“, dem Podcast der Baupolizei. Mein Name ist Nicole Nestler und ich nehme euch heute wieder mit in die spannenden Themenwelten rund um die Baupolizei. Vielleicht ganz kurz noch für diejenigen, die die erste Episode nicht gehört haben, warum machen wir diesen Podcast? Es soll in erster Linie darum gehen, dass wir ein bisschen erklären, was die Baupolizei so macht, welche Tätigkeitsfelder da reinfallen und einfach generell ein bisschen Transparenz schaffen, sozusagen. Und dementsprechend befasst sich jede Episode mit einem anderen Überthema sozusagen. Ich bin auch heute nicht alleine, denn bei mir ist meine liebe Kollegin, die Martina. Sie arbeitet bei der Bauinspektion in der Gebietsgruppe Süd und ist zuständig für den siebten, den 23. sowie Teile des 10. Bezirks. Liebe Martina, danke, dass du mein Gast für die heutige Folge bist.

Liebe Nicole, ich danke dir, dass ich dabei sein darf. Danke für die Einladung.

Ja, sehr, sehr gerne. Gut, dann starten wir rein ins Thema. Also, immer wenn es in Wien ein Baugebrechen gibt, zum Beispiel ein baufälliges Haus, wo zum Beispiel die Fassade droht abzubröckeln, oder in einer anderen Art und Weise gefahrdrohende Zustände bestehen, ist die Bauinspektion ja zur Stelle. Aber nicht nur das, auch wenn neu gebaut wird, kontrolliert ja die Bauinspektion. Zum Beispiel, ob die bewilligten Pläne korrekt umgesetzt werden oder ob das Gebäude sicher und mängelfrei auch errichtet wird. An Ort und Stelle tätig sind ja die Werkmeister der Baupolizei. Du bist ja eine von ihnen. Und ihr überprüft, dokumentiert und erlasst auch im Fall der Fälle dann Bauaufträge. Martina, du bist ja bereits seit circa 17 Jahren, also März 2008, hast du angefangen, als Werkmeisterin tätig. Erzähl uns doch mal, wie bist du zur Baupolizei gekommen? Wie hat das alles angefangen?

Ich bin ursprünglich gelernte Glasermeisterin. Das heißt, mein Lehrberuf war Glaser, hab hauptsächlich in der Kunstglaserei gearbeitet, also sprich Kirchenfenster, die wunderschönen bunten Verglasungen. Das war eigentlich auch mein Herzblutjob. 

Klingt spannend. 

Ja, sehr spannend, sehr kreativ, ein sehr kreativer Beruf. Im Normalfall kennt man eigentlich nur die normale Verglasung: Fenster, Türen, Ganzglasanlagen. Das gehört aber auch die Kunstverglasung dazu, dass halt viele gar nicht wissen, dass das auch zum Glaserberuf dazugehört. Ich wurde noch speziell in diesem Bereich ausgebildet in Wien, bin sehr dankbar dafür. Es war wirklich eine wunderwunderschöne Zeit. Die Firma ist leider 2005 in Konkurs gegangen, das heißt, ich musste mir dann was anderes überlegen und hab dann eben 2005 bis 2007 die Werkmeisterschule für Bauwesen im TGA in der Plösslgasse gemacht und 2008 habe ich dann bei der MA 37 als Werkmeisterin begonnen.

Ja, das klingt super spannend und abwechslungsreich eigentlich, was du bisher so gemacht hast und erlebt hast. Wie hat sich dein Job so verändert, seit du angefangen hast? Ist er heute komplexer als früher?

Ja, definitiv. Also, wie ich begonnen habe 2008, war es noch so, dass wir Werkmeister alle Bereiche abgedeckt haben. Also sprich, wir waren jetzt nicht nur für die Baustellenkontrolle zuständig und nur ein Teil, so wie es jetzt ist, für den Baubestand, sondern wir haben alles gemacht. Das heißt, wir hatten ein Gebiet. In meinem Fall war das da ein Teil vom 13. Bezirk. Wir waren damals pro Bezirk 2 Werkmeister und jeder hat für sein Gebiet alles abgedeckt. Also sprich, angefangen von den Baustellen bis über Baugebrechen, Kleingarten. Das hat sich dann geändert im Zuge der Umstrukturierung. Da wurden dann eben Dezernate gemacht und unter anderem alle Werkmeister zusammengezogen und auch Referate gebildet. Das heißt, es gibt jetzt verschiedene spezielle spezifische Bereiche. Das heißt, das Referat Baubestand, wo ich tätig bin. Das heißt, das sind alle Gebäude, hauptsächlich alle alten Häuser, alle Häuser, die aufgrund ihrer Bausubstanz auch öfters kontrolliert werden müssen. Also die stehen dann halt ein bisschen mehr im Fokus von uns und dann gibt es das Referat Baustellenkontrolle. Die sind halt für den Bereich zuständig alles, was Baubeginn betrifft, ob alle Unterlagen da sind, die erforderlich sind, die Baustelle den Baubeginn überprüfen, kontrollieren. Sollten Anzeigen sein, müssen die dann auch rausfahren und schauen, entspricht das der Bewilligung, was da draußen gebaut wird, gegebenenfalls halt dann auch in diesem Bereich dann etwas veranlassen. Und dann gibt es noch das Referat Kleingarten, die arbeiten nur für Kleingarten.

Mhm, ja, sehr, sehr vielfältig muss man sagen und sicherlich auch wahrscheinlich gut, dass das jetzt getrennt worden ist, so ein bisschen.

Ich seh das zweischneidig, ja und nein. Ja, du bist halt dann sehr spezifisch untergebracht, also ich kann jetzt noch beide Bereiche, weil ich beides gemacht hab. Wenn du dich aber jetzt für einen Posten oder höherwertigeren Bereich / Posten bewerben willst und in dem anderen Referat wird es mitunter dann schon ein bisschen schwierig, weil du halt nur fachspezifisch arbeitest.

Ok, alles klar

Also, es hat alles seine Vor- und Nachteile. Du bist halt dann enger in deinem Bereich, nicht so vielfältig. Das heißt, du kannst dich mehr spezifischer um deine Themen, deine Thematiken und deine Sachen kümmern, arbeiten damit. Aber es hat halt immer alles Vor- und Nachteile. Also, ich würde jetzt nicht sagen, das eine ist besser als das andere. Es hat ja beides Vor- und Nachteile.

Ja, na, das klingt schon durchaus logisch, so wie du das erzählst. Das gebe ich dir recht. Dein Job ist ja klarerweise, das wird jetzt die wenigsten verwundern, sehr stark Männer dominiert. Frauen bei uns in der Bauinspektion kann man an einer Hand abzählen, denn von 60 Werkmeistern, die bei der Baupolizei beschäftigt sind, gibt es tatsächlich nur 2 Frauen. Umso mehr freut es mich natürlich, dass du heute bei uns bist. Aber wie war beziehungsweise wie ist das für dich, als einzige Frau mit lauter Männern zu arbeiten?

Ich habe nie ein Problem damit gehabt, vermutlich auch daher rührend, weil ich aus einer großen Familie komme und selber 4 Brüder hatte und bei den Nachbarn 6 Burschen waren.

Da ist man dann schon abgehärtet.

Ja, in gewisser Weise ja. Also ich hatte mehr oder minder, bin mit 10 Burschen aufgewachsen, habe selber einen Männerberuf erlernt. Das heißt, auch da war ich das einzige Mädchen und man lernt damit umgehen. Also für mich war das immer viel, viel spannender, die Männerwelt und die Männerberufe, mich haben hauptsächlich immer nur Männerberufe interessiert, von Beginn an. Und ich weiß aber, dass diese Scheu, sich in einen Männerberuf hinein zu trauen, für manche Mädels sehr wohl ein großes Thema sind. Dazu möchte ich sagen, traut euch, ja, nicht viel nachdenken, wenn ihr das Gefühl habt, ihr wollt in einem Männerbereich arbeiten, dann tut das einfach. Alles andere kommt von ganz von alleine. Also, es ist nicht so schlimm, wie manchmal vermutet, dass die Männer alle jetzt ur böse sind. Na, gar nicht. Also, ich hab eigentlich größtenteils nur gute Erfahrungen gemacht mit meinen Kollegen. Also, ich bin sehr, sehr gut aufgehoben, sei es jetzt in früheren Zeiten in der Glaserei, als auch jetzt da mit meinen Werkmeisterkollegen. Also, es ist ein anderes Arbeiten für mich, so wie ich es empfinde, ein entspannteres Arbeiten. Ein nicht so Hinterrucksreden, sondern die Männer sagen da, das passt mir, das passt mir nicht, größtenteils. Es gibt Ausnahmen, natürlich auch. Damit kann ich besser umgehen. Also das ist mir persönlich lieber.

Mhm, ja, aber ist schön zu hören, dass das für dich eigentlich so gut passt.

Für mich total. Also das ist, ich hab es nie bereut, dass ich diesen Weg eingeschlagen hab und dass ich diesen Weg geh. Also für mich ist das perfekt, ja.

Ja, aber wie gesagt, nochmals dann danke auch, dass du dir die Zeit heute nimmst, weil ich denke, wenn man so Leute wie dich dann auch sichtbar macht, dann kannst du ja ein super Vorbild sein, eben für Frauen und Mädchen, die sich vielleicht eben auch in die Richtung interessieren, aber einfach nicht drüber trauen.

Gerne, jederzeit, auch wenn irgendwo einmal Fragen auftauchen oder ein Mädchen in den Bereich hinein gehen möchte und Fragen hat. Ja, ich hab auch kein Problem, wenn ein bisschen Luft ist, dass ich mich paar Minuten hinsetz und auch ein paar Fragen oder Themen, die vielleicht auftauchen, die nicht klar sind, dass ich das auch gerne erklär. Es ist ein wunderschöner Job, also und auch Mädchen können das machen.

Ja, davon geh ich auch aus. Ja, absolut. Kurze Werbung, vielleicht auch an dieser Stelle, die Martina ist auch super engagiert, immer beim Töchtertag, also die Baupolizei macht da auch immer fleißig mit und da können eben auch interessierte Schülerinnen einen Einblick bekommen und da warst du auch wirklich schon mal dabei und hast dann den Mädels so ein bisschen gezeigt, was sind Baugebrechen, worauf schaust du und ich find das cool, dass du da auch als Role Model ein bisschen auftrittst.

Töchtertage hatten wir schon ein paar und es ist immer unterschiedlich, manche Mädels interessieren sich mehr, manche weniger, aber es ist soweit ich das empfunden hab, war dir das Interesse teilweise schon sehr da und die Mädels haben auch nachgefragt und gefragt: 'Was mach ich? Was machst du? Wie läuft so ein Tag bei dir ab?' Also, wir haben auch versucht, den jungen Mädchen das zu erklären, wie es so bei uns abläuft, jetzt nicht nur in der Funktion einer Werkmeisterin, sondern auch in den Funktionen von Bewilligungsdezernaten. Auch in dieser Richtung, da gibt es ja auch sehr viele Frauen, die bei uns mehr als bei uns Werkmeister, die in diesem Bereich arbeiten. Also es gibt viele Bereiche, es muss ja nicht unbedingt jetzt der Werkmeisterbereich sein. Es gibt auch andere Bereiche bei uns, die sehr interessant sind und ich denk für Mädchen, ja traut euch, traut euch einfach, machts!

Das ist doch ein sehr guter Aufruf an dieser Stelle. Ja, perfekt. Dann gehen wir mal weiter. Ich wollte nämlich auch noch fragen, wie kann man sich so einen Standard-Arbeitstag von dir vorstellen, also bist du täglich im Außendienst oder überwiegen die Bürozeiten für Aktenvermerke und Co.? Also wie ist ein Arbeitstag bei dir?

Unterschiedlich. Also es gibt Tage, da bin ich sehr viel draußen. Im Moment ist es jetzt so, dass ich sehr viel drinnen bin. Also wir haben auch sehr viel Schreibarbeit zu tun. Im Großen und Ganzen, wenn jetzt eine Anzeige mal einkommt, sei es jetzt, es wird bei uns angezeigt, dass bei einem Gebäude Baugebrechen sind, weiß ich, zum Beispiel ein Teil der Fassade oder vom Gesimse ist schadhaft und ist bereits abgestürzt, dann müssen wir halt sofort rausfahren und schauen, weil da könnten Personen, die am Gehsteig gehen, verletzt werden. Das heißt, ich fahr dann in so einem Fall raus, schau mir das Ganze an. Wenn etwas zu sichern lassen ist und ich erwisch niemand von den Eigentümern, dann versuch ich es noch bei der Hausverwaltung. Ansonsten muss ich mir halt, wenn dort irgendeine Gefährdung wäre für Passanten, die da am Gehsteig gehen, mir dann halt noch andere Magistratsabteilungen dazu ziehen. Das heißt, es kann die MA 25 sein, die dann so quasi notstandspolizeiliche Maßnahmen setzt, die lockeren Teile von der Fassade vom Gesimse abschlägt. Wir das dort dann sichern lassen können, eventuell dann auch noch abschranken lassen mit einer anderen Magistratsabteilung auf Kosten der Eigentümer. Das heißt, die Kosten, die da entstehen, bekommen dann die Eigentümer vorgeschrieben. In weiterer Folge schreib ich dann so quasi eine Mitteilung oder Vorhalt, wie wir das nennen, wo dann die Eigentümer in Kenntnis gesetzt werden, was dort an Mängeln bei dem Gebäude vorhanden sind, weil jeder Eigentümer Miteigentümer ist verpflichtet, die Baulichkeit im bauordnungsgemäßen Zustand zu erhalten. Und in weiterer Folge bekommen dann die Eigentümer Miteigentümerinnen dann den Auftrag, das mittels Bescheid das dann in einer gesetzten Frist, so dass es auch in technischer Hinsicht durchführbar ist, zu sanieren. Und nach dieser Frist müssen wir dann halt auch überwachen, ob das jetzt durchgeführt worden ist, ob die Sachen saniert worden sind und wenn nicht, dann halt weitere Schritte wie Ersatzvornahme, Antrag oder Strafanzeige dann auch weiterstellen.

Immer wieder tauchen in den Nachrichten ja auch Häuser auf, die aufgrund ihrer Bausubstanz und ihres Alters als desolat betitelt werden. Oft wohnen in solchen Häusern Menschen unter eher widrigeren Bedingungen. Welche Möglichkeiten gibt es da von Seiten der Bauinspektion einzugreifen?

In diesem Fall, also wenn wir Kenntnis erlangen, dass eben Gebäude aufgrund ihres Alters, weil es gibt noch sehr viele Gründerzeithäuser, die eben um 1900, 1910 errichtet sind, da ist natürlich die Bausubstanz dann mitunter nicht mehr so gut beisammen wie bei einem Neubau, der jetzt vor 20 Jahren oder jetzt neu errichtet wird. Das heißt, da sind wir schon angehalten, dass wir dann rausfahren, uns die Gebäude anschauen, die ganzen Baugebrechen aufnehmen und eben den Eigentümern so einen Bauauftrag erteilen, diese Schäden, diese Mängel, diese Baugebrechen, eben wieder instand zu setzen. Und in weiterer Folge wird das dann eben auch überwacht von uns, ob die Gebrechen wirklich behoben worden sind nach Ablauf der gesetzten Frist. Und falls das nicht der Fall ist, dann werden weitere Maßnahmen gesetzt, sprich wir schicken das Ganze dann zur Ersatzvornahme an die MA 25 und gleichzeitig wird dann auch ein Strafantrag gemacht, ja.

Weil es im Gespräch öfter vorkommt, möchte ich auch noch kurz eine Erklärung von meiner Seite einwerfen. Die MA 25 ist die technische Stadterneuerung. Im weiteren Gespräch wird auch noch die MA 64 erwähnt. Diese ist unter anderem für Baurecht beziehungsweise Baustrafen in Wien zuständig. Was können Leute tun, wenn sie in einem solchen desolaten Haus wohnen und die Zustände immer schlimmer werden? Also, welche Stellen sollen die Leute dann kontaktieren?

Es kommt jetzt immer drauf an, um was geht es genau. Also, wenn wirklich Baugebrechen sind in dieser Art, dann können sie sich gerne an uns wenden. Am besten uns einfach eine E-Mail schicken mit Name, Adresse, worum es geht. Fotos sind sehr gut, dann können wir uns einmal einen ersten Überblick verschaffen, ist dort eine Gefährdung vorhanden, so dass wir gleich was tun müssen oder haben wir ein bisschen Zeit, dass wir nicht sofort rausfahren müssen. Das ist für uns einmal für die Ersteinschätzung sehr wichtig, das wäre sehr gut. Und dann kommt es immer drauf an, mietrechtliche Themen, da haben wir natürlich keine Handhabe, auch keine rechtliche Grundlage. Das wäre dann entweder privatrechtlich zu klären oder vielleicht mit dem, sagt man, Mieterschutz… 
Mieterhilfe und Co. 

Mieterhilfe, also sich an diese Stellen zu wenden. Aber wenn es um Baugebrechen geht oder bauliche Änderungen, wo Zubauten gemacht werden, Umbauten gemacht werden, wo man nicht sicher ist, ob das bewilligt wurde oder nicht. Also, das sind alles so Dinge, die man bei uns melden kann, per E-Mail am besten, und wir schauen uns das dann an.

Mhm, OK. Was baut ihr da genau von den Leuten für eine Anzeige? Du hast das eh schon kurz angeschnitten, aber vielleicht noch mal, um da ein bisschen konkreter zu werden. Also, Adresse, Fotos und am besten immer schriftlich, oder? 

Am besten immer schriftlich. Also wichtig ist einmal, wo ist das Ganze, die Adresse, vor allem die genaue Adresse. Ja, also wenn jetzt dort steht, Gasse X. Y., ist mir das zu wenig, wir können jetzt nicht eine ganze Gasse ablaufen und schauen, ob dort irgendwo jetzt irgendwelche Gebrechen sind. Diese Kapazitäten haben wir nicht. Also ich brauch wirklich eine genaue Adressangabe, also die Straße, Gasse plus die Hausnummer. Ja, dann wichtig wäre, wenn vorhanden, einen Ansprechpartner, also Name, Telefonnummer, auch vom Anzeigenleger, Legerin, Telefonnummer, falls wir Rückfragen haben, dass wir auch anrufen können. Die Daten werden alle vertraulich behandelt. Also, man braucht sich keine Sorgen machen, aber für uns ist es oft nicht unwichtig, dass wir nachfragen können, wenn irgendetwas nicht ganz klar ist. Und dann ist es einfacher, ich mach einen Anruf als ich muss jetzt wieder ein Mail schreiben und dann wird nur mit Mail hin und her geschrieben. Ist für uns viel zeitaufwendiger und zeitverzögernder, als wenn ich einen kurzen Anruf mach und das in vielleicht 5 Minuten klären kann, was ich noch brauche oder was mir noch an Daten fehlt.

Ok, du hast mir auch einmal in Vorgesprächen ein bisschen erzählt, dass vielen Leuten ein bisschen das Verständnis fehlt, was ein dringendes Baugebrechen ist, das im Idealfall sofort behoben gehört und was jetzt Baugebrechen sind, die nicht sofort gerichtet gehören, die aber natürlich trotzdem jetzt auch nicht zu vernachlässigen sind. Vielleicht wollen wir darauf auch noch ganz kurz eingehen.

Ja, sehr gerne. Es wird leider Gottes sehr oft der Begriff Gefahr in Verzug sehr leichtfertig verwendet. Fast in jeder 2., 3. Anzeige steht irgendwo drinnen Gefahr in Verzug. Dazu würde ich gern sagen, es ist nur weil jetzt irgendwo ein Baugebrechen ist, bedeutet das nicht sofort Gefahr in Verzug. Gefahr in Verzug bedeutet, wenn unmittelbar droht, dass etwas passiert. Also sprich, wenn bei einem Gebäude Risse sind und es droht wirklich da gröbere standsicherheitstechnische Probleme, dass da auftauchen könnten, dann müssen wir sofort agieren. Oder wie vorher erwähnt, bei einer Fassade, wo das Gesimse bereits abgestürzt ist. Dann kann sein, dass ich dort wirklich eine Gefährdung habe. Das wäre vielleicht wirklich Gefahr in Verzug, dass dann noch lockere Verputzteile sind, die runterfallen können, ja. Wenn jetzt irgendwo einfach nur ein kaputtes Hoffenster ist, ist das nicht unbedingt Gefahr in Verzug. Ja, das ist schadhaft, ist zum Reparieren, aber da habe ich jetzt keine unmittelbare, mitunter nicht immer unbedingt eine unmittelbare Gefährdung.

Wenn das jetzt spitz ist und man kann sich dran schneiden.

Dann wäre es wieder Gefährdung, dass uns melden, dann können wir das zumindest weitergeben oder rausschauen und etwas veranlassen. Das dann natürlich, wenn das in einer Höhe ist, wo speziell Kinder sich verletzen können oder auch Tiere verletzen können, auf alle Fälle uns melden, wenn möglich ein Foto dazu geben, dann können wir das schon einmal einschätzen, das schauen wir uns natürlich sofort an und werden sofort agieren, wenn etwas zu veranlassen ist. Aber diesen Begriff „Gefahren in Verzug“ wird leider Gottes sehr oft sehr schnell und leichtfertig verwendet.

Ja, und ich denke, es ist wichtig, dass wir auch darüber sprechen, weil im Endeffekt ist ja da auch dann niemanden geholfen, wenn bei euch da quasi Terror gemacht wird und am Ende des Tages dann vielleicht keine Kapazitäten da sind für wirklich gefährliche Zustände.

Es gibt in jeder Gebietsgruppe, in jeder Bauinspektion, gibt es immer 2 diensthabende Werkmeister, wenn irgendwelche akuten Themen sind, Gefährdungen sind, die halt dann wirklich rausfahren. Das ist auf alle Fälle da. Also wir sind immer von 07:45 Uhr bis 17:00 Uhr und in dem restlichen Zeitraum ist dann so quasi der Permanenzdienst zuständig, der sich dann drum kümmert. Das heißt, wenn Themen sind, nicht scheuen, schickt uns ein E-Mail mit Foto. Wir haben dann eine Ersteinschätzung, wir können schauen, ist dort wirklich eine Gefährdung und wenn wirklich eine Gefährdung ist, fahren wir natürlich sofort raus und schauen uns das an und werden weitere Schritte beziehungsweise Maßnahmen setzen.

Ja, dafür seid ihr auch da, ihr seid ja die Expertinnen und Experten. Wie viele Meldungen, habt ihr da so pro Tag, kann man das irgendwie einschätzen?

Das ist unterschiedlich, also ich kann jetzt nur mal von mir reden, es ist unterschiedlich, manchmal hast du mehr Anzeigen, manchmal weniger, aber im Moment gehen bei mir so 2, 3 Anzeigen pro Tag ein. Also das ist schon doch eine ziemliche Menge, weil ich ja nicht nur eine Anzeige habe und ich mach dort einen Vermerk und das ist erledigt, sondern ich muss mir das Ganze mal anschauen, ich muss rausfahren, ich muss schauen, was ist dort wirklich, ich nehme das auf, ich muss dann mitunter eben einen Vorhalt verfassen. Ich muss mir aus dem Archiv Pläne holen, um das Ganze zu vergleichen. Was ist dort wirklich draußen vor Ort? Was steht draußen vor Ort? Was ist bewilligt? Wenn Baugebrechen sind, dann das Ganze zusammenschreiben, in einen Vorhalt verfassen. Also, es steckt auch eine Menge an Arbeit dahinter und 3 Anzeigen klingen vielleicht jetzt nicht viel, aber das kann mitunter doch eine längere Geschichte auch werden.

Ja, das glaube ich.

Und dann gibt es auch wieder Tage oder Wochen, wo keine Anzeige eingeht oder nur sehr wenig eingeht. Das ist halt immer unterschiedlich.

Mhm, mhm, spannend, vielleicht auch durch die kalte Jahreszeit dann bedingt, oder?

Möglich. Also, das ist schwer zu sagen.

Ok. Wenn jetzt jemand komplett unkooperativ und uneinsichtig ist und jetzt sein Haus verfallen lässt oder von euch beauftragten Maßnahmen quasi nicht nachkommt, habt ihr dann auch die Möglichkeit Strafanträge zu stellen, richtig?

Ja, das ist richtig. Das heißt, wenn wir einen Bauauftrag rausgegeben haben an die Eigentümer Miteigentümerinnen, müssen wir den dann nach Ablauf der Frist dann noch überprüfen, ob jetzt die im Bescheid beauftragten Maßnahmen oder Mängelbehebungen durchgeführt worden sind oder nicht. Und ist das nicht der Fall, dann stellen wir eben diesen Ersatzvornahmeantrag bei der MA 25 und auch gleichzeitig einen Strafantrag bei der MA 64 und mittlerweile sind teilweise die Strafen schon sehr, sehr hoch. Also es zahlt sich nicht aus, die Dinge nicht zu machen, weil die Strafen teilweise wirklich sehr, sehr hoch sind. Also ich hatte vor einigen Jahren eine Hoftüre, da waren 1 oder 2 Glasscheiben kaputt und ich weiß jetzt nicht mehr genau, aber um die 600, 700€ Strafe. Also da kann man die Fensterscheibe schon ein paar Mal verglasen lassen und das war jetzt nur eine einfache Einfach-Verglasung. Ja, nichts Aufwendiges, nichts Aufwendiges. Also dementsprechend kann man sich dann noch ein bisschen ausrechnen, wenn jetzt gravierende Geschichten sind, wie ein Haus komplett verfallen lassen mit schadhaften Fassaden im Hof, straßenseitig, im Stiegenhaus, wenn die Fenster nicht saniert werden oder einfach total kaputt sind und die Eigentümer nichts tun. Das kann wirklich richtig, richtig teuer werden.

Zahlt sich nicht aus.

Nein, definitiv nicht.

Liebe Martina, nochmals vielen Dank, dass du heute die Zeit genommen hast. Es war finde ich eine super spannende Folge und super, super spannende Einblicke auch in deine tägliche Arbeit.

Vielen lieben Dank für die Einladung.

Sehr gerne. Für alle, die noch mehr über das Thema wissen wollen, möchte ich auf die Shownotes verweisen. Da werden wir euch einige Informationen und auch den Kontakt zu den jeweiligen Bauinspektionen in den Gebietsgruppen verlinken und auch weitere Informationen zum Töchtertag, falls das für euch interessant ist. Ja, dann sage ich vielen Dank wieder fürs Dabeisein, fürs Zuhören und wir freuen uns schon auf die nächste Episode und hoffen, dass ihr auch wieder mit dabei seid.

 

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