Stadt Wien Podcast
Ein Podcast von und für alle Menschen, die in Wien leben. Hier hörst du Stimmen aus der Stadt zu relevanten Themen, die Wien bewegen.
Stadt Wien Podcast
Schlüsselbox statt Meldezettel: Wie die Baupolizei gegen illegale Kurzzeitvermietung vorgeht
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Im Juli 2024 hat die Stadt Wien die Regelungen für Kurzzeitvermietungen über Plattformen wie Airbnb und Booking verschärft. Zur selben Zeit wurde bei der Baupolizei das „Referat Kontrolle Kurzzeitvermietung“ gegründet. Georg ist einer der Mitarbeiter*innen des Referats- er erzählt uns, wie er überhaupt zur Baupolizei gekommen ist und wie sein beruflicher Alltag so aussieht. Aber damit nicht genug: Warum Airbnb und Co. so beliebt sind, was die Kolleg*innen bei ihren Kontrollen erleben und warum sogar (internationale) Fernseh-Teams ihre Arbeit begleiten wollen, verraten wir ebenfalls in dieser Episode!
Shownotes:
https://www.wien.gv.at/pdf/ma37/merkblatt-verwendung-wohnungen-kurzzeitvermietung.pdf
https://www.wien.gv.at/pdf/ma37/faq-verwendung-wohnungen-kurzzeitvermietung.pdf
https://www.wien.gv.at/wohnen/ausnahmebewilligung-kurzzeitvermietung
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Herzlich willkommen bei „Bausache Wien“, dem Podcast der Baupolizei. Mein Name ist Nicole Nestler und ich bin in der Öffentlichkeitsarbeit tätig und darf euch durch die heutige Folge begleiten. Heute möchten wir über ein spannendes Thema sprechen, nämlich die Kurzzeitvermietung auf Plattformen wie Airbnb, Booking.com und Co. Was ist überhaupt Kurzzeitvermietung? Man liest das so oft in den Medien, aber eigentlich wissen vielleicht viele von euch gar nicht genau, was das überhaupt ist. Also grundsätzlich ist die Kurzzeitvermietung die Vermietung von möblierten Wohnungen oder auch Zimmern für wenige Tage oder auch Nächte. Meistens sind es Touristinnen und Touristen oder aber auch Studentinnen und Studenten oder auch Personen, die aus Arbeitsgründen in der Stadt sind und die einfach für einen kurzen Zeitraum ein Zimmer oder auch eine Wohnung mieten möchten. Die Abwicklung erfolgt meist über digitale Plattformen wie eben Airbnb oder auch Booking. Doch Kurzzeitvermietung ist an und für sich auch durchaus umstritten, denn das Problem, das viele Stadtregierungen auch damit haben, ist, dass Kurzzeitvermietungen Überhand nehmen und somit auch weniger Wohnraum für die ansässige Bevölkerung zur Verfügung steht. Seit Juli 2024 gibt es strengere Regelungen in der Wiener Bauordnung, die die Kurzzeitvermietung eindämmen sollen. Damit auch wirklich sichergestellt wird, dass diese Regelungen eingehalten werden, gibt es eben seit Juli 2024 auch das Referat Kontrolle Kurzzeitvermietung bei der Baupolizei. Und einer von diesen 7 Kontrolleurinnen und Kontrolleuren, die die Touristinnen jetzt regelmäßig aus den Betten klingeln, ist der liebe Georg. Danke, dass du dir heute Zeit genommen hast, mit uns über das Thema Kurzzeitvermietung zu sprechen.
Gerne, Nicole.
Aber Georg, jetzt erklär uns doch mal kurz am Anfang, damit wir da Licht ins Dunkel bringen. Was darf man überhaupt noch und was darf man nicht in puncto Kurzzeitvermietung?
Na ja, grundsätzlich ist für die Nutzung einer Wohnung, wohlgemerkt nur einer Wohnung in Kurzzeitvermietung eine Wohnsitzmeldung nötig. Also eine Hauptwohnsitz-, eine Nebenwohnsitz- oder eben eine Obdachlosenwohnsitzmeldung ist nötig. Also grundsätzlich eine Wohnsitzmeldung ist erforderlich, sonst darf ich die Kurzzeitvermietung in der betreffenden Wohneinheit gar nicht durchführen, nicht einmal einen Tag.
Erzähl uns doch kurz ein bisschen was über dich. Seit wann bist du beim Referat Kontrolle Kurzzeitvermietung und wie hat das genau alles angefangen?
Also, seit gut einem Jahr bin ich jetzt beim Referat Kontrolle Kurzzeitvermietung. Wie hat es angefangen, wie oftmals im Leben, mit einer Bewerbung. Und ich muss da sagen, eigentlich mit einer Bewerbung, die ich fast weglegen wollte, weil mir das Thema ein bisschen unspezifisch erschien am Anfang und ich mir gedacht hab, was möchte die MA 37 denn eigentlich von mir als Mitarbeiter? Und das Aufgabenfeld war aber so interessant, dass ich mir gedacht habe „Bewirbst du dich einfach und hörst dir einmal an, was sie zu sagen haben“. Ja, das hab ich dann auch gemacht und wurde auch eingeladen. Und ja, das Bewerbungsgespräch lief gut und war äußerst informativ. Der Themenbereich, der Arbeitsbereich, ist äußerst interessant gewesen und so bin ich dann eben zur MA 37 gekommen.
Und ist das Thema Airbnb an und für sich eines, das dich auch vorher schon stark interessiert hat?
Ich hab das Thema Airbnb immer wieder wahrgenommen oder Booking.com. Es gibt ja verschiedene Plattformen. Ich hab es ehrlich gesagt selber nie in Anspruch genommen, weil ich halt nach alter Schule, wenn ich wohin gefahren bin, hingeflogen bin, wo ich ein eine Unterkunft gebraucht hab, dann bin ich halt den klassischen Weg zum Hotel gegangen. Aber natürlich sind mir diese neuen Plattformen aufgefallen. Also, ich hatte schon am Anfang, als ich hier angefangen hab, eine Vorstellung davon. Was tut Airbnb, was tut Booking.com, was machen diese anderen Plattformen?
Wie können sich die Zuhörerinnen einen Arbeitstag von dir vorstellen? Also, wie startest du, was machst du genau?
Die Tage können unterschiedlich verlaufen, aber es sind grundsätzlich 3 wesentliche Elemente in der Arbeit, die ich und die meine Kollegen, Kolleginnen durchführen, vorhanden. Und zwar diese 3 Elemente sind im Prinzip die Internetrecherche, die Planeinsicht und die Außendienste. In der Internetrecherche ermitteln wir, welche Angebote, welche Inserate im Internet vorhanden sind und versuchen sie entsprechenden Wohnungen, Gebäuden zuzuordnen. Bei der Planeinsicht gehen wir ins Archiv der MA 37 und schauen dort nach, was ist der letztbewilligte Plan für die Liegenschaft für das Gebäude. Sprich, was hat die Behörde als Allerletztes dem Eigentümer erlaubt? Was hat sie gewidmet? Und das ist für uns dann die Basis auch für weitere Handlungsschritte. Wenn jetzt zum Beispiel herauskommen würde, dass Kurzzeitvermietung in einem Lager stattfindet, dann wäre das zum Beispiel ein Vergehen im Sinne des Paragraphen 129 Absatz 1 der Bauordnung für Wien und zwar dass eben ein Lager als Wohnung, in dem Fall in Kurzzeitvermietung, verwendet wird. Der Paragraph würde aber auch Anwendung finden, wenn ich sage: Ich habe in einem Büroraum, der als Büro gewidmet ist, einen Kindergarten. Auch das wäre nicht erlaubt. Und der dritte Punkt, den wir natürlich behandeln, das sind die Außendienste und die Außendienste dienen natürlich dazu, dass ich das in der Internetrecherche erhobene und auch das, was ich in der Planeinsicht schon gesehen habe, dass ich das mit der tatsächlichen, mit den tatsächlichen Verhältnissen vor Ort in Einklang bringe. Also sprich, ich habe eine Vorstellung von einer Wohnung bei einer Internetrecherche. Ich finde diesen Grundriss bei dem fraglichen Gebäude im Archiv, finde ich die aktuellen Pläne, weiß was die Nutzungseinheit ist, zum Beispiel eine Wohnung. Und im dritten Schritt gehe ich dorthin und stelle fest, ob das, was ich glaube oder was die Behörde glaubt, was es sein soll, ob das tatsächlich den Tatsachen entspricht. Und dann sehe ich weiter, wie ich verfahren kann. Vielleicht in manchen Fällen löst sich der Sachverhalt oder der Vorwurf in Luft auf, weil eine Bewilligung vorliegt, weil die Wohnung vielleicht gar keine Wohnung mehr ist, zum Beispiel eine Beherbergungsstätte, und dann ist natürlich die Anzeige obsolet. In anderen Fällen kommt man drauf, dass es vielleicht Kurzzeitvermietung gibt in einer Wohnung oder dass diese Nutzungseinheit vielleicht gar keine Wohnung ist. Das könnte auch sein.
Aber der Großteil der Anzeigen ist eigentlich schon sehr oft so, dass es sich dann bewahrheitet, dass es eigentlich illegale Kurzzeitvermietung ist oder?
Ja, in den meisten Fällen bewahrheitet sich zumindest, also in fast allen Fällen bewahrheitet sich die Kurzzeitvermietung und in sehr vielen Fällen kommen wir drauf, dass entweder die Ausnahmebewilligung nach dem Paragraph 129 1a fehlt oder aber, dass keine Umwidmung - eine andere Möglichkeit für die Eigentümer wäre - dass keine Umwidmung stattgefunden hat. Und das ist dann ein Problem, wenn wir bei einer Wohneinheit, bei einer Nutzungseinheit, über die bekannten 90 Tage, also das Homesharing, hinauskommen.
Kurzer Disclaimer an dieser Stelle, ich sag sehr oft Airbnb, aber gemeint sind natürlich sämtliche Buchungsplattformen für Wohnungen zur Kurzzeitvermietung. Du hast es eh schon vorhin erwähnt, ein großer Teil deiner Aufgaben besteht natürlich in der Erhebung vor Ort. Wie ist das mit den Touristinnen und Touristen? Du musst ja da wirklich die teilweise auch aus dem Bett läuten, sozusagen, und dann um Buchungsbestätigungen bitten. Gab es da auch schon mal Probleme? Sind die Leute kooperativ oder gab es da irgendwie auch unangenehme Situationen für dich?
Ja, es ist ein Teil der Arbeit, das stimmt, dass man oder ich beginne meistens um 7 Uhr in der Früh, weil ich könnte vielleicht früher anfangen ab 6, aber ich möchte die Leute auch nicht zu sehr quälen, weil ich selbst manchmal im Urlaub bin und natürlich weiß, wie unangenehm das ist. Und ja, es ist erforderlich, dass ich die Leute dann antreffe, wenn ich vermuten kann, dass sie definitiv in der Wohneinheit, in der Nutzungseinheit, sich befinden. Wenn ich um 12 Uhr Mittag komme und ich gehe davon aus, dass es Touristen sind, dann muss ich davon ausgehen, dass die zu Mittag sich Wien, die Stadt, anschauen, unterwegs sind, so wie ich es auch machen würde, wenn ich Tourist wäre. Und das ist eben der Grund, warum wir in der Früh so früh die Leute, ich möchte fast sagen, quälen müssen. Wir müssen aber, wir machen ja den Touristen, also dem Kurzzeitmieter keinen Vorwurf. Der Vorwurf gilt immer nur dem Kurzzeitvermieter, also entweder demjenigen, der diese Wohneinheit angemietet hat, um Kurzzeitvermietung zu machen, oder dem Eigentümer, wenn es der Eigentümer selbst ist und das macht. Und in diesen Zusammenhängen, ja, kommt es manchmal vor, dass der oder die unglücklich sind, möchte ich sagen, damit dass sie um 7 Uhr herausgeläutet werden. Aber die allermeisten Personen sind sehr freundlich, sind verständnisvoll und auch kooperativ. Natürlich gibt es auch welche, es gibt auch Personen, die sagen: „Wer sind Sie? Was wollen Sie? Ich glaub Ihnen nicht, dass Sie von der Baupolizei sind. Ich möchte Ihnen keine Auskunft geben.“ Andere machen die Tür gleich gar nicht auf. Es hat auch schon Fälle gegeben, da wurde die Polizei gerufen, was uns jetzt von der Baupolizei recht wenig stört, weil ja die Polizei informiert ist und die gerne auch Amtshilfe leisten und auch unsere Arbeit gerne den Touristen erklären. Ich persönlich handhabe das auch immer so, ich offeriere den Leuten die Möglichkeit, dass sie die Polizei jederzeit, auch dass ich sie beiziehe, und dann haben die Leute die Möglichkeit, ganz frei zu entscheiden, wollen sie mir eine Auskunft geben, wollen sie es nicht? Möchten Sie mir nur eine Auskunft geben, wenn die Polizei zugegen ist? Alles kein Problem, ist alles schon vorgekommen. Aber es gibt halt auch andere, die sagen „ich rede mit Ihnen nicht“ und hauen einem die Tür vor der Nase zu. Das muss man dann auch akzeptieren und das darf man nicht persönlich nehmen.
Ihr habt ja sonst sowieso auch die Möglichkeit, eine Ortsaugenscheinverhandlung auszuschreiben und dann wird euch der Zutritt zur Wohnung gewährt, richtig?
Das ist richtig, ja. Also würde ich jetzt bei einer bestimmten Wohnung immer und immer wieder nicht hineinkommen, hätte aber einen begründeten Verdacht, dass dort Kurzzeitvermietung stattfindet, so könnte ich eine Ortsaugenscheinverhandlung anberaumen. Das ist eine mündliche Verhandlung vor Ort und in diesem Zusammenhang im Zuge dieser Verhandlung ist der Eigentümer der Wohnung oder der Liegenschaft - und oder - verpflichtet, die Wohneinheit beziehungsweise das ganze Gebäude der Behörde zur Einsicht zur Verfügung zu stellen. Also er muss dann die Türen des Gebäudes und der Wohnungen öffnen. Tut er oder sie, tun sie das nicht, dann gibt es eine Verwaltungsstrafe.
Und sonst hat man auch immer die Möglichkeit, einfach in 2 Wochen zum Beispiel noch mal zu kommen, dann sind ja eh andere Leute wahrscheinlich vor Ort.
Ja genau, das ist, das ist der einfachste Weg, der Weg des geringsten Widerstandes und des geringsten Aufwandes, weil eine Ortsaugenscheinverhandlung, die braucht gewisse Vorlaufzeiten, da werden auch verschiedene Parteien dann geladen. Am einfachsten ist, man nimmt zur Kenntnis, dass einem der Gast jetzt keine Auskunft gegeben hat, notiert, dass einer da war und kommt nach 2, 3 Tagen, einer Woche, 2 Wochen wieder. Da trifft man dann vielleicht jemand anderen, der dann kooperativer ist.
Warum glaubst du eigentlich, sind Plattformen wie Airbnb und Co überhaupt so beliebt, nämlich gleichermaßen bei Touristen, aber auch bei Vermietern?
Da kann ich fast nur ein bisschen spekulieren. Ja, aber ich hab da einige Hinweise gefunden von denen ich glaube, dass sie recht zutreffend sind. Erstens einmal bei Airbnb, aber auch bei Booking.com, vor allem bei diesen beiden, ist es so, das sind weltweit agierende Plattformen. Ich kann in Wien, ich kann in Tokio, ich kann in New York, wo auch immer, kann ich über Airbnb und Booking.com zuverlässig eine Wohnung, eine Unterkunft buchen. Das ist einmal der große Vorteil. Ich hab ein riesiges Angebot, die Handhabung der Website ist vergleichsweise leicht. Also man braucht da kein Genie zu sein und kein Experte in IT- Nutzung, um das hinzukriegen. Es ist einfach. Ja, und das sind dann oft Gründe, warum ich zumindest annehme, dass diese Plattformen sehr gern genommen werden. Ein Hinweis vielleicht auch noch, oftmals kommt es auch vor, dass größere Anbieter von Kurzzeitvermietung sich eine eigene Webseite erstellen lassen, schon allein deswegen, weil man dort dann entscheiden kann, welche Informationen über die Liegenschaft oder die Mietobjekte werden preisgegeben oder nicht. Bei Airbnb oder bei Booking.com gibt es Mindestangaben, die man eben setzen muss und da kommt man nicht aus. Bei der eigenen Webseite kann ich das alleine steuern.
Aber es ist sicherlich auch ein großer Punkt, das kontaktlose eigentlich oder? Also man muss ja nicht einmal eine Rezeption betreiben, wie es jetzt bei einem Hotel der Fall ist, sondern man hat eigentlich als Vermieter jetzt kaum Aufwand.
Das ist, das stimmt ja. Man muss auch sagen, es ist ja die Kurzzeitvermietung, wenn man jetzt das rein monetär sieht, ist sie natürlich lukrativer, weil ich bekomme deutlich mehr pro Quadratmeter, wenn ich Kurzzeit vermiete, als wenn ich das jetzt an dich oder mich in Dauermiete vergebe. Und das allein ist schon ein Punkt, der es sehr attraktiv und interessant macht, die Kurzzeitvermietung. Selbst wenn es ein bisschen kompliziert ist, das vielleicht zu lösen, das Geld, der Mehrgewinn, der Umsatz, den ich damit machen kann, der lässt die Mühen halt lohnend erscheinen.
So ist es ja. Ja, und die Touristinnen und Touristen auf der anderen Seite, die wollen natürlich das authentische Wien-Erlebnis, die wollen in einem Altbau Wohnen mit den hohen Fenstern und dem Fischgrätparkett. Also für die ist natürlich das vielleicht auch ein großer Anreiz.
Ja, freilich, das ist sicher auch ein Punkt, den ich gut verstehen kann, denn wenn ich im Urlaub bin, dann möchte ich das Land, das ich bereise, ja authentisch kennenlernen. Wenn ich jetzt natürlich in ein Resort gehe, in ein Hotel gehe, dann bin ich abgekapselt, wenn ich jetzt in einer Wohnung, wenn ich bei Freunden nächtigen würde, beispielsweise, ähnliche Situation wie bei der Kurzzeitvermietung, dann sehe ich viel mehr von der Stadt, von dem Land, dass ich bereise. Das kann ein gutes Argument sein, das zu machen und das Hotel abzulehnen.
Ja, genau, um zu sehen, auch wie die Leute wirklich leben, auch sich selbst besser versorgen zu können. Im Hotel hat man ja meistens jetzt keine Küchenzeile dabei oder so, das ist ja auch vielleicht ein Punkt, warum gerade Familien zum Beispiel auch gerne Airbnb nutzen.
Ja, genau und so wie du es aber ansprichst, ist das schon der Vorteil und der Nachteil an der Kurzzeitvermietung, weil das authentische Kennenlernen dieser Leute, also der Bewohner der Wiener, wen wir jetzt so wollen, ist aus touristischer Sicht verständlich. Wenn man es aber umdreht und sich überlegt, ich bin jetzt der Wiener, ich möchte jetzt auch nicht von der ganzen Welt kennengelernt werden und möchte jetzt quasi als repräsentatives Beispiel für Wien oder Österreich sein. Das will auch nicht jeder. Und insofern ist auch zu verstehen, warum manche Anrainer oder Bewohner der Kurzzeitvermietung skeptisch bis kritisch bis hin zu ablehnend gegenüberstehen, weil man möcht, wenn man nach Hause kommt, in seine Wohnung, möchte man seinen, möcht fast sagen, seinen heiligen Frieden haben, vielleicht nach der Arbeit, man hat einen stressigen Arbeitstag gehabt, man will seine Ruhe haben und da kann man es halt nicht so haben, wenn in der Nachbarwohnung gerade Gäste einziehen, die im Urlaub sind und die dann vielleicht eine Party machen. Das ist halt dann schwierig.
Absolut, da sprichst du auch genau das Thema an, dass ich jetzt sowieso eigentlich als nächstes auch selbst ansprechen wollte, weil das Thema Airbnb ja wirklich ein großes Politikum ist. Also man denke da auch nur zum Beispiel an Spanien, wo die Leute wirklich auf die Straße gehen, demonstrieren gegen Overtourism, gegen Airbnb, gegen all diese negativen Faktoren, die da natürlich mit einhergehen. Warum denkst du, ist es wirklich auch wichtig, dass Airbnb oder generell der Kurzzeitvermietung, die einfach Überhand genommen hat, den Riegel vorschiebt?
Sie findet in Wohnungen statt, das haben wir ja schon besprochen. Das Problem ist, wenn das jetzt in Wohnungen stattfindet, es gibt in Wien und wie in jeder anderen Stadt auch nur eine endliche Anzahl an Wohnungen, wenn wir davon absehen, dass Wohnungen natürlich errichtet werden. Und das Problem ist, wenn ich viele Wohnungen habe, die der Kurzzeitvermietung zugeführt werden, dann fallen sie für den normalen Wohnungsmarkt, also für dich und mich und viele andere, fallen sie dann weg. Die verbliebenen Wohnungen sind meistens Wohnungen, die entweder sehr hochpreisig sind oder in einer Lage sind, die vielleicht nicht so besonders ist, also dann auch nicht für die Kurzzeitvermietung interessant sind. Das bleibt uns dann über und dieses Überbleibsel wird aber nicht billiger, sondern viel teurer. Das heißt, die Kurzzeitvermietung führt. Also, man kann nicht sagen, die Kurzzeitvermietung ist allein dafür verantwortlich, aber sie führt tendenziell dazu, dass es weniger Wohnungen gibt für den dauerhaften Wohnungsmarkt. Dass dieser Markt also kleiner wird und die verbliebenen Wohnungen damit logischerweise teurer werden und auch, dass die guten Lagen, die ja Touristen bevorzugen, dann aber nicht mehr für die Wohnbevölkerung zur Verfügung stehen, weil stellen wir uns die Situation vor, ich habe eine Wohnung und Nicole, du sagst mir „ich geb dir 1000€ für diese Wohnung“. Und dann kommen die Kurzzeittouristen und sagen mir, „Ja, du kriegst im Monat von uns 1200€“. Die Entscheidung ist dann klar.
Ja, absolut.
Bei einer wertvollen Wohnung nahe einer U-Bahn-Station oder Freizeiteinrichtungen, da wird man dann wahrscheinlich als Eigentümer sagen, da mach ich den Reibach, da mach ich das Geschäft, dann lieber mit den Touristen, weil ich verdiene einfach mehr.
So ist es ja, wir haben es eh schon eigentlich jetzt ja gerade besprochen, aber grundsätzlich ist ja das wirklich in ganz Europa ein Thema und Wien hat da aber wirklich eine Vorreiterrolle mit den strengeren Regelungen. Also wir haben da tatsächlich vielen Städten, würd ich sagen, etwas voraus, weil ich war ja auch schon sehr viel mit euch eigentlich unterwegs im Zuge von Dreharbeiten, weil ihr medial ja auch recht präsent jetzt wart. Aber dazu kommen wir gleich. In erster Linie wollt ich jetzt fragen, ihr seht ja doch auch sehr viele Schicksale, die quasi ja an all das auch gekoppelt sind, die unter der Kurzzeitvermietung im Haus leiden. Es gibt ja wirklich auch Altmieterinnen und Altmieter, die vielleicht als einzige Partei nur noch im Haus sind und sonst sind nur noch Touristinnen und Touristen. Berühren euch dann solche Schicksale auch oder wie geht ihr damit um und was erlebt ihr da so?
Mhm, ja. Das kommt leider häufiger vor, als es einem lieb ist. Es ist ja so, mit der illegalen Kurzzeitvermietung gehen ja andere Delikte, wenn ich das so nennen darf, auch einher. Also, das sieht auch und das meldet uns auch die Polizei, Landespolizeidirektion Wien, mit der wir auch natürlich in Kontakt stehen. Im Zuge solcher illegalen Kurzzeitvermietungen steigen halt Begleitdelikte. Zum Beispiel Lärmklagen, die machen ununterbrochen Lärm, diese Kurzzeitmieter haben eine Party. Ein anderer Aspekt, der mit diesen Dingen auch in Zusammenhang steht, sind zum Beispiel, wir haben das einmal gehabt, ich glaub, da warst du sogar mit uns mit Nicole, da gab es einen Fall, wo ein Aufzug abgedreht worden ist, in einem Gebäude, wo uns die Altmieter im letzten Stockwerk erzählt haben, die auch schon älter und gebrechlich waren, die auf diesen Aufzug angewiesen waren und uns erklären mussten, dass im Zuge dieser Kurzzeitvermietung das Haus durchaus auch saniert worden ist und auch der Aufzug, aber dieser Aufzug dann nur noch Leuten, die einen Schlüssel gehabt haben oder eben Kurzzeitmieter waren, zur Verfügung gestellt wurden. Und du erinnerst dich noch, dieses Ehepaar, die haben es nicht leicht gehabt. Ich glaube, es war der 6. oder 7. Stock Altbau. Ja, und wenn man dann schon über 80 ist und ist gewohnt, dass man den Aufzug benutzen kann und von einem Tag auf den anderen kann man nicht und muss diese 6, 7 Stockwerke zu Fuß steigen in diesem Alter, dann ist das, ich möchte sagen, es ist eine Qual. Ich möchte es in dem Alter nicht machen müssen.
Nein, das ist auch moralisch eigentlich höchst fragwürdig als Vermieter, sowas dann zu machen.
Das ist richtig. Ich mein, das kann natürlich jetzt sagen, die zahlen jetzt nicht die extra Gebühr, die für den Aufzug nötig wäre. Auf der anderen Seite muss man sagen, du erinnerst dich noch, die haben uns ja erzählt, die haben jahrzehntelang diesen Aufzug benutzt ohne Aufpreis. Dann wurde er repariert und weil er repariert wurde, ist im Zuge der Reparatur auf einmal ein Begleitschreiben, Begleitvertrag gekommen, der einen dann auferlegt hat, entweder ihr zahlt oder ihr fahrt nicht mehr mit dem Aufzug.
Ja, da liegt natürlich der Verdacht nahe, dass der Vermieter das absichtlich macht, um die Mieterinnen und Mieter da rauszuekeln, leider. Was kann ich jetzt eigentlich machen, wenn ich jetzt in so einem Haus wohne?
Nun, das hängt auch ein bisschen davon ab, wie die Eigentumsverhältnisse sind. Wenn das jetzt Wohnungen sind, nehmen wir ein Beispiel, 10 Wohnungen in einem Gebäude und diese 10 Wohnungen sind im Eigentum der Mieter, also nicht der Mieter, sondern im Eigentum eben der Personen, die sie bewohnen. Dann brauche ich von diesen Personen, von den Eigentümern der Liegenschaft oder der Wohneinheiten, brauche ich eine schriftliche Zustimmung für diese Kurzzeitvermietung. Ohne diese schriftliche Zustimmung geht es nicht. Wenn dasselbe Gebäude aber vermietet wird, dann ist natürlich der Eigentümer des gesamten Gebäudes derjenige, der das erlauben kann oder eben nicht. Und die Mieter haben jetzt aber in dem Fall, weil sie Mieter sind und nicht Eigentümer, können sie müssen nicht unterschreiben und sie können auch nichts verweigern, weil sie eben nur Mieter sind. In diesem Fall hat der Mieter gegenüber dem Eigentümer einen deutlichen Nachteil.
Ok. Aber wenn ich Mieter bin, kann ich eben eine Anzeige an euer Referat erstellen und dann werdet ihr tätig, quasi. Und was muss ich da beachten?
Also eine Anzeige kann, jeder kann das machen, jeder kann eine Anzeige machen. Was wichtig zu beachten ist, bitte schriftlich. Also ein Anruf bei uns auf der und der Adresse, in der und der Wohnung passiert dieses oder jenes. Das ist gut, das hören wir uns an. Und wenn wir einen Fall schon dazu haben, schauen wir auch hinein, wenn man uns die Adresse sagt und können dann sagen, wir haben da schon eine Anzeige bekommen oder wir haben nicht. Wenn wir keine Anzeige bekommen haben, ist es unbedingt erforderlich, dass die Anzeige schriftlich bei uns eingeht. Schriftlich kann sein, der klassische Weg: Post, ein Einschreiben, das kann sein, eine E-Mail und theoretisch meines Wissens würde auch noch ein Fax sogar noch funktionieren. Aber die sinnvollste Lösung ist einfach hier die E-Mail. Man schickt uns eine E-Mail. Das schreibt man uns dazu, die Adresse, wenn man weiß, die Wohneinheit oder Wohneinheiten, wenn es mehrere sind. Und ansonsten schreibt man uns das, was man über den Sachverhalt weiß, was man kennt. Zum Beispiel Angebotstitel, den Link vom Angebot, sonstige Bilder kann man vielleicht schicken. Oftmals passiert es ja auch im Zuge von Kurzzeitvermietungen, dass Möbelstücke im Gang einfach abgestellt werden, was natürlich, Stichwort Feuerpolizei, natürlich verboten ist. Und auch in diesen Fällen kann man sich immer an uns wenden. Meine Bitte an alle ist aber unbedingt schriftlich, weil so hat man auch als Bürger was in der Hand.
Ja, super, vielen Dank. Wir werden auf jeden Fall auch noch den Link zu eurem Referat in die Shownotes packen, dann können die Leute da auch einmal nachschauen, wie sie am besten mit euch Kontakt aufnehmen.
Sehr gut.
Und generell werden wir auch die Merkblätter in die Shownotes packen, weil auch da kann man dann nämlich nachschauen und wirklich sehen, OK, wie ist es jetzt wirklich in der Bauordnung geregelt, was darf ich, was darf ich nicht, wie sind die Spielregeln quasi.
Und ich würd auch noch anregen, es wär sicher auch nützlich, es gibt ja auch die Möglichkeit, die Stadt Wien ist ja hier schon sehr modern, dass wir online oder dass jemand, der Kurzzeitvermietung machen möchte in seiner Wohnung oder seinem Gebäude, dass er einen Onlineantrag stellt. Und dieser Link, den kann ich auch jedem ans Herz legen, weil auch da, wenn man auf diesen Link geht und diesen Bewilligungsprozess durchmacht, werden einem auch alle nötigen Informationen gegeben. Auch das von dir angesprochene Merkblatt findet sich dann dort.
Das ist ein sehr guter Hinweis, das werden wir auf jeden Fall auch mit aufnehmen in die Shownotes. Ja, danke dafür. Das Referat Kontroll Kurzzeitvermittlung gibt es ja noch nicht allzu lange, also ihr habt ja letztes Jahr im Juli eigentlich gestartet und Beginn 2025 hat es dann eigentlich begonnen, dass wirklich die mediale Aufmerksamkeit sag ich mal, gewachsen ist, dass wirklich auch Kamerateams euch mal begleiten wollten, dass die auch einfach live miterleben wollten, wenn man so will, wie so eine Kontrolle abrennt. Ihr wart auch in diversen Tageszeitungen präsent und du bist auch sehr oft dann begleitet worden. Ich durfte auch sehr oft von der Öffentlichkeitsarbeit dabei sein. Wie ist es dir eigentlich damit gegangen? Also generell dieser mediale Rummel, was hat das mit dir gemacht, sozusagen?
Na ja, am Anfang ich glaube, das würde jedem so gehen. Am Anfang steht man vor einer Kamera das erste Mal und denkt sich: 'Um Gottes Willen, warum habe ich mich denn da hineinmanövriert? Am liebsten würde ich jetzt davonlaufen.' Aber ich muss sagen, mit der Zeit, mit jedem einzelnen Termin, wird es sehr, sehr viel leichter. Irgendwann einmal. Man nimmt die Kamera gar nicht mehr als Kamera wahr, sondern führt seinen Dialog mit dem Interviewer, der Interviewerin und die Kamera ist halt auch vorhanden. Das Einzige, was einem vielleicht manchmal am Nerv geht, jeder der irgendwann einmal schon bei einem Dreh war oder bei so etwas mitgemacht hat, weiß genau, dass nicht alles in einem Stück abgedreht wird. Manche Passagen muss man dann halt noch einmal machen und man schmunzelt halt dann manchmal, wenn man durch dasselbe Stiegenhaus 2, 3 mal denselben Treppenlauf gehen muss, weil das halt in der Kamera nicht gut gekommen ist und man es noch einmal machen muss. Da muss man halt schmunzeln und ja, man merkt dann aber auch, wenn man selber andere im Fernsehen beobachtet und die vielleicht dann stottern, man kriegt dann ein ganz anderes Gefühl dafür, weil man weiß, wie schwierig das ist vor der Kamera, besonders wenn es live ist. Dieses Vergnügen haben wir ja noch nicht gehabt, Nicole, aber
Zum Glück nicht.
Ja, aber trotzdem ist das nicht leicht und ja, es fordert am Anfang schon einiges an Nerven. Mit der Zeit gewöhnt man sich, wie man sich an vieles gewöhnt.
Ja, aber ich finde, es unterstreicht auch sehr die Wichtigkeit eurer Aufgabe, einfach dass da so viel mediales Interesse da ist.
Ja, ich muss auch sagen, es haben ja auch offenbar, es ist nicht nur im Fernsehen gesendet worden, es wurde offensichtlich auch recht häufig gesehen. Denn nicht nur ich, auch andere Kollegen haben das dann immer wieder mitbekommen, dass Bürger auf der Straße gesagt haben: 'Ah, hallo, ihr seid ja von der Baupolizei, gestern oder vor einer Woche habe ich euch im Fernsehen gesehen.' Und eigentlich sind es recht positive Feedbacks. Ich hab ganz wenige, es gibt auch immer Leute, manchmal Leute, die sagen: „Gefällt mir nicht, interessiert mich nicht, ist ein Blödsinn“. Kann ja jeder so sehen. Aber die aller allermeisten Kommentare und Meinungen waren durchwegs positiv über unsere Arbeit.
Ja, ich finde, man merkt auch einfach, dass ihr das aus Überzeugung macht und dass ihr auch wirklich etwas verbessern wollt und dass ihr die Lebensqualität in Wien auch nachhaltig steigern wollt durch die Maßnahmen.
Ich denke schon, dass alle meine Kolleginnen und Kollegen recht viel Freude an ihrer Arbeit haben. Also, ich hätte da jetzt noch nichts anderes gehört und ja, wie du sagst, wir machen es eigentlich sehr gern. Ich würde fast sagen, wir machen es mit Leidenschaft und da merkt man halt dann auch, dass es, wenn man so etwas mit Leidenschaft macht, dass es die Leute auch wahrnehmen. Also, es ist ein Unterschied, ob ich Dienst nach Vorschrift mache oder ob ich es mit Elan und Freude mach. Das macht auch beim Bürger einen Unterschied.
Absolut, ich find das auch tatsächlich der perfekte Abschluss für diese Folge. Also, ich möcht mich wirklich bedanken, dass du dir heute so viel Zeit genommen hast für diese Podcast Folge und für deine wirklich spannenden Insights in das Thema. Und ja, Ich wünsche dir noch weiterhin alles Gute und viel Erfolg und wir werden sicher noch den ein oder anderen Drehtermin gemeinsam haben, davon bin ich überzeugt.
Ich bedank mich, dass ich da sein konnte und ich bin sicher, wir werden noch einige spannende Erlebnisse zum Thema Kurzzeitvermittlung haben.
Dann auch an die lieben Zuhörerinnen und Zuhörer ein großes Dankeschön fürs Dabeisein, fürs Zuhören. Wir hoffen, die Folge war interessant und wir freuen uns schon auf die nächste Episode und hoffen, dass ihr auch wieder mit dabei seid.
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