Stadt Wien Podcast
Ein Podcast von und für alle Menschen, die in Wien leben. Hier hörst du Stimmen aus der Stadt zu relevanten Themen, die Wien bewegen.
Stadt Wien Podcast
Heast Wien! Unterwegs mit Peter Knett im berühmtesten Taxi der Stadt (Folge 2)
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In „Heast Wien“ fragt sich Livia Heisz, ab wann sie sich Wienerin nennen darf. Dafür trifft sie Menschen, die die Stadt mitprägen, begleitet sie an ihre persönlichen Wiener Orte und fängt unterwegs Klänge, Gerüche und Sprachen ein – vom Brunnenmarkt bis zur U‑Bahn, vom Funkhaus bis ins Kaffeehaus.
In dieser Folge steigt Livia bei Peter Knett ein, der seit Jahrzehnten Taxi fährt und sich selbstironisch den berühmtesten Taxler Wiens nennt – nicht zuletzt wegen seiner Auftritte in den Musikvideos von Bibiza. Während sie durch die Stadt cruisen, erzählt Peter von seiner Kindheit in der verschrienen Großfeldsiedlung, dem harten Taxialltag früher und heute, der eigenen Stadtkarte im Kopf und warum der Wiener Dialekt für ihn zum echten Wienersein dazugehört. Es geht um schnelllebiges Wien, grantige Huper, Nachtfahrten im Rotlichtmilieu und darum, wie man trotz allem gelassen bleibt, solange der Job noch Spaß macht.
Host: Livia Heisz
Konzeption, Redaktion: Livia Heisz, Anna Muhr, Jeanne Drach
Schnitt: Anna Muhr, Catharina Ballan
Produktionsleitung: Jeanne Drach
Das ist eine Produktion von OH WOW Podcasts.
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-Ich habe eine gute Menschenkenntnis eigentlich. Es ist egal, wer da hinten einsteigt. Es kann eigentlich nichts passieren, wenn man den Menschen mit Gefühl, dass man sagt, man kann die in ein Gespräch verwickeln. Es steigen auch Fahrgäst ein und sagen, Sie san ja vom Bibiza. Und sage, ja, sie fahren mit dem berühmtesten Taxler von Wien. Ich bin Peter, fahre seit 1935 am Taxi und ja, alles bei 40 100.-Ich treffe Menschen, die die Stadt prägen. Heute spreche ich mit Peter Knett, den wir gerade schon gehört haben. Stolzer Mercedes-Fahrer, groß gewachsen, weißer Bart. Aus den Augen blitzt der jugendliche Schalk. Wenn er spricht, dann unaufgeregt und voller Stolz auf seine Stadt, die sich trotz zunehmender Schnelligkeit ihre Schönheit bewahrt hat. Im Gespräch erzählt er uns, wie sich Wien als Lebens-, Berufs- und Verkehrsraum und im sozialen Miteinander gewandelt hat. Und warum er der berühmteste Taxler der Stadt ist. Servus, hallo. -Servus.-Du bist Wiener. Was würdest du sagen, macht deiner Meinung nach einen Wiener, eine Wienerin aus?-Na ja, anfangen würde ich einmal schon mit dem Wiener Dialekt. Die Stadt Wien ist sowieso was Schönes. Überall, wo man hinkommt, hört man Wien, Wien, Wien. Wunderschön. Ich bin halt ein echter Wiener und ich lebe halt wirklich gern da. Es ist wirklich eine schöne Stadt. Es ist wurscht, wo man eigentlich hinkommt. Und ich komme viel umadum mit dem Auto. In jedem Bezirk gibt es irgendwas, was einem wirklich gefällt oder was schön ist. Wenn es jetzt kommt, den 13. Das ist ja wunderschön. Oder 14. draußen, Auhof. Ich bin halt gern so ein bisschen ein Naturmensch.-Wann darf man sich Wiener nennen, gibt es da irgendwelche Kriterien, wo du sagst, jetzt ist man Wiener, Wienerin?-Na ja, wenn man in Wien geboren ist. Und sonst gibt es keinen echten Wiener. Ich bin im 20. aufgewachsen, dann sind wir in die Großfeldsiedlung gezogen, in die verschriene. Und jetzt wohne ich im Dritten.-Warum verschrien?-Na ja, mit den ganzen Raufereien. Wann es los war, Rennbahnweg, Großfeldsiedlung.-Die verschriene Großfeldsiedlung, von der Peter spricht, steht am Rande von Floridsdorf, im Stadtteil Leopoldau. Sie ist die größte aus Betonfertigteilen errichtete Siedlung Wiens und hatte früher einen schlechten Ruf. Sie war Symbol für monotonen Plattenbau, stand für hohe Kriminalität und Arbeitslosigkeit. Vorurteile, die oft vor allem von außen auf den Ort und seine Bewohner*innen projiziert wurden. Und wie war so deine Sozialisierung im Aufwachsen? Was hat dich da so geprägt?-Ja, ich habe meine Lehre gemacht. Ich habe gelernt Tapezierer und Bettwarenerzeuger. Da habe ich lange gearbeitet. Dann sollte ich von meinem Chef die Firma übernehmen, das wollte ich eigentlich nicht. Dann habe ich mich selbstständig gemacht im Taxi. Habe selber fünf Autos gehabt. Und das habe ich relativ lange gehabt. Und im Endeffekt fahre ich noch immer gerne Taxi.-Ja, okay. Aber das heißt, das ist einfach passiert, dass du dann Taxifahrer geworden bist? -Durch das, dass mein Bruder, der hat bei der Postsparkasse gearbeitet und is nebenbei Taxi gefahren. Und durch das bin ich dann zum Taxi irgendwie gekommen. Dann bin ich bei ihm eine Zeit lang gefahren. Dann hat mein zweiter Bruder, der hat im Zweiten eine Werkstatt, der hat auch Taxi-Unternehmen gehabt. Dann bin ich bei dem gefahren. Und dann habe ich mich selbstständig gemacht.-Okay, also Taxifahren liegt in der Familie ein bisschen so. Wie schaut denn die Stadtkarte in deinem Hirn aus? Also denkst du in Straßen, in Gebäuden, Verbindungen, Strecken?-Ich weiß eigentlich so viel. Also wirklich, außer da in der Seestadt, das sind lauter neue Gassen. Und da beim Hauptbahnhof. Aber sonst gibt es nicht viel, was ich nicht kenne.-Okay. Wie lernt man sich so ein Navigationswissen über die Stadt an? So in deinen Anfängen oder Ausbildung?-In meinen Anfängen, da war der Sprachfunk noch. Da hat man die Gassen immer wieder gehört. Und man merkt sich dann, die Hauptstraße hat man sowieso kennen durch die Taxiprüfung, weil sonst hätte man die Taxiprüfung gar nicht geschafft. Und da hat es den blauen Buchplan gegeben. Und da hat man schon gewusst, ungefähr die Seiten, das Planquadrat, weil man es nicht genau gewusst hat. Und man lernt das eigentlich so schnell, dass man sich die Gassen merkt, durch das, dass man es am Sprachfunk immer gehört hat. Heute mit dem Datenfunk können sie einen Affen hineinsetzen und den müssen sie eigentlich auch fahren können mit dem Navi.-Wie hast du für die Taxiprüfung gelernt?-Da hat es so Unterlagen gegeben. Da ist man schon beim Buchplan gesessen. Dann hat man so einen riesengroßen Wienplan gekriegt. Da hat man dann die Wege durchfahren müssen und die Straßennamen bezeichnen. Also die Taxiprüfung war nicht wirklich einfach. Die legen hier einen Wienplan, wo nur leere Straßen drinnen sind. Der Prüfer hat jetzt gefragt, wie fährt man jetzt angenommen vom Prater nach Schönbrunn. Da hat man halt die Straßenzüge wissen müssen. Und wie man am schnellsten dorthin kommt. War auch lustig.-Ist man als Taxifahrer nicht auch so ein bisschen ein Stadtführer?-Man muss schon viel kennen in Wien. Also wenn man da auf der Ringstraße fahren tut und die Leute fragen dann, was ist das, was ist das? Man von selber wahrscheinlich erkläre ich es nicht, außer sie wollen so eine Stadtrundfahrt machen. Die kostet natürlich auch Geld. Natürlich kann ich ihnen das alles sagen und erklären, was das ist. Es ist wurscht, ob ich jetzt in die Stadt hinein fahre oder außen herum fahre oder Richtung Schönbrunn fahre. Oder manche wollen ins Auhofcenter und wollen dort einkaufen gehen oder ins Donnerzentrum oder egal. Man muss ja wirklich die Sachen wissen. Man muss die Spitäler wissen, die Hauptpolizeidienststellen. Das sind lauter so Sachen, die sind unbedingt nötig.-Wie erlebst du die Stadt an sich, also früher und heute? Wir bewegen uns da in einer großen Zeitspanne. Wie war Wien im Aufwachsen und Älterwerden?-Also Wien war früher nicht so schnelllebig. Das ist sehr schnelllebig geworden. Überall wird gebaut, was sich eh keiner leisten kann, die Wohnungen. Und die Menschen, die sind eigentlich mehr ungehalten. Man traut sich als Privatperson eigentlich nicht viel zu sagen und irgendwo einmischen. Weil dann hat man sofort einen Wickel oder Raufereien oder wie auch immer. Das geht ganz schnell bei uns und das ist eigentlich schlimm geworden.-Bist du da auch manchmal verwickelt, was Fahrgäste angeht, wenn die irgendwie rumdrehen?-Nein, ich habe eine gute Menschenkenntnis eigentlich. Und dass ich sage, es ist egal, wer da hinten einsteigt. Es kann eigentlich nichts passieren, wenn man den Menschen mit Gefühl, dass man sagt und man kann die in ein Gespräch verwickeln und dann regelt sich das eigentlich relativ schnell. Kann natürlich sein, dass, ja dann bleibe ich stehen und hau eam ausse. Sag ich, bist eingeladen auf die Fuhre und tschüss.-Was sind so Hauptgründe, dass du sagst, okay, aus dem Taxi?-Naja, wenn einer schon fett einsteigt und wo ich dann merke, okay, so wie ich früher in der Nacht gefahren bin viel und da hat man Großteil nur besoffen geführt, dann war ich schon denkbar, der speibt mich jetzt ins Auto. Das brauche ich überhaupt nicht, dann lasse ich ihn irgendwo aussteigen.-Wie oder woran erkennst du jetzt, wenn jemand einsteigt, ob der jetzt viel reden will oder ob der eh gleich einschläft?-Das ergibt sich eigentlich. Das merkt man eigentlich, wenn der Fahrgast schon einsteigt und einmal grüßen tut, höchst freundlich. Die weiß ich einmal nicht. Die grüßen dann, die sind sowieso Muffler, also mit denen fange ich sowieso nicht so zum Reden. Aber die was einsteigen und freundlich sind und so wie ich, Vormittag fahre ich jetzt nur, da führe ich großteils ältere Leute oder Geschäftsleute. Die sind aber durchwegs wirklich nett.-Bist du jemand, der so beim Fahren im Verkehr, bist du ein großer Schimpfer, weil man ja dem Wiener immer so einen gewissen Grant nachsagt?-Nein, eigentlich nicht. Man wird gelassen. Man wird so ruhig mit denen. Man kann es eh nicht ändern. Das sind ja die eigenen Nerven, wo's dran zehren dann. Nein, das tue ich mir nimmer mehr an. Die erste Zeit habe ich immer geschimpft und wie a Rohrspatz. Da dachte das sind ja meine Nerven, da gehe ich ja zu Grund dran. Nein, das habe ich mir eigentlich relativ schnell abgewöhnt. Aber natürlich, wenn da hinten einer fährt und hupt die da und da und tut da. Und dann zeigt er dir den Finger und der soll mich im Oasch lecken, is mir eigentlich wurscht.-Hupen die Wiener lieber als andere?-Ja, die Wiener sind Huper. Sehr nervös, sehr nervös beim Autofahren. Das ist unglaublich.-Ist Taxifahren eigentlich Luxus für einen Fahrgast?-Finde ich eigentlich gar nicht, weil so teuer ist das Taxi nicht. Also wir sind in Europa, die wirklich billigsten. Wenn man irgendwo hinkommt, da denkt man sich, das sind stolze Preise.-Wie oft hörst du in deinem Berufsalltag die Frage, ob das eh der schnellste Weg ist?-Eigentlich höre ich das wirklich ganz, ganz selten, weil die Leute sind eigentlich begeistert, weil man schon einmal nicht das Navigationsgerät braucht und sagen dann, bumm, das war jetzt aber wirklich ein schneller Weg. 35 Jahr Taxifahren, da muss man ein bisschen was wissen.-Daran erkennt man dann die Ängste aus den Profis.-Ja, genau.-Wir fahren durch die Wiener Innenstadt. Vorbei an Sehenswürdigkeiten, das Fenster auf der Fahrerseite einen Spalt weit offen. Das angenehm geborgene Gefühl, das sich einstellt, wenn man bei jemandem mitfährt, der sein Fahrzeug und seine Stadt in- und auswendig kennt. Der Verkehr ist dicht, aber meist flüssig. Phasenweise sind wir dann doch im Stop-and-Go-Modus unterwegs. Aber Peter, der ist in seinem Element.-Ich fahre eigentlich ewig schon Automatik. Aber das sagt nichts, dass ich nicht mit Schalter fahren kann. Ich fahre mit eigentlich allem. Alles was sich bewegt.-Peter, der Motorfan. Ob Vierräder oder zwei, Hauptsache motorisiert auf den Straßen unterwegs, sagt er. Sein Lieblingsgeräusch ist das Brummen vom Motor.-Der Dieselmotor, das will ich halt einfach. Wir haben in der Zentrale ein Kontrolldienst-Auto. Das ist ein Elektroauto. Also das will ich überhaupt nicht. Erstens einmal, ich fahre nur Mercedes und ich will kein E-Auto. Die Elektroauto-Versorgung, die haut sowieso nirgends hin. Wir haben, weiß ich nicht, über 4000 Taxis, ich meine nicht mehr, ich weiß es nicht genau wie viel. Aber unsere Zentrale hat alleine nicht 1600 Autos. Und ich weiß nicht, wie viele E-Autos wir haben. Aber man kann sich auf die Stammplätze nicht versorgen. Man muss irgendwo hinfahren, dort warten wir eine halbe Stunde, dass das Auto wieder gelandet ist. Da ist dann aber auch noch nicht ganz geladen. Und ja, am besten hält sich eigentlich durchgesetzt, die Hybrid-Autos nicht.-Warum Peter der bekannteste Taxler Wiens ist, wie er sagt, Nun, Peter spielt in fast allen Musikvideos von Bibiza mit. Ich versuche mir nicht zu viel von meiner Begeisterung anmerken zu lassen. Schließlich habe ich mich bei diesem Bilderbuch Taxler in den Videos immer gefragt, ob der wirklich Taxler ist oder einfach nur extrem gut gecastet wurde.-Am Nova Rock hat er mich auf die Bühne rausgezogen. Das war auch gigantisch. Wir haben ja gar nicht geglaubt, dass man dort so berühmt ist, auf dem Nova Rock. Wir waren da auf der Red Bull Bühne. Und da war bumm voll, bumm voll der Platz. Und wie die Leute da mitgegangen sind, wie die klatschten, wie ich dann auf die Bühne gekommen bin. Wahnsinn.-Kannst du kurz erzählen, wie es dazu gekommen ist?-Also die Zentrale hat mich angerufen und habe gefragt, nachdem ich schon sehr, sehr lange Taxi fahre, der Bibiza Franz versucht einen Taxi Der weiß, dass er lange Taxi fährt und der weiß, wie er mit einem alten Mercedes umgehen kann. Und ein Freund von uns, wo man sich das Auto immer ausborgen, der hat so einen alten Mercedes und der lässt halt nur mich mit dem Auto fahren. Ja, und so bin ich zu dem Bibiza gekommen.-Und wie gehst du damit um, dass du da jetzt schon in gewissen Kreisen ein bisschen berühmt bist?-Eigentlich ganz normal. Man freut sich, wenn man angredt wird oder wenn sie kommen werden und Fotos machen wollen, was häufig passiert. Man kennt mich schon sehr, sehr, sehr lange. Jetzt machen wir das glaube ich drei Jahre und es ist eine schöne Zeit. Man hat ein Theater mit dem Franz selber und die ganze Band und das ist Wahnsinn. Das ist ganz ein eigenes Feeling, wenn man mit den Leuten zu tun hat und dass das so wie eine richtige Freundschaft dann wird. Oder der Franz ruft auch in der Zentrale, ich brauche den Peter. Ja, und der Peter kommt.-Ja, ich meine, das ist jetzt eine lebenslange Kooperation. Da kommst du nicht mehr raus.-Ja, soll so sein. Ich steigen auch Fahrgäste ein und sagen, Sie sind ja vom Bibiza. Da sage ich auch, sie fahren mit dem berühmtesten Taxler von Wien. Und das macht schon Spaß, nicht? Oder zwei Mal in Deutschland auf Urlaub und da reden sie dich im Hotel an und weil das in Deutschland auch überall berühmt ist. Ja. Und es war genau so, Ikkemel das Video, das wir gedreht haben, das Galopp-Galopp war Peter muss kommen nach Berlin.-Man hat jetzt das Gefühl, du bist schon stolz drauf, aber du nimmst das sehr gelassen. Würdest du sagen, dass der Wiener grundsätzlich eine gelassene Persönlichkeit in sich trägt?-Ich kann nur von mir aus gehen und da kann ich nur sagen, ich bin ein stolzer Wiener. Ich bin gerne in Wien. Aber die Menschen, das ist unterschiedlich. Die nehmen oft etwas gelassen und dann sind sie aufbrausend und wie so ein Häferl halt, was halt übergeht schnell. Bei mir dauert das wirklich lang, lang, lang, lang. Aber es kommt bei mir auch hin und wieder hoch. Da wo ich dann sage, jetzt geht es gar nicht mehr mehr raus mit dir. Geht nicht mehr.-Gibt es irgendwie so ein Erlebnis, wo du sagst, das war deine bizarrste Taxifahrt?-Ja, da gibt es schon Erlebnisse. Da war tiefster Winter und ein Fahrgast, der hat mir unter der Vollfettwickel, muss ich sagen, den habe ich dann genommen, weil er kein Geld gehabt hat. Er hat einmal schon gesagt, ich bin mit ihm den Kahlenberg auffe gefahren, da habe ich ihn ansteigen lassen, Schuhe weggenommen und bin wieder gefahren. Das waren so die Anfänge vom Taxi, da wo man eigentlich sagt, das geht ja gar nicht, ich mache meine Arbeit und der zahlt nicht.-Aber so über die vielen Jahre hast du eine gewisse Gelassenheit dann entwickelt?-Ja, da wird man gelassen. Durch das, dass ich in der Nacht geffahren bin, mit den edlen Damen und den ganzen Herren vom Gürtel und alles unterwegs war, da wo sich auch einige Freundschaften gebildet haben, die was dann nur angerufen haben, Peter brauch dich, hab Mädels zum Hinführen, dort und dort. Das war halt schon eine schöne Zeit, weil man die ganzen Leute da kennenlernt, vom Rotlichtmilieu, das war schon lustig.-Wie hat sich Taxifahren in Wien jetzt auch verändert durch Uber und die ganzen Sachen?-Naja, früher, wir sind alles nach Taxameter gefahren und durch das, dass Uber und Bolt diese Pauschalpreise anbieten dann, die was ja noch immer nicht passen, dann mit dem Taxi-Tarif zusammen, hat unsere Zentrale auch diese Pauschalfahrten machen müssen. Und meiner Meinung nach nehmen, glaube ich, zwei Drittel von unseren Lenkern diese Pauschalfahrten nicht, weil sie sagen, es rentiert sich nicht, es zahlt sich nicht aus, die stehen lieber eine Stunde am Standplatz, als dass sie kurze Fahrten machen. Aber wie auch immer, das bleibt ihnen überlassen. Ich nehm's und ich mache halt mein Geld damit.-Das Taxifahren auf den Straßen von Wien ist mittlerweile auch ein Politikum. Wie in vielen anderen Großstädten haben Anbieter wie Uber oder Bolt die Branche ziemlich aufgewirbelt, um nicht zu sagen unter Druck gesetzt. Immer wieder demonstrieren die Wiener Taxler deshalb und fordern Maßnahmen wie einheitliche Preisgestaltung, oder Gebietsschutz. Auch Peter erzählt mir, dass das Taxifahren sich in den 35 Jahren, seit er angefangen hat, verändert hat. Er vermisst vor allem den Austausch, den Zusammenhalt unter den Fahrenden.-Da haben wir ein Stammlokal gehabt, das war damals in der Panzergasse. Ein Billard-Café, da hat man Würfeln können, da hat man Billard spielen können, da hat man, ja, gute Musik hat er immer gemacht. Das ist dann auch eine richtige Freundschaft geworden mit dem Besitzer. Er ist dann am Gürtel übersiedelt und ich glaube, jetzt gibt es das gar nicht mehr. Kontakt ist dann abgebrochen, wenn wir nicht mehr hingefahren sind. Am Gürtel hat man nirgends stehenbleiben können. Aber dann habe ich auch immer so alte Schallplatten gebracht, die, was wir halt gern gehört haben, das ist alte Rockmusik.-Aber das heißt, Taxler in Wien ist auf jeden Fall, hat sich verändert im Gegensatz zu früher?-Naja, früher war das eine Goldgrube. Da haben sich viele Leute Häuser gebaut damit. Das, was heute nimmer mehr geht. Also früher hat man sich ins Taxi gesetzt, so wie ich gefahren bin in der Nacht. Da haben wir mal angefangen, um sechs auf die Nacht zu fahren, bis um Mitternacht. Dann sind wir zwei, drei Stunden im Café aus, Karten spielen oder Billard spielen oder wie auch immer. Und dann hat man sich noch ein paar Stunden reingesetzt, also bis sechs in der Früh. Und da hat man noch einmal Geld gemacht. Also das war schon ein Geschäft damals. Aber heute kann man nicht einmal gescheit auf einen Café gehen, weil die Zeit fehlt einem. Ich war eh nie ein Café-Geher, untertags überhaupt nicht. Aber in der Nacht, da haben wir uns immer getroffen. Das war schon lustig, da haben wir schon Theater gehabt.-Ja und weil man irgendwie viel mehr miteinander und untereinander zu tun gehabt hat, oder? Weil das fehlt ja dann auch komplett.-Naja, das ist heute überhaupt nimmer mehr so. Weil früher, wenn man jetzt zum Beispiel mit einem Fahrgast Probleme gehabt hat, also da hat man dann über den Funk gerufen und auf einmal waren zehn Autos da. Und man hat überhaupt keine Probleme gehabt. Weil bis die Polizei da hergekommen ist, da war der halb erschlagen schon.-Du hast ja vorher angesprochen, der Wiener Dialekt ist ausschlaggebend für den Wiener, die Wienerin. Man sagt ja, der Wiener Dialekt stirbt ein bisschen aus. Hast du auch das Gefühl?-Ein bisschen würde ich schon sagen, weil die Jungen, die reden mehr Hochdeutsch, die kommen nicht mehr so mit dem Wiener Dialekt mit. Also es gibt auch Worte, die was die überhaupt nicht verstehen mehr. So wie wir das gekannt haben, gibt es gar nimmer mehr. Wenn sie zu einem Würschtlstandl gehen, ein Eitriger, kennt kein Mensch. Nicht einmal die Würschtlstandler selber. Was ist denn das? Ein Käsekräner. Und ja, das gibt halt so, der Hochdeutsch nimmt schon überhand. Also auch die Jungen und auch die älteren Leute fangen an zum Hochdeutsch reden. Also da wo sie heute ein Wiener, oder sie tun das so vermischen, Wiener Dialekt mit Hochdeutsch, das ist ganz eigenartig dann. Wenn das Enkel zu uns kommt, man muss da genau auffassen, was die Kleine zu sagen tut, wenn die so auf Hochdeutsch reden tut. Und dann sagt sie, Opa, was hast du gesagt? Aber sie begreift auch den Wiener Dialekt. Also das ist, die kleinen Kinder sind da eigentlich, das ist.-Ja, die sind wie Schwämme, die alles raussaugen.-Die überhaupt. Die sind so ein Wifferl.-Aber würdest du jetzt sagen, ich quasi als nicht in Wien Geborene, aber schon lange in Wien Lebende, darf ich mich überhaupt Wienerin nennen?-Ich sage immer, man kann sich Wiener nennen, wenn man sich integrieren tut. Es gibt viele Leute, die sich nicht integrieren können und man kann sich schon Wiener nennen, aber man muss ja den Wiener Dialekt lernen.-Was ist dein Lieblingsausdruck, dein Lieblings-Wiener-Ausdruck?-Mein Lieblings-Wiener-Ausdruck? Schauma moi. Nur kein Stress, genau. Schauen wir mal, kein Stress.-Schauen wir mal. Auch im Hinblick darauf, wie lange er noch im Taxi durch Wien fahren will. Der Rücken macht Probleme, ist schon in seinem vorherigen Beruf als Tapezierer stark strapaziert worden. Aber Peter will noch nicht aussteigen. Was machst du da dagegen?-Nichts. Jetzt war ich erst beim Orthopäden und habe mir eine Spritze geholt. Alt sollen wir nicht werden. Das ist das Geheimnis. Oder alt und gesund bleiben. Aber wie gesagt, das Taxifahren ist sicher nicht förderlich. Und man macht auch viel zu wenig Bewegung, muss ich ehrlich sagen. Ich sehe das bei mir nicht.-Wie lange wirst du noch fahren?-Bis es nur mehr E-Taxis gibt wahrscheinlich, oder? Nein, weiß ich nicht. Kann ich nicht sagen. Aber ich denke mal, solange es Spaß macht, fahre ich. Und wenn es immer mehr Spaß macht, wenn ich genug habe, dann. Und ja, im Endeffekt war ich solange selbstständig und dann kriegt man nicht einmal die Mindestpension. Und das ist halt traurig an unserem Leben. Aber mit dem muss man leben. Und so ist halt ein bisschen Geld dazu, dass man sich halt ein Auto leisten kann, eine Wohnung, Urlaube oder so. Alles geht, wenn man will. Nicht nur faul sein.-Aber sehr schönes Schlusswort. Solange es noch Spaß macht.-Genau. Und es macht Spaß.-Auf unseren letzten Metern denke ich mir, dass Peter schon länger Taxi fährt, als ich auf der Welt bin. Wie zach es ist, dass er in der Pension was dazu verdienen muss. Aber wie cool es auch ist, dass ihm sein Job trotz aller Veränderungen immer noch Spaß macht. Während Gründerzeitfassaden, Plakatwände, Menschen und Hunde und Ampeln vorbeiziehen, kommt mir in den Sinn, dass genau das das Leben in Wien ist. Dass man eben nicht alles planen kann, einiges hinnehmen und solche Begegnungen im Erleben genießen muss. Zwischen einem Taxifahrer, der Geschichten sammelt statt Ziele und einem Fahrgast, der zuhört. Weil ich weiß, solche Gespräche verschwinden sonst einfach im Verkehr. Mein nächster Gast ist die Schriftstellerin Gabriele Hasmann. Auch sie sammelt Geschichten. Allerdings aus dem historischen Wien und zu Fuß. Mehr dazu in der nächsten Folge. Ich bin Livia Heisz. Das war Heast Wien. Wenn dir der Podcast gefällt, dann abonnier ihn doch, damit du keine Folge mehr verpasst. Wir freuen uns auch über eine Bewertung, einen Kommentar und darüber, wenn du den Podcast teilst. Bis zum nächsten Mal und Baba.
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