Stadt Wien Podcast

Heast Wien! Esra Özmen und die „coole Tante Wien" (Folge 1)

Stadt Wien

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In „Heast Wien“ fragt sich Livia Heisz, ab wann sie sich Wienerin nennen darf. Dafür trifft sie Menschen, die die Stadt mitprägen, begleitet sie an ihre persönlichen Wiener Orte und fängt unterwegs Klänge, Gerüche und Sprachen ein – vom Brunnenmarkt bis zur U‑Bahn, vom Funkhaus bis ins Kaffeehaus. 

Livia trifft Rapperin, Streetworkerin und Philosophiestudentin Esra Özmen im Café Club International am Yppenplatz, ihrem „zweiten Wohnzimmer“ nahe des Brunnenmarkts mit seinem Klanggemisch aus Türkisch, Arabisch und Wiener Dialekt. Esra erzählt von ihrer Kindheit in einer Einzimmerwohnung ohne Bad in Ottakring, dem Druck im Schulsystem, ihrer Liebe zur diversen Vielfalt des 16. Bezirks und wie sie Welten verbindet – von türkischen Wurzeln über queere Performances bis zur Akademie der bildenden Künste. Die Folge dreht sich um Miteinander statt Anpassen, starke Jugendliche mit mehreren Sprachen, den Wiener Grant versus offene Debattenkultur und Wiens Potenzial als „coole Tante“ – ein stabiler Berg inmitten strenger Eltern.

Host: Livia Heisz
Konzeption, Redaktion: Livia Heisz, Anna Muhr, Jeanne Drach
Schnitt: Anna Muhr, Catharina Ballan
Produktionsleitung: Jeanne Drach
Das ist eine Produktion von OH WOW Podcasts.

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Speaker:

Die Jugend, die kommen wird, das ist genau was ich gesagt habe, das ist pure Vielfalt. Das sind jetzt die echten Wiener. Ich habe halt das Gefühl das voll viele Menschen Wien nicht kennen, weil sie halt nur Beisl-Wien kenn, oder nur das queere Wien kennen, oder nur das türkische oder das arabische Wien, das Wiener Wien, das Bobo Wien...Ich kenne wirklich sehr viel und deswegen denk ich mir, wenn jemand über Wien redet, dann bin ich das, weil ich kenn mich wirklich sehr gut aus. -Das ist Esra Özmen. Esra ist Rapperin, Kuratorin, Streetworkerin und Wienerin. Wenn ich was über Wien als Lebensraum und Lebensbühne erfahren will, dann ist sie die richtige Anlaufstelle. Weil Esra weiß, wovon sie spricht, wenn sie über die Vielfalt dieser Stadt philosophiert. Warum sie findet, dass Wien sowas wie unsere coole Tante sein kann, erfährst du in dieser ersten Folge von HILFEN. Heast Wien. Wie klingt die Stadt? Ich bin Livia Heisz und ich lebe in Wien. Meine Oma ist Wienerin, mein Papa ist Wiener und ich, naja, ich eigentlich nicht. Geboren und aufgewachsen bin ich nämlich ganz woanders, zwischen Bergen, Staudammbauen und sommerlichen Jazzklängen. In Wien war ich zum ersten Mal, als ich fünf war und habe mich zwischen alter Opernpassage, Lifeball und Uhudla-Limonade-Schock verliebt. Mir war klar, hier will ich mal leben. Jetzt, mit Anfang 30, schaue ich auf 15 Jahre Wien zurück. Hergekommen, um picken zu bleiben. Und frag mich, darf ich mich überhaupt Wienerin nennen? Für diesen Podcast treffe ich Menschen, die Wien ausmachen. Menschen, die Wien mitgestalten. Menschen, die Wien sind. Deswegen bin ich jetzt auf dem Weg ins CI am Yppenplatz und spaziere auf dem Weg dorthin, über den Brunnenmarkt. Ein akustisches Gemenge aus türkisch, arabisch und breitem Wiener Dialekt begleitet mich. Durch eine dicht an dicht gedrängte Allee aus Standeln, vorbei am Brutzeln der Kebabspieße, orientalischer Musik aus kleinen Lautsprecherboxen, knackig kullernden Kohlköpfen und dem wuchtigen Niedersausen eines Holzknüppels, der wohl einen Karpfen gerade verkaufsbereit macht. Süße Gewürze, würziger Käse, Blumenduft und Holzkohlenaroma hängen mir noch in der Nase, während sich vor mir alles weitet und Wiens längster Straßenmarkt in den Yppenplatz übergeht. Einmal quer über den Platz und ich stehe vom CI, also eigentlich Café Club International, das seit 1983 den Menschen hier als Vernetzungsort und sozialer Treffpunkt offensteht. Esra, wir sind gerade im CI. Warum hast du diesen Ort heute für unser Gespräch ausgewählt? Was bedeutet dieser Ort für dich? -CI ist mein Stammlokal, da bin ich sehr, sehr, sehr oft da. Viele Songs sind auch hier entstanden, weil ich halt im Sommer vor allem sehr gerne draußen sitze, Texte schreibe, auch arbeite und die Atmosphäre ist hier sehr schön. Ich liebe die Kellner und die Kellnerinnen und weil es für mich hier sehr gemütlich ist und es ist für mich wirklich wie so ein zweites Wohnzimmer. Deswegen wollte ich auch, dass das Interview hier stattfindet. -Voll gut. Und ist es wirklich so auch dein Wien hier? -Auf jeden Fall. Also vor allem in Ottakring fühle ich mich so wirklich zu Hause. Wenn ich mit dem Auto vom Gürtel in den 16. so reinfahre, denke ich mir so, okay, jetzt bin ich zu Hause angekommen. -Hier im 16. und auch im Yppenplatz treffen ja ganz viele Kulturen aufeinander. Und Wien war auch immer eigentlich so eine Vielvölkerstadt. Wie erlebst du denn das? Ist es ein Mix aus vielen Kulturen oder leben die eher so nebeneinander her? -Ja, das mit den vielen Kulturen ist sehr, sehr interessant. Es gibt zwar in Österreich viele Kulturen, aber ich hatte das Gefühl immer, es war nicht so viel erlaubt, alle Kulturen auszuleben. Ich habe vor einem Monat ein interessantes Gespräch mit Wolfgang Sobotka gehabt. Und er hat mir dann gesagt, und das fand ich auch ehrlich von ihm, er meinte, Österreich war nie ein Migrationsland, sondern wir waren immer ein Durchgangsland. Und die Menschen sollten eigentlich nicht hierbleiben, unter Anführungszeichen. Und das hat man halt immer gespürt, dass es geschlossen war und nicht offen, wie oftmals auch Österreich sich zeigen will. Aber mittlerweile sind so viele Kulturen da, dass man einfach nicht mehr wegschauen kann. Es ist einfach die Realität. Vielfalt ist einfach die pure Realität. Davon kann man nicht weglaufen. Und hier sieht man, wie das auch gut funktioniert. Und ich bin ein Fan von nicht unbedingt durchmischen, sondern existieren zu können. Also ich glaube, niemand muss sich dem anderen anpassen oder der Kultur, sondern jeder macht das eigene Ding. Und ich glaube, wenn man die Freiheiten hat, dann kommen die Begegnungen sowieso, weil nicht der Zwang von oben da ist. -Und ist es dann so ein Nebeneinander, Miteinander? -Auf jeden Fall. Es ist hier voll Miteinander. Also der Markt hat sich auch vollkommen verändert. Früher war der Markt eigentlich rein türkisch. Es waren türkische Stände da. Weil einfach die Migrationsgeschichte. Mein Großvater kam als Gastarbeiter nach Österreich und direkt nach Ottakring. Also der war 70 Jahre da. Ich bin schon seit 35 Jahren in Ottakring. Und genau, mittlerweile sind die Türken, türkische Stände, haben jetzt Restaurants geöffnet, sind auch nach Niederösterreich ausgezogen, in schönere Wohnungen etc. etc. Jetzt sind die Syrer da. Und es ist voll schön. Ein Rapper namens Ceza hat mal in einem Text gesagt, das Unveränderbare ist die Veränderung selbst. Also alles wird sich selbst verändern. Und wir müssen einfach mitkommen mit dieser Veränderung. Und gerade ist die Realität, dass es hier im Brunnenmarkt sehr viel Kunst und Kultur gibt, dass es syrische Stände gibt, dass es türkische Restaurants gibt. Und es ist schön, einfach das zu nehmen, was man hier hat. -Du bist geboren und aufgewachsen in Ottakring. Erzähl mir ein bisschen was über deine Lebensrealität als Teenagerin. -Als Teenagerin habe ich das Leben nicht so gemocht, muss ich sagen. Für mich war das Schulsystem schon sehr, sehr beängstigend. Ich kam in die Volksschule und konnte eigentlich gar kein Deutsch. Weil anscheinend war damals der Kindergarten ein bisschen teurer und meine Eltern haben sich das nicht leisten können. Ich weiß es nicht. Ich war in keinem Kindergarten. Und was interessant ist, bei mir noch in der Generation, ich habe noch die Gastarbeitergeschichte miterlebt. Also das ist auch interessant, dass zum Beispiel in Deutschland, Menschen in meinem Alter die Erfahrung nicht haben wie ich. Also ich bin noch in einer Einzimmer-Küche-Wohnung aufgewachsen, ohne WC, ohne Dusche drinnen. Wir sind hier auf der Thaliastraße. Da gab es Duschen, öffentliche Duschen. Da ist man immer sonntags hingegangen und hat draußen geduscht. Genau. WC geteilt, war am Gang, etc. etc. Und in dieser Phase war ich in der Volksschule und habe mich einfach nicht wohl gefühlt, weil ich auf einmal eine Sprache lernen musste, die ich gar nicht konnte. Ich habe voll viel nicht verstanden. Und dann wurde mir auch sehr viel Angst gemacht, muss ich sagen. Damals waren die Lehrer*innen auch, waren auch glaube ich überfordert. Ich weiß es nicht. Sie wussten nicht, wie sie mit uns reden sollen. Ich kann mich erinnern, dass meine Lehrerin mal gemeint hat, deine Zukunft schaut schwarz aus, Esra, wenn du so weitermachst. Und als Kind denkt man einfach unter diesem Zitat, ich dachte mir, meine Zukunft, die schwarz ist, ist im Keller, im Gefängnis. Und ich habe mir das so wirklich horrormäßig vorgestellt. Und ich hatte echt mega viel Angst. Also habe dadurch auch ehrlich gesagt so eine gewisse Angststörung an sich hat sich dann entwickelt, weil ich die ganze Zeit dann auch so obsessiv mir gedacht habe, ich muss studieren, weil sonst lande dort... und Armut und so weiter und so fort. Hört sich gerade wie Horrorgeschichten an. Und als Teenager. Als Teenager war ich dann in der Hauptschule. Das war dann auf einmal richtig gemischt. Das fand ich eigentlich ziemlich geil. Da meine Mama hat sich gedacht, boah, in Ottakring sind so viele Türken und meine Tochter soll Deutsch lernen. Aber wie schaffen wir das? Und dann hat sie mich, weil wir gegenüber dem Achten wohnen, hat sie mich in den Achten in die Schule geschickt. Und anscheinend haben alle Türken so gedacht. Wir waren 14 Türken, 4 Serben und ein Österreicher war in der Klasse, weil es war halt eine Hauptschule auch. Genau. Und dann von der Hauptschule habe ich es dann ins Gymnasium geschafft. Da war ich auf einmal so die einzige Migrantin in der Klasse. Das war dann auch mega schwer. Da habe ich zum ersten Mal so Klassenunterschiede gemerkt. Ich war Arbeiterklasse. Ich habe das zum ersten Mal mit so Essen gecheckt. Mittagspause. Keine Ahnung, ich hole mir einen Weckerl, sie holen sich so Obst, Gemüse, schauen, dass sie kein Brot essen, ein Schwarzbrot essen nehmen. Und dann dachte ich mir so, ey, wir essen anders. Sie schauen auch so ein bisschen so runter, wenn ich irgendwas Süßes mitbringe. Oder irgendetwas mit habe. Dann sind sie auch so voll entsetzt, dass ich sowas esse. Das war so der erste Punkt, wo ich mir gedacht habe, ey, das sind schon unterschiedliche Welten. -Das mit dem Essen ist eh voll das gute Beispiel. Noch auch so, weil, was dich sonst noch so, oder wer, oder was dich eben da am stärksten geprägt hat, dann auch so in deiner heranwachsenden Teenagerzeit? -Boah, was mich wirklich so geholfen hat, war, es klingt jetzt richtig kitschig, aber da war meine Mama. Sie hat gemerkt, glaube ich, dass ich studieren muss, dass ich was machen muss. Und hat mir immer gesagt, Esra, Enes, der ist ein Typ, der kommt irgendwie zurecht im Leben. Die haben es immer leichter. Aber als Frau hast du es immer schwer. Und meine Mama ist keine klassische, unter Anführungszeichen, Feministin. Sie ist einfach muslimisch, Kopftuch tragende Person. Aber die hat das gecheckt, dass Feminismus sehr, sehr wichtig ist. Und deswegen war sie so, du musst, damit du ein geiles Leben hast, musst du studieren. Das musst du machen. -Ich will mit dir dann eh auch noch so über Studium und eben Bildende und alles reden. Aber nochmal zurück zum Teenager sein und so, weil du arbeitest jetzt ja auch viel oder hast schon voll viel mit Jugendlichen immer gearbeitet, hältst Workshops in Schulen, Jugendzentren, hattest dein Rap-Chor. Was erzählen dir die Jugendlichen heute über ihr Wien, das sich von deiner Teenagerzeit damals unterscheidet? -Es unterscheidet sich mega. Also erstens mal sind sie viel stärker als wir. Sie sind viel bewusster. Sie haben viel mehr Wissen. Sie kennen sich einfach viel besser aus. Und sie haben diese Einsamkeitsgefühle, die meine Generation hatte nicht. Gerade gibt es von ihnen sehr viele. Deswegen finde ich auch in der heutigen Zeit reden wir, wir reden über Rassismus, wir reden über Sexismus, wir reden über Diskriminierung. Und die Kids bekommen das mit. Die reden auch über diese Themen. Bei uns waren diese Themen nicht einmal Thema. Wir haben es erlebt. Das war ein Erlebnis. Aber darüber wurde in meiner Zeit nicht über Rassismus gesprochen. Ich habe Rassismus erlebt. Aber keiner hat das damals kritisiert oder es war eine Debatte darüber. Und man merkt einfach, dass jetzt eine Welle von Jugendlichen kommt, die richtig stark und voll klug sind. Die neue Jugend, also die Jugend, die kommen wird, das ist genau, was ich gesagt habe. Das ist pure Vielfalt. Das sind jetzt die echten Wiener. Ich frage immer nach, weil ich denke, dass Migration immer eine Vielfalt ist. Ich frage immer in den Klassen, wenn ich Workshops gebe, nach Sprachen. Ich frage immer, wer kann Deutsch und noch eine Sprache. Und die Kids sind dann, mehr als die Hälfte zeigt auf. Letztens 90 Prozent hat aufgezeigt, die neuen Kids können zwei, drei, vier Sprachen. Und das ist einfach ein Geschenk. Da ist so viel Potenzial. -Wenn du in Schulen bist und weil du vorher eben auch von der Stärke der Jugendlichen heute gesprochen hast, ist das dann auch, weil sie eben Vorbilder wie dich haben? Oder siehst du dich selber als Vorbild? -Also ich glaube, klar gehe ich jetzt nicht davon aus, dass ich ein krasser Vorbild für die Jugendlichen bin. Aber ich glaube, ich und viele mehr in unserer Generation, die einfach studiert haben, einen Weg gegangen sind, zeigen den Jugendlichen das Gefühl, dass es machbar ist. Ich habe mich, wenn eine Österreicherin damals maturiert hat, habe ich mir gedacht, ja, Österreicherin, sie schafft das eh. Sie redet Deutsch, die Eltern haben sie unterstützt. Aber dann, wenn eine Türkin es geschafft hat, dachte ich mir so, was? Die Nachbarin hat es geschafft, wieso sollte ich es nicht schaffen? Und das ist, glaube ich, sehr wichtig. Wenn von uns Menschen da sind, die Musik machen, die Autorinnen sind, Schauspieler sind, Juristen sind, et cetera, et cetera, hat man das Gefühl, wenn Ayse Fatma Mohamed Zeynep das hinbekommen hat, das geschafft hat, mit derselben Klasse und ähnlichen Identitäten und Realitäten, wieso soll ich das nicht schaffen? -Welche Rolle kann jetzt Kunst im öffentlichen Raum in Wien spielen, damit Kinder und Jugendliche, die eine ähnliche Biografie wie du haben, sich mehr als Teil dieser Kunst oder sich früher als Teil dieser Stadt begreifen? -Ich glaube, in Österreich fehlt es leider noch an ein paar Sachen. Weil Österreich einfach Angst vor Vielfalt hat. Ich denke mir so, wieso hast du Angst? Du bist so ein cooles Land. Österreich ist so cool. Wien ist so cool. Und es könnte noch viel cooler sein. Wenn wir uns zum Beispiel nur Musik und Kunst und Kultur anschauen, wir haben keinen einzigen türkischen Hit in unseren Radios. Kein kroatisches, kein arabisches, kein serbisches. Aber es gibt diese Leute. Deswegen braucht es viel mehr Kunst und Kultur, die gefördert wird, wo wir uns auch hier sehen. Zum Beispiel, wenn ich mal in Berlin bin und ein Metropol-FM höre, was nur rein türkisch ist, es ist nicht so, dass man dann Berlin nicht mag, sondern man mag Berlin noch mehr. Also, wenn in Österreich jetzt ein Radio geben würde, der nur türkisch wäre zum Beispiel, oder nur arabisch, oder nicht nur, aber so gemixt, das heißt nicht, dass man von Österreich was wegnimmt, sondern man gewinnt was dazu. Man denkt sich, krass ist dieses Land. Die bieten sowas an. Boah. Und manchmal verstehe ich das nicht, wieso man das auch nicht hier machen kann. Aber es kommt. Es ist nicht nur alles negativ. Was ich in Österreich schätze, ist schon unsere Kunst und Kultur. Wirklich, wir haben sehr viele Möglichkeiten hier. Es gibt sehr viele kleine, große Bühnen im Sommer. Ich bin sehr viel aktiv. Und es wird auch viel mehr jetzt sozusagen unsere Kunst und Kultur gefördert. Aber da geht noch viel mehr. -Wer über den Yppenplatz spaziert, wo die Bobos auf die türkische Community und alteingesessene WienerInnen treffen, hört viele Sprachen, sieht viele Lebenswelten. So wie in Esra Özmens Biografie. Nach der Matura hat sie konzeptionelle Kunst studiert. Derzeit schreibt sie an ihrer Dissertation in Philosophie. Und als Rapperin steht sie seit vielen Jahren auf der Bühne oder gibt Workshops für Jugendliche. Man kann sagen, sie bewegt sich richtig leichtfüßig zwischen den Welten und verbindet, was sonst oft getrennt bleibt. Inwiefern überschneiden sich denn deine Bubbles? Also wir haben die türkische Community in Ottakring, wir haben Rap, die Akademie der Bildenden Künste, dein Philosophie-Doktorat. Wie sind das so Überlappungen? -Ich habe schon Schwindelattacken. Ich sage immer, und ich sage das echt nicht, um anzugeben, ich sage oft auch jetzt meinen Freunden, ich kenne jemanden, der so in Diversität lebt wie ich. Und es ist nicht immer sehr leicht, muss man schon sagen. Also dieses überall sein, aber nirgendwo hundertprozentig zu sein, ist auch ein Kampf mit sich. Also man redet immer so, Diversität ist richtig schön, aber man redet oft wenig, dass es manchmal auch Schwierigkeiten hat. Aber ich bin. Also an einem Tag war ich am Üppenplatz, da hatte ich ein Interview. Und damals hat mein Großvater gelebt. Wir waren kurz in der Moschee, haben da Leute begrüßt. Oh, Esra, Salamu alaikum, du rappst, Masha 'Allah. Dann sind wir hergekommen. Brunnenpassage war so eine queere Performance. Und da queere Szene. Oh, Esra, wie geht's? Ah, queere Szene ist ja auch dabei. Dann sind da so echte Wiener. Ja, ist Und so Antifa-Leute. Und dann meinte der, Leute, was ist los mit euch? Also in welchen Kreisen seid ihr? Und deswegen wirklich, also ich kenne Wien. Ich kenne halt, ich habe das Gefühl, voll viele Menschen kennen halt Wien nicht, weil sie nur so Beisel-Wien kennen. Oder nur das queere Wien kennen. Oder nur das türkische Wien kennen, das arabische. Das Wiener-Wiener, Bobo. Ich kenne wirklich sehr viel. Und deswegen denke ich mir, wenn jemand über Wien redet, dann bin ich das, weil ich kenne mich wirklich sehr gut aus. Ja. Es ist nicht immer leicht, aber es ist richtig, richtig schön. -Und bist du da eigentlich immer so dieselbe Person oder bist du jetzt auch anders, wenn du, keine Ahnung, jetzt mit den Kunstleuten unterwegs bist? -Ich weiß nicht, ob ich anders bin, aber es sind auf jeden Fall andere Themen. Und eine andere Identität lebt in mir, in einer Akademie-Welt mir aus. Zum Beispiel, wenn ich mit Akademie-Freunde bin, dann bin ich, ich bin free, ich fühle mich wohl, ich bin offen. Aber wenn ich zum Beispiel Akademie-Freunde zu türkischen Leuten mitnehme, erkläre ich aber die Türken auf, bevor die anderen kommen. Also man muss auch sehr viel Aufklärung machen. Weil man muss schon auch beibringen, das und das und das. Also du kannst keine queere Menschen nehmen, keine Ahnung, in eine Gruppe, die vielleicht nicht so queer-freundliche Zitate bei sich hat. Und das einfach nicht mehr sagen lassen. Also da musst du schon sagen, Leute, so. Es geht einfach nicht. Und das war schon sehr viel Arbeit, diese Szenen zu verbinden, auch dazu aufzuklären, dass der das nicht so gemeint hat, aber die das nicht so gemeint haben. Das sind so viele Realitäten, das ist jetzt echt sehr komplex, die miteinander, aber es geht. -Das heißt, es ist ein ständiges Vorbereiten, Aufklären und Vermitteln. -Auf jeden Fall. Und das mache ich alles gratis. Also das ist echt sehr, sehr viel Arbeit. -In welchem dieser tausend Kreise fühlst du dich am meisten als Wienerin? -Oh, eine sehr gute Frage. Boah. Als Wienerin. Ich glaube unter meinen engsten Freunden. Da fühle ich mich. Also da fühle ich mich glaube ich so als wirklich Wienerin. Und es ist halt auch voll interessant. Ich merke auch, was es ausmacht, mit wem ich unterwegs bin. Zum Beispiel, wenn ich mit dem Mohammed unterwegs bin, dann erlebe ich ja einen Wiener, der so ein bisschen so, wir sind noch in unserem alten Trauma, dass weil er auch so Arbeiterklasse ist, wir sind so ein bisschen so, wenn ich mit Lois unterwegs bin, das ist mein bester Freund, so weißer, hübscher Junge, so auch angewandte, ganze Wien gehört uns. Also wir laufen durch, also wir fahren, wir sind am Fahrrad. Ich bin angstfrei. Also ich genieße auch von seinen Privilegien. Also manchmal ist es auch sehr wichtig, so Freunde zu haben, die gewisse Privilegien haben, die du nicht hast. Und umgekehrt auch. Wenn mich die Polizei aufhält mit einer weißen Freundin, denke ich mir so. Du merkst es halt so, wenn du aber so mit anderen Leuten unterwegs bist, die eh auch auffällig für Polizisten sind, bist du auch die ganze Zeit so, okay, jederzeit kann jetzt was passieren. Und das sind so zum Beispiel auch Wien-Realitäten, die keiner weiß. Vor ein paar Jahren hat mir auch eine Person gesagt, Esra, du wirst echt oft aufgehalten. Ich wurde in meinem Leben noch nie aufgehalten, crazy. Und das passiert, glaube ich, das ist halt auch Wien. -Und in welchen Kreisen fühlst du dich dann am wenigsten als Wienerin? Ist das in solchen Situationen, wo du eben aufgehalten wirst und dich erklären musst? -Ja, am wenigsten als Wienerin fühle ich mich so, das ist leider noch da, aber das ist eher so in den Außenbezirken, wo du hingehst, vor allem mit meiner Mama. Meine Mama trägt da ein Kopftuch und da hast du so Gesichter, die schauen dich an und die wackeln nur mit dem Kopf, wenn du neben denen türkisch redest. Da fühle ich mich, also da bin ich so, wenn das ein Wiener ist, will ich kein Wiener sein. Das sind auch so Blicke und solche Blicke gibt es auch bei den Türken auch gegenüber Syrern zum Beispiel. Also das ist so ein internationaler Blick, das ist ein internationaler rassistischer Blick. Das ist nicht nur für die Wiener gedacht. Aber das ist so ein, der wertet mich ab mit seinen Augen. Und da denke ich mir so, wenn der sich denkt, ich bin ein Wiener, dann will ich kein Wiener sein. Das habe ich manchmal leider auch. -Gibt es Momente eben, an denen du festmachen kannst, so boah, da passiert jetzt die Veränderung? Jetzt nicht nur weil, okay, ich habe meine Titel und irgendwas, sondern. -Ja, weiß ich nicht. Ich habe mittlerweile gemerkt, Veränderung ist im Kopf wirklich, das klingt jetzt sehr klischeehaft, aber es ist wirklich so, man muss, ich muss mir jeden Tag sagen, Esra, du bist nicht fremd, du bist Wienerin. Und ich muss das wirklich, weil ich immer das Gegenteil gehört habe. Also, schlech dich, du bist ein Ausländer, Ausländer, Ausländer. Diese Stimmen habe ich noch in mir leider. Und das ist glaube ich die Arbeit, dass ich, ähm, zu mir stehen muss und immer wieder mir sagen muss, Titel gibt leider nichts. Gibt die Anerkennung, aber du wirst trotzdem von der Polizei aufgehalten. Der Polizist checkt nicht, dass du ein Tschusch mit Titel bist, sondern der zieht nur ein Tschusch. Also, hat mir gar nichts gebracht. Ich dachte mir, nachdem ich einen Titel habe, wird mein Leben viel geiler sein. Hat nichts gebracht. Weißt du was, was bringt? Kopfsache bringt was. Wenn ich da stehe und mir denke, ich bin eine Wienerin, Moment mal, so reden sie mit mir nicht, weil ich bin hier geboren, hier auf etc. etc. Das bringt was. Sonst, äh, bringen Titel Akademie etc. etc. leider wenig. -Du hast 2018 und 2019 mit ESRAP, also gemeinsam mit deinem Bruder, dem Sänger Enes, die Wiener Festwochen eröffnet. Passt das Bild, das Wien bei solchen Großveranstaltungen von sich vermittelt, mit deinem eigenen Bild von Wien zusammen? Nein. -Nein, überhaupt nicht. Also, gar nicht. Es ist voll interessant, das habe ich auch noch nie irgendwo gesagt, aber als ich bei Wiener Festwochen die Anfrage bekommen habe, dass ich auftreten werde, wusste ich, habe ich Wiener Festwochen nicht gekannt. Also, das klingt vielleicht absurd, aber wir Arbeiterklasse, wir wussten davon nichts. Wir Arbeiterklasse, wir haben nur Donauengelfest gekannt, sonst hat man keine Feste gekannt. Mittlerweile hat sich das sicher auch verändert, aber zu meiner Zeit war das einfach eine, ein ganz anderes Wien, als was ich kenne. Aber ich habe dieses Wien auch geliebt. Also, ich bin bei der Wiener Festwochen aufgetreten und da habe ich tausende Menschen kennengelernt, das war auch voll interessant, als ich begonnen habe, Musik zu machen, die gesagt haben, endlich seid ihr da. Endlich spricht das jemand aus. Also, es gab in Wien tausende Menschen, die anscheinend auch auf so jemanden gewartet haben, die so, keine Ahnung, wie mein Bruder und ich ist und die über diese Themen reden und wir haben dafür sehr viel Anerkennung auch bekommen, muss ich auch sagen. Also, als ich auf der Bühne war und der Tschusch ist da gesungen habe und die Österreicher mich applaudiert haben, war ich so schockiert. Ich kam dann nach Hause und habe gesagt, Mama, ich war heute auf der Bühne, ich habe gesagt, der Tschusch ist da, der Tschusch ist da und ich bin ein Ausländer mit Vergnügen und die Österreicher, die so Mehrheitsösterreicher, haben mich applaudiert und waren so, ich bin stolz auf sie. Hä? Ich habe das damals gar nicht verstanden und das war damals ein großes Erlebnis und ja, also das muss ich auch schon erwähnen, dass das auch uns geprägt hat, auch weiter Musik zu machen und uns Mut gegeben hat. -Anderen Mut geben, das tut auch Esra, wenn sie mit jungen Menschen arbeitet. In Workshops lässt sie Jugendliche eigene Texte schreiben, die sie dann gemeinsam rappen. Wer sich nicht traut, wird eingeladen, es zu probieren und am Ende öffnen sich Türen, öffnen sich Räume, in denen gemeinsam gestaltet und gerappt wird. Wien in einer 10-sekündigen Klang- Collage. Welche Sprachen, welche Geräusche, welche Rhythmen wären da fix zu hören? -Also Geräusche, was Wien sehr ausmacht, sind die Märkte meiner Meinung nach. Marktgeräusche wären sicher dabei. Sprachen wären deutsch-türkisch, arabisch und BKS. Ich finde, Klänge sind harte Bässe mit ein paar Klaviertönen. Ja, ein paar Klaviertönen, würde ich sagen. -Okay. -Weil du schon die Sprachen angesprochen hast, ab wann ist für dich ein Dialekt, ein Slang, ein Sprachenmix wienerisch? Stichwort Mischsalat. Ja. -Ne, ich merke auch, wie viel ich Wiener, weil ich bin mittlerweile immer wieder in Berlin und keine Ahnung, ich wusste nicht zum Beispiel, dass das Wort Schirch wienerisch ist. Schirch, ich kenne das Wort nicht so. Das ist doch deutsch. Hässlich, etc. Aber für mich ist Wienerisch, wenn man, also erstens mal solche Wörter reinbringt. Ich mag Wienerisch sehr. Aber wir haben auch zum Beispiel, verwenden auch, jetzt von Türken, weil meine Eltern aus der Türkei kommen, Türken reden auch ein Wienerisch Mix-Türkisch. Es gibt auch zum Beispiel ein paar Witze, zum Beispiel, sie sagen nie Salzburg, sondern sie sagen Zasburg. Genau. Oder man sagt, das ist auch schwierig, Krankpatlat. Krank, es kommt vom Krankenstand und Patlat heißt bombardieren. Das heißt so, wenn du krank bist, dann bombardieren, Krankenstand. Das ist so ein Mix von Krankenstand, bombardieren, Krankpatlat. Das ist so halb deutsch, halb türkisch und solche Wörter haben wir sehr viel. -Was ist denn dein wienerisches Lieblingswort? -Ich sage immer, bist du deppert. Ich liebe das. Also bist du deppert. Das ist glaube ich das Wort, was ich am meisten verwende. -Da liegt auch so vom Gefühl her so viel drinnen. Ich liebe. -Ich liebe es. -Was schätzt du sonst noch so am Wienerischen und was nervt dich? Also nicht unbedingt aufs Sprachliche bezogen, sondern eher mehr so die Wiener Einstellung, das Wiener Gemüt. -Was mich stört ist der Wiener Grant. Dass Menschen nicht so offen sind. Sie lächeln auch nicht. Ich lache oft auf Leute an. Und dann kommt manchmal gar nichts rüber. Die sind so ein bisschen so schon so Warum lacht. -Mich die an? -Warum lacht mich die an? Also das ist glaube ich das meiste, was mich stört. Und manchmal, Wiener können auch sehr provokant sein, das nervt mich auch. Was ich sehr, sehr schön finde bei Wiener ist, dass man wirklich über alles mit denen reden kann. Also das haben sie schon hinbekommen. Auch Gott sei Dank, sie haben ja auch jahrelange Migrationsgeschichte. Aber ich könnte zum Beispiel, ich habe mit Wolfgang Sobotka gesprochen und wir haben richtig unterschiedliche Meinungen gehabt. Ich weiß nicht, ob ich mich trauen würde, mit einem türkischen Nationalpräsident so zu reden. Wir haben uns, nein ich denke nicht so und zum Schluss hat er auch gesagt, ja das haben wir in Österreich geschafft, dass wir so miteinander reden können. Und das glaube ich hat man in Wien geschafft. Ich trete in Wien auf und ich habe nie Angst, meine Meinung zu sagen. Fast nie Angst. Außer es sind von mir angesehene Nazis, wo ich mir denke, oh aber bei denen hätte ich auch hoffentlich keine Angst. Aber das schätze ich in Wien wirklich, dass ich keine Angst haben muss, irgendwie meine Meinung zu sagen. Was ich noch mag in Wien vor allem ist die Chancen. Also ich bin ja eine Stadt-Wien-Fan. Unsere Büchereien, Schwimmbäder, Wasser. Also ich war letztens wieder in Berlin. Ich dachte mir so, Leute, was ist das? Ihr habt keine Bänke zum Sitzen draus. Ich bin so in Wiener geworden. Ich habe mich die ganze Zeit aufgeregt. Schau, wenn du raus gehst aus dem CI, jeder Blick, also wenn du links oder rechts schaust, du siehst Mülleimer. Überall. In Berlin hole ich eine Flasche, ich laufe eine halbe Stunde, es gibt keinen Mistkübel. Hier in jeder Sichtweite hast du mindestens einen Mistkübel. Wir haben Wasser im Sommer überall. Trinkwasser, das beste Wasser. Also das ist, die U-Bahn. Jede dritte Minute kommt die U-Bahn, Leute. Und dann jammern Wiener. Scheiße, die muss drei Minuten warten. Ich denke mir so, drei Minuten. Also das ist schon, wir vergessen, dass wir im Luxus leben. Also wenn wirklich starten Autos wäre, wäre Österreich Mercedes-Benz. -Was sagst du, wenn ich jetzt weder in Wien geboren noch in Wien aufgewachsen bin, aber mein gesamtes Erwachsenenleben hier verbracht habe, darf ich mich dann Wienerin nennen? Ja. -Würde ich schon sagen. Ich glaube, ja, auf jeden Fall. Man muss, ich finde manchmal sind Menschen, die hier kurz gelebt haben, manchmal mehr Wiener oder Wienerin als Menschen, die ein Leben lang da sind, weil sie nur mit drei Menschen in Kontakt sind. Ich meine das nicht negativ, aber auf jeden Fall. Wenn du in den richtigen Orten mit den richtigen Menschen warst, kannst du auf jeden Fall sagen, dass du eine Wienerin bist. -Und du, weil eben, du bist Wienerin, du bist so vieles. Du bist Musikerin, du bist Rapperin, du bist Dichterin, Kuratorin, Streetworkerin, bald promovierte Philosophin. Meine Frage noch, kann eine Gesellschaft wirklich gerecht sein, wenn sie Menschen ständig dazu anhält, sich zu erklären, also wer sie sind, woher sie kommen, ob sie dazugehören, unter Anführungszeichen. Wie geht sich das aus? -Ich glaube, das geht sich nicht aus. Also ich kann mir nicht vorstellen, dass sich das ausgeht. Eigentlich, wenn wir versuchen, ein bisschen weiter zu denken, also wenn wir dieses Staat und Nationalität, ich muss sagen, dass Nationalität einer der schlimmsten Gefühle im Menschenkörper ist, weil es ist sowas von schwer, das rauszubekommen. Es ist eine der schwierigsten Sachen, das rauszubekommen, wirklich. Und ich merke das auch zum Beispiel, als Türkin vor allem, ich habe mir Serien angeschaut als Kind, die haben uns damals mit so Nationalismus gepusht und in einem Land, der gesagt hat, wo du Plakate gesehen hast, so Dacham statt Islam, Wien darf nicht Istanbul werden, das hat uns ja noch mehr türkisiert. Also die haben das vergessen, aber wir waren dann noch mehr so, oh, da sind wir noch mehr Türken. Ich habe jahrelang gebraucht, bis ich dieses Nationalistische aus mir rauswerfe. Das ist pur Gift, wirklich. Und ich glaube, all diese Fragen, dass du dich erklären musst, etc. das ist hier nicht Gerechtigkeit. Wieso? Wieso soll ein Wiener, der nichts geleistet hat im Leben, außer, dass er in Österreich geboren und aufgewachsen ist, entscheiden dürfen, ob ich genug integriert bin oder nicht? Erzählt mir das. Also, außer, dass er Glück hatte, dass er hier geboren und aufgewachsen ist. Wieso hat er das Recht, nur weil meine Eltern woanders geboren sind und ich als Dritter oder Zweiter National geboren bin, darf er entscheiden, ob ich genug integriert bin oder nicht? Wenn du eine Antwort dafür hast, außer Geburtszufall, dann bitte, dann können wir darüber reden. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass du eine Antwort dafür hast. Und bis diese Antwort, wenn diese Antwort nicht beantwortet werden kann, kann eine Welt, wo man sich die ganze Zeit erklären muss, nicht gerecht sein. -Zum Abschluss unseres Gesprächs noch ein Blick in die Zukunft. Was wünschst du dir für Wien als Wienerin? -Ich wünsche mir, dass Wien cooler wird. Ich wünsche mir, dass Wien offener wird. Ich wünsche mir Wien so wie ein ich hoffe, dass ich so eine Tante werde, aber so wie eine coole Tante. Du hast schon Eltern, die dir manchmal so die Stränge geben, aber dann gehst du zu deinem Onkel oder zu deiner Tante, wo du weißt, man sagt so, ich habe auch so eine Tante, man sagt so, das ist wie ein Berg, da kann man sich so anlehnen. Ich würde wollen, dass Wien sowas für mich ist. So die coole Tante, wo ich weiß, das hält mich, das ist wie ein Berg und nicht nur diese strenge Mama und Papa und, also ist auch cool, aber das wünsche ich mir von Wien. Weil ich weiß wirklich, dass Wien viel mehr Potenzial hat. Also, es ist sehr gut, aber es hat, es würde nicht, nichts würde kaputt gehen. Also, es würde nur einen Gewinn geben. -Esra, ich danke dir für dieses wundervolle Gespräch. -Es schönes Interview. -Danke dir. -Danke dir auch. -Wien als coole Tante. Ein Bild, das ich mir gut vorstellen kann. Diese erwachsene Freundin, der du dich anvertraust, bevor du es den Eltern beichten musst, die dir andere Lebensentwürfe zugänglich macht und die dich am Ende des Monats zum Essen einlädt. Ein Mensch, ein Ort, eine Stadt, die dir Halt gibt, ohne dich einzuengen. Wenn Wien die coole Tante ist, was ist dann nochmal Österreich? Genau, Österreich ist Luxus. Österreich ist Mercedes-Benz, wie Esra sagt. Mein nächster Gast, Peter, der fährt auch nur Mercedes und ist damit sogar ein bisschen berühmt geworden. Mehr dazu in der nächsten Folge. Ich bin Livia Heiß, das war Heast Wien. Wie klingt die Stadt? Wenn dir der Podcast gefällt, dann abonnier ihn, um keine Folge zu verpassen. Wir freuen uns auch über eine Bewertung, einen Kommentar und darüber, wenn ihr den Podcast teilt. Bis zum nächsten Mal und wie sagt man in Wien? Baba! Oh, wow!

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